Fußball: Trainerausbildung

„Die schönste Bestätigung“

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„Beim Trainieren von Jugendlichen ist Kommunikation ein großes Stichwort“, ist sich Hendrik Winkelmann sicher. Der Meinerzhagener bildet für den Kreis Lüdenscheid Fußballtrainer aus.

Lüdenscheid - In Lüdenscheid gibt es Hunderte Fußballtrainer, im Märkischen Kreis hingegen vermutlich Tausende. Nicht alle davon haben zwangsläufig die dafür nötigen Lizenzen erworben – aber die meisten.

Doch worauf kommt es beim Trainerjob eigentlich an? Was hat sich beim Coachen in den vergangenen Jahren geändert? Wie schaffe ich es, dass ich als Trainer zu meinen Spielern durchdringe? Über all diese Fragen sprach Volontär Carlo Czichowski mit Hendrik Winkelmann. Winkelmann leitet seit drei Jahren u.a. C-Lizenz-Lehrgänge für Trainer im Kreis Lüdenscheid. Der Meinerzhagener hat einen Abschluss an der Deutschen Sporthochschule Köln und betreut außerdem hauptamtlich die U11 vom Zweitligisten 1. FC Köln. 

Hendrik Winkelmann, wie kamen Sie zum Fußball und wo waren Sie bisher als Trainer oder Funktionär tätig? 

Winkelmann: Fußball war schon immer meine Leidenschaft. Ich komme aus Meinerzhagen und habe in der Jugend des RSV Meinerzhagen angefangen zu kicken. Dort habe ich auch meine ersten Trainerschritte gemacht. Mit 17 Jahren absolvierte ich die C-Lizenz-Ausbildung bei Michael Reimann. Wir kannten uns aber schon etwas länger, weil er zuvor einer meiner DFB-Stützpunkttrainer war. Anschließend wechselte ich zu SV Fortuna Freudenberg. Ich machte dort ein Freiwilliges Soziales Jahr im Sport, übernahm als Trainer die D-Jugend und organisierte auch Schul- und Kindergarten-AGs. In dieser Zeit habe ich sehr viel gelernt. Mein Studium habe ich an der Deutschen Sporthochschule Köln begonnen und mich während des Studiums für ein Praktikum beim 1. FC Köln beworben. Doch ich bekam mehr, als ich erwartet hätte – und mir wurde eine Co-Trainer-Stelle in der U13 angeboten. Diese Mannschaft begleitete ich anschließend als Co-Trainer in die U14 und blieb in meiner dritten Saison in der U14. Ab der kommenden Spielzeit werde ich hauptamtlicher U11-Trainer beim FC sein. Seit 2015 habe ich außerdem die Lehrgänge für die Trainer C-Lizenz beim Fußballkreis mitgeleitet und war neben Michael Reimann, Koordinator für Qualifizierung und Lehrarbeit beim Fußballkreis Lüdenscheid, als Referent für die inhaltliche Gestaltung zuständig. Kürzlich hat Bastian Isbaner Michael Reimann in dieser Funktion abgelöst. Nun arbeite ich mit ihm zusammen. 

Was ist für Sie das Erfüllende an der Lehrarbeit? 

Winkelmann: Man hat immer wieder mit unterschiedlichen Menschen zu tun. Egal ob im Schulalter oder mit über 60 Jahren, die Gruppen sind – unter anderem was das Alter und die Trainererfahrung betrifft – heterogen. Bei den Lehrgängen treffen damit verschiedene Charaktere aufeinander. Jeder gibt seine persönlichen Erfahrungen und Ansichten weiter. Ich nehme auch immer persönlich etwas von den Veranstaltungen mit. So kann ich mich selbst reflektieren. Manchmal trifft man sich hinterher irgendwo auf einem Fußballplatz wieder und tauscht sich aus. Viele bedanken sich bei mir für die Ausbildung – das ist eine der schönsten Bestätigungen. Der ständige Austausch über Fußball ist einfach wichtig und gut. 

Haben Sie durch Ihr Studium auch Erkenntnisse für die Trainerausbildung mitgenommen? 

Winkelmann: Selbstverständlich, aber vieles indirekt. Im Studium lernt man sehr viele nützliche Dinge, die den Horizont erweitern. So erhält man Einblicke in die Anatomie des Körpers oder in die Sportpsychologie. Alles interessante Aspekte. Vieles bringe ich in der Praxis mit ein. Aber es gibt auch wissenschaftliche Theorien, die zu weit von der Praxis entfernt sind, sodass ich sie in meiner Arbeit nicht übernehmen kann. Beim Trainieren von Jugendlichen ist vor allem Kommunikation ein großes Stichwort. 

Inwiefern? 

Winkelmann: Kinder denken und reden anders als Erwachsene. Das, was der Trainer erreichen möchte, muss er einem Kind altersgerecht zu verstehen geben. Eine bildliche Sprache zu benutzen ist überaus hilfreich. Das macht die Sachverhalte für Kinder und Jugendliche greifbarer. Wenn der Spieler nicht versteht, was ich ihm sagen möchte, dann kann er es folglich auch nicht umsetzen. In diesem Fall ist nicht der Spieler schuld, sondern der Trainer. 

Wenn man die Entwicklung der Trainer-Arbeit betrachtet. Hat sie sich in den vergangenen Jahren verändert? 

Winkelmann: So alt bin ich ja noch nicht, daher kann ich auch nicht allzu lange zurückblicken. (lacht) Aber ich denke, dass der Trainer mittlerweile näher an die Mannschaft herangerückt ist. Es wird mehr interagiert. Sowohl bei den Lehrgängen als auch dann auf dem Trainingsplatz oder in der Kabine. Ich stehe nicht bei Lehrgängen vorne und halte einen zweistündigen Vortrag. Vielmehr behandelt man Fragen, die dann gemeinsam gelöst werden. Und etwa so läuft es dann auch auf dem Platz. Wenn ich ein Training leite, binde ich die Spieler in die Problemlösung mit ein, anstatt ihnen sofort eine Lösungsmöglichkeit zu präsentieren. Am Ende ist Fußball ein Entscheidungssport. 

Sie sind nun als Referent beim Verband tätig und auch neuerdings gleichzeitig hauptamtlicher Trainer. Wie schwer wird es, das unter einen Hut zu bekommen? 

Winkelmann: Das geht sehr gut. Bastian Isbaner übernimmt, wie Michael Reimann zuvor auch, hauptsächlich die organisatorische Komponente und ich eher die inhaltliche. Es sind ja nicht allzu viele Veranstaltungen im Jahr. Daneben mache ich auch noch den berufsbegleitenden Weiterbildungsmaster M.A. Spielanalyse. Aber das ist alles zu stemmen. 

Hendrik Winkelmann, vielen Dank für das Gespräch!

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