MZV-Serie: Übungsleiter der Woche

„Manchmal bin ich sicherlich zu ungeduldig“

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Uwe Hütz als Kampfrichter beim Turnen – seine Aufgaben für den TSV Kierspe sind vielfältig.

Kreisgebiet - Trainer und Übungsleiter im Sport: Auf der einen Seite sind da die „Profis“, die in der Bundesliga oder bei Olympia im Rampenlicht stehen und viel Geld verdienen. Auf der anderen Seite gibt es im Sport aber auch unzählige Trainer und Übungsleiter, die ehrenamtlich oder für eine kleine Aufwands-Entschädigung in der Halle oder auf dem Sportplatz stehen.

Wer an den TSV Kierspe und seine Turner denkt, der denkt auch an Uwe Hütz: Ohne den 56-jährigen Kiersper, der im Hauptberuf als Fertigungsplaner arbeitet, läuft wenig bis nichts in der Halle am Büscherweg, wo die Turnerinnen und Turner des TSV trainieren. Hütz hat die Oberliga-Riege der Kiersper zuletzt zweimal zum Gewinn des Titels in der Männer-Oberliga Westfalen geführt, trainiert aber genauso die 2. Riege des Vereins in der Landesliga und betreut auch den Turn-Nachwuchs in der Gaupokalliga. Und natürlich ist Uwe Hütz auch dabei, wenn die Turnerinnen, die seine Frau Britta trainiert, ihre Wettkämpfe absolvieren. Sportredakteur Thomas Machatzke befragte Hütz für den ersten Teil der neuen Serie der Lokalzeitung. 

Eigener Wunsch oder die Überredungskunst eines anderen? Was ist der Antrieb für Ihre Übungsleiter-Tätigkeit? Wie sind Sie dazu gekommen? 

Nach knapp 30 Jahren im Leistungssport hat mir dieser Gedanke einfach gefallen, und so bin ich dann irgendwie da reingerutscht. Den Leuten etwas weiterzugeben, was man selbst gemacht hat, das war eine schöne Vorstellung. Irgendwann hat das dann nicht mehr ausgereicht. Dann kamen Schulungen und Fortbildungen dazu. Heute muss ich meinen Turnern Elemente und Verbindungen beibringen, die ich selbst nie geturnt habe. Es macht einfach Spaß zu sehen, wie die Jungs lernen und sich dann auch immer mehr verbessern.

Der Faktor Zeit spielt für viele Menschen eine entscheidende Rolle. Viele haben keine Zeit für eine Übungsleiter-Tätigkeit. Wieviel Zeit investieren Sie denn pro Woche? Und: Wie geht das Umfeld damit um? Gibt es Kritik?

Es sind ungefähr zehn Stunden pro Woche in der Halle. Die sind aufgeteilt auf vier Trainingstage. Aber das sind nur die reinen Trainingseinheiten. Dazu kommen die Wettkämpfe, die Erledigung von Sachen beim Verband, das Zusammenstellen von Übungen, das Pass- und Kampfrichterwesen. Von der Zeit her hätte ich wohl längst zu Hause die Rote Karte gekriegt, wenn meine Frau nicht Ähnliches machen würde. Sie trainiert die Mädchen ja genauso. Wenn das nicht so wäre, würde es nicht funktionieren. So ist es schon ein Glücksfall.

Stichwort Ziele: Geht es Ihnen um konkrete sportliche Ziele bei der Arbeit oder eben auch um gesellige Aspekte? 

Es ist weniger die Geselligkeit, eher schon die sozialen Kontakte, die man in der Halle hat. Turner sind Individualisten, da geht man nach dem Training getrennte Wege, wobei bei uns die Jungen und Mädchen, die da trainieren, schon Dinge gemeinsam unternehmen. Positiv ist hier anzumerken, dass viele altersübergreifende Kontakte aufgebaut werden. Trainingsschwerpunkt ist aber schon die sportliche Leistung. Ziel ist es, Wettkämpfe zu turnen und in diesen Wettkämpfen dann auch erfolgreich zu sein. Das gehört doch letztlich dazu: Jemand, der ein Spiel spielt oder einen Wettkampf bestreitet, der will auch gewinnen.

Selbstkritik: Als Trainer beurteilen Sie Ihre Schützlinge, üben Kritik, um sie zu verbessern. Wenn Sie auf sich selbst schauen, was gibt es dann zu kritisieren und zu verbessern?

Manchmal bin ich sicherlich zu ungeduldig und erwarte von den einzelnen Leuten vielleicht auch zu viel Akribie. Dazu kommt, dass es nicht so einfach ist, Dinge zu vermitteln, die ich selbst nie geturnt habe. Bei den Übungen, die die 1. Mannschaft turnt, ist es so, dass ich das inzwischen nur theoretisch und nicht mehr aus eigener Erfahrung vermitteln kann. Aber das lässt sich eben auch nicht mehr ändern und würde letztlich bedeuten, dass sich die Sportart nie weiterentwickeln würde. 

Uwe Hütz, vielen Dank für das Gespräch!

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