Handball

Kai Henning und die kurze Reise in die Vergangenheit

+
Fabian Gerth zog sich im Spiel gegen den TV Olpe eine Bänderdehnung zu. Sein Einsatz am Sonntag ist fraglich.

Kreisgebiet - Weiterhin Abstiegskampf pur in der Handball-Landesliga. Für Kai Henning, den scheidenden Trainer der HSV Plettenberg/Werdohl kommt es zu einer Reise in die Vergangenheit. Eine Übersicht der Landesliga-Partien am Wochenende: 

TG Voerde - HSV Plettenberg Werdohl (Sonntag, 17 Uhr, Sporthalle Reichenbach-Gymnasium, Ennepetal):

Die weiteste Auswärtstour für die HSV Plettenberg/Werdohl ist die kürzeste Fahrt für ihren Trainer Kai Henning. Denn zur Sporthalle des Reichenbach-Gymnasiums in Ennepetal, wo die TG Voerde ihre Heimspiele austrägt, benötigt Henning von seiner Wohnung gerade einmal fünf Minuten, während seine Spieler am Sonntag (Anwurf 17 Uhr) aus dem Lennetal eine Stunde unterwegs sein werden. 

Mehr noch – die Halle ist so etwas wie Hennings Wohnzimmer, ist er doch dort zur Schule gegangen, arbeitet am Gymnasium als pädagogischer Mitarbeiter im Ganztag und hat bei der TG Voerde nicht nur seine Spieler- und Trainerlaufbahn begonnen, sondern die TG in der Rückrunde der Saison 2017/18 parallel zur HSV gecoacht. 

Kai Henning ist es natürlich auch nicht entgangen, dass es beim Tabellensechsten aus Voerde (15:13) nach einer starken 9:1-Punkteserie zum Ende des Jahres 2019 im neuen Jahr überhaupt nicht rund läuft. 0:6-Punkte gegen Mannschaften aus der Abstiegszone (SG Ruhrtal, Eintracht Hagen III und TS Evingsen) sind wahrlich kein Ruhmesblatt für das Team des scheidenden Trainers „Kalla“ Paukstadt. Doch auch die Januarbilanz der HSV fällt nicht positiv aus. Auf den knappen Sieg beim Schlusslicht in Lüdenscheid folgten die Heimniederlagen gegen Volmetal II und den TV Olpe. Und weil die Kellerkinder, von der HSG Lüdenscheid einmal abgesehen, fleißig punkteten, darf sich ab Rang vier noch keine Mannschaft sicher fühlen. „Dies dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Es wäre deshalb schön, einen oder zwei Punkte aus Voerde mitzunehmen und die beiden folgenden Heimspiele zu gewinnen“, will Kai Henning jegliche Gefahr frühzeitig bannen. 

Gegen die TG Voerde sieht er seine Sieben auf Augenhöhe. Das war auch im Hinspiel so, das die HSV sechs Sekunden vor Schluss mit 34:33 gewann, nachdem sie zuvor einen klaren Vorsprung vergeben hatte. „Voerde hat Kämpferqualitäten“, weiß Henning, kann aber nicht beurteilen, warum es bei der TG aktuell nicht passt. Möglich, dass sich der Trainingsrückstand von Voerdes Haupttorschützen Dennis Riebeling jetzt negativ auswirkt. 

Wie die HSV am Sonntag auflaufen kann, ist noch mehr als fraglich. Brinkmann, Gerth, Kreikebaum, Lengelsen, Bardischewski und Scheerer plagen sich alle mit Krankheiten oder Verletzungen. Kai Henning: „Wenn es doof läuft, fahren wir mit sechs Spielern und zwei Torhütern nach Voerde. Dann wird es hart."

SG Ruhrtal - TS Evingsen (Sonntag, 17 Uhr, Ruhrtalhalle, Arnsberg-Oeventrop):

Wenn die TS Evingsen am Sonntag bei der SG Ruhrtal gastiert (17 Uhr, Ruhrtalhalle in Arnsberg-Oeventrop), dann ist es im Kampf um den Klassenerhalt ein enorm wichtiges Aufeinandertreffen. Hier die Gastgeber als Viertletzter (10:18 Punkte), dort die Burgstädter als Vorletzter (8:20) – mehr Abstiegskampf geht kaum. 

Obwohl es erst der 2. Rückrundenspieltag ist, drückt es TSE-Coach Sascha Schmoll schon sehr drastisch aus: „Für uns ist es ein Alles-oder-Nichts-Spiel, das gewonnen werden muss. Punkt.“ 

Selbstvertrauen für dieses Unternehmen hat seine Mannschaft zuletzt gleich zweimal getankt. Reichte es trotz guter Leistung gegen den TV Olpe beim 27:33 noch nicht für Zählbares, so schmeckte der Erfolg vom vergangenen Samstag umso süßer: Nach erfolgreicher Aufholjagd wurde die TG Voerde nach furioser Schlussphase noch 38:35 niedergerungen. Und auch an das Hinspiel gegen Ruhrtal haben Lohmann und Co. gute Erinnerungen, behielten sie in der Sauerlandhalle doch mit 34:31 die Oberhand. 

Ganz anders die Gemütslage beim sonntäglichen Gegner. War das Moormann-Team mit Erfolgen in Voerde und die SG Menden II vielversprechend ins neue Jahr gestartet, so folgte am vergangenen Wochenende ein gehöriger Dämpfer: Nach zwischenzeitlicher Acht-Tore-Führung (14:6) zogen die Arnsberger bei Eintracht Hagen III noch mit 25:30 den Kürzeren. 

Kreisläufer Mario Hurlbrink, zuletzt in Topform, möchte mit der TSE jetzt auch auswärts den Bock umstoßen.

Daraus indes abzuleiten, dass die TSE als Favorit ins Match geht, verbietet sich aber. Zum einen sind die Hausherren um Spielmacher Blanke in ihrer engen, stimmungsvollen Halle sehr heimstark, während die TSE in fremden Hallen zu einem gern gesehenen Gast geworden ist: Viermal in Folge setzte es Pleiten mit mehr als zehn Toren Differenz, und auch an das letzte Gastspiel in Oeventrop hat Schmoll keine guten Erinnerungen: „Es geht auch um Wiedergutmachung für unsere letzte Niederlage dort, die mit 21:36 ja sehr knapp ausfiel.“ 

So propagiert der Übungsleiter für Sonntag eine Zielsetzung der kleinen Schritte: „Erst einmal geht es darum, von Beginn an hellwach zu sein, um nicht wie so oft bei unseren Auswärtsspielen den Anschluss schon frühzeitig zu verlieren. Gelingt das, ist schon einiges gewonnen. Letztlich aber rücke ich von meiner Forderung ohnehin nicht ab: Ein Sieg ist alternativlos.“ 

Personell steht das Personal der Vorwoche zur Verfügung, dazu kommen wieder Keeper Hoinka und Rohrsen für den Rückraum.

HSG Lüdenscheid - HVE Villigst/Ergste (Samstag, 19.30 Uhr, BGL):

Heimspiel vor dem lautstarken Publikum in der BGL-Sporthalle: In der Vergangenheit oft genug Garant nicht nur für spannende Spiele, sondern meist auch für Punktgewinne des Handball-Landesligisten HSG Lüdenscheid. In dieser Saison freilich ist vieles anders bei den Bergstädtern, erst ein mageres Pünktchen steht auf der Habenseite des Tabellenletzten und ausgerechnet jetzt kommt der erst einmal bezwungene Spitzenreiter HVE Villigst/Ergste nach Lüdenscheid (Samstag, 17.30 Uhr). Die Frage nach dem Favoriten stellt sich nicht. 

Auch HSG-Trainer Stephan Nocke hatte schon vor 14 Tagen ein „neues Aufbäumen“ seiner Mannschaft eher für das nächste Auswärtsspiel beim Namensvetter in Schwerte/Westhofen angekündigt, denn der Tabellenführer gehört zur Kategorie seiner viel zitierten „nicht unsere Kragenweite“. 

Der bestens organisierte und sehr tempoharte Tabellenführer, der sich – einigermaßen überraschend – zum Saisonende von Erfolgstrainer Thorsten Stange (geht deshalb zum Ligarivalen SG Menden Sauerland Wölfe II) trennt, kommt mit der Empfehlung von 13 Siegen in 14 Begegnungen und schenkte den Lüdenscheidern im Hinspiel gleich 40 Treffer ein. Eine Gegentorflut, die das Schlusslicht gern verhindern möchte. Dazu muss die Deckung konzentriert arbeiten, im Hinspiel kam vor allem der zehnfache Torschütze Stolina als Rechtshänder von rechtsaußen immer wieder auch aus dem gebundenen Spiel heraus zum Abschluss. Aber die Stange-Sieben hat viele schwer berechenbare Größen in ihrem Aufgebot, wird mit offensivem Deckungsspiel immer wieder versuchen, etwaigen Angriffsfluss der HSG zu stoppen und Ballgewinne dann mit viel Tempo zu leichten Toren zu nutzen. Neben bekannten Größen wie den Torhütern Friedrich und Schulte sind Koch, Speckenbach, Bleigel, Mimberg und Co. allesamt in der Lage die HSG-Defensive vor große Probleme zu stellen, zudem haben die Gäste seit der Weihnachtspause noch eine wertvolle Option mit Besonderheit fürs Feld hinzubekommen: Neuzugang Nilas Praest kann beidhändig abschließen. 

Niclas Beckmann (rechts) und Julius Hahn dürfen sich auch am Geburtstag des Abteilungsleiters auf jede Menge Arbeit vor dem eigenen Kreis in der Deckung gefasst machen – schließlich kommt der Spitzenreiter in die Bergstadt.

Die HSG hat am 30. Geburtstag von Abteilungsleiter und Rückraumspieler Niclas Beckmann nach Wiedergenesung von Kapitän Phil Lausen keine personellen Probleme, versucht gar, am Samstag mit Youngster Fabian Linde (zuletzt A-Jugend SGSH Dragons) ihr Spieltempo auf der Mittelposition weiter zu beschleunigen. Allerdings ist noch nicht klar, ob der langjährige HSG-Jugendspieler, der vor Saisonbeginn bei den Dragons ausgeschieden war, schon im Duell mit dem Tabellenführer aus Schwerte spielberechtigt sein wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare