MZV-Serie: Übungsleiter der Woche

Per Fahrrad und mit dem Ballsack auf dem Rücken zum Trainingsplatz

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Tom Herberg (links) als Schiedsrichter bei den Hallenkreismeisterschaften: Nur eine von vielen Aufgaben des 34-Jährigen beim TuS Grünenbaum.

Kreisgebiet - Trainer und Übungsleiter im Sport: Auf der einen Seite sind da die „Profis“, die in der Bundesliga oder bei Olympia im Rampenlicht stehen und viel Geld verdienen. Auf der anderen Seite gibt es im Sport aber auch unzählige Trainer und Übungsleiter, die ehrenamtlich oder für eine kleine Aufwands-Entschädigung in der Halle oder auf dem Sportplatz stehen.

Trainer, Vorstandsmitglied, Betreuer, Organisator – Tom Herberg ist als Jugendleiter beim TuS Grünenbaum seit vielen Jahren eine feste Größe, wenngleich der 34-Jährige dabei nicht immer im Rampenlicht steht. Gleichwohl hat der Halveraner, der als Pressesprecher der Stadt Hamm arbeitet, die Nachwuchsarbeit des Vereins geprägt. Herberg ist „Übungsleiter der Woche“ und beantwortet dazu unsere fünf Fragen.

Eigener Wunsch oder die Überredungskunst eines anderen? Was ist der Antrieb für Ihre Übungsleiter-Tätigkeit? Wie sind Sie dazu gekommen?

Eine Mischung aus beidem. In der Jugend habe ich selbst viele Jahr lang für den TuS Grünenbaum gespielt – mit 15 oder 16 Jahren wurden die Einsatzzeiten geringer und für mich stellte sich die Frage, ob ich weiter „herumkicke“ oder ob ich mich woanders einbringen kann. Da zu dieser Zeit die E3-Jugend keinen Trainer hatte, habe ich nicht lange gezögert und bin gemeinsam mit Christian Schubert ins kalte Wasser gesprungen. Mittlerweile bin ich mit einem Jahr Auszeit seit 19 Jahren als Jugendtrainer dabei. Die Anfangszeiten waren durchaus kurios: Da wir beide keinen Führerschein hatten und nicht immer gefahren werden konnten, sind wir oft mit dem Fahrrad aus Halver zum Platz gefahren – im schlimmsten Fall sogar noch mit einem Ballsack auf dem Rücken. Darüber hinaus ging es für uns „Jungspunde“ darum, sich den Respekt der Spieler und Eltern zu erarbeiten. Das war nicht immer einfach, aber wir hatten stets die volle Rückendeckung des Vereins. Das Schöne war: Wir konnten uns ausprobieren und durften Fehler machen, ohne dass einem der Kopf abgerissen wurde – davon profitiere ich noch heute.

Der Faktor Zeit spielt für viele Menschen eine entscheidende Rolle. Viele haben keine Zeit für eine Übungsleiter-Tätigkeit. Wieviel Zeit investieren Sie pro Woche? Und: Wie geht das Umfeld damit um? Gibt es Kritik? 

Da ich nicht nur Jugendtrainer, sondern zudem als Jugendleiter Teil des Vorstandes bin, gehen pro Woche sicherlich acht bis zehn Stunden Zeit drauf, manchmal auch mehr. Mit meiner Mannschaft trainiere ich zwei Mal in der Woche, außerdem haben wir samstags Meisterschaftsspiele. Natürlich ist das sehr zeitintensiv – zumal ich unter der Woche nicht in Halver wohne, sondern an meinem Arbeitsort in Hamm – aber mit entsprechender Organisation ist das möglich. Klar ist aber auch, dass aus meinem Umfeld schon immer mal wieder die Frage kommt: „Warum tust du dir das Ganze an?“ Zugegeben: Immer weiß ich das auch nicht (lacht). Aber es überwiegt bei mir nach wie vor der Spaß. Wenn ich mit den Jungs auf dem Platz stehe und ihnen fußballerisch wie menschlich etwas vermitteln kann, dann ist das ein tolles Gefühl. Die Vorstandsarbeit ist dem gegenüber natürlich trockener, und viele Veränderungen sieht man nicht direkt. Das Schöne ist, dass wir im Verein gut zusammenarbeiten und viele engagierte Trainerinnen und Trainer haben. Vor allem die Zusammenarbeit mit Marc Gütting, der mit mir die Rolle der Jugendleitung übernimmt – ist hervorragend und klappt reibungslos. Einer alleine könnte sowieso nicht alle Aufgaben abdecken, das klappt nur im Team. Dennoch ist es eine Herausforderung, meinem Verein bestmöglich zu helfen – und dafür investiere ich gerne einen Großteil meiner Freizeit.

Stichwort Ziele: Geht es Ihnen um konkrete sportliche Ziele bei der Arbeit oder eben auch um gesellige Aspekte? 

Mir ist beides wichtig. Fußball ist für mich eine Sportart, die verschiedenste Menschen schnell zusammen-bringt. Ich habe in den vergangenen knapp 20 Jahren viele Freundschaften im Verein geschlossen, die ich wirklich schätze, entsprechend wichtig ist mir der gesellige Teil – vielfach auch abseits des Fußballs. Nichtsdestotrotz bin ich Sportler und als solcher gehe ich mit dem Ziel ins Spiel, es nach Möglichkeit zu gewinnen. Allerdings geht es mir nicht nur um das „nackte Ergebnis“. Auf dem Feld möchte ich sehen, dass meine Jungs versuchen, fußballerische Lösungen zu finden und sich darüber hinaus respektvoll gegenüber Gegner, Eltern und Schiedsrichter verhalten. Denn gerade das Drumherum ist wichtig. In meinen Augen geht es darum, den Jugendlichen Werte zu vermitteln – dazu gehören für mich Respekt, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Fairness. Das sind die Dinge, von denen die Jungs auch im späteren Leben profitieren werden.

Selbstkritik: Als Trainer beurteilen Sie Ihre Schützlinge, üben Kritik, um sie zu verbessern. Wenn Sie auf sich selbst schauen – sowohl als Trainer als auch als Vorstandsmitglied –, was gibt es dann zu kritisieren und zu verbessern? 

Da gibt es sicherlich eine ganze Menge – vor allem, wenn man getroffene Entscheidungen erst im Nachhinein beurteilt. Es ist wichtig, dass man die Betroffenen im Umfeld auf seinem Weg mitnimmt und diesen erklärt – das hat in der Vergangenheit nicht immer reibungslos funktioniert, aber da sind wir aktuell gut aufgestellt. Zudem besteht immer die Gefahr, dass man sich in kleinteiligen Aufgaben verzettelt. Es ist wichtig, Verantwortung abzugeben – auch das ist ein Lernprozess. Dass auch immer mal wieder falsche Entscheidungen getroffen und Situationen falsch eingeschätzt werden, bleibt bei ehrenamtlichem Engagement nicht aus – auch wenn mich das jedes Mal tierisch ärgert.

Tom Herberg, vielen Dank für das Gespräch!

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