Heimes: „Für Schiedsrichter wird es immer schwieriger“

Auch im Nachwuchsbereich sehen sich die Schiedsrichter laut Georg Heimes immer öfter mit Pöbeleien und Beleidigungen von Elternteilen, Trainern und Betreuern konfrontiert.

Kreisgebiet - Mit einem Kontingent von 86 Schiedsrichtern war der Fußballkreis Lüdenscheid im August in die Spielzeit 2015/16 gestartet. Wie ist es den „Schwarzkitteln“ in den bisherigen gut drei Monaten ergangen und wie ist es um das Schiriwesen bestellt?

Darüber sprach Sportredakteur Marc Kusche mit Georg Heimes, dem Vorsitzenden des Schiedsrichter- und Fußballausschusses.

Herr Heimes, fangen wir mit den absoluten Zahlen an. Wie sieht die Tendenz aus?

Georg Heimes: „Wir haben drei Kollegen in den letzten Wochen verloren. Es war ein Sterbefall dabei, einmal anhaltende Interessenlosigkeit, dazu eine sehr unschöne Sache, auf die ich eigentlich nicht näher eingehen möchte. Nur so viel: Hier hat ein Schiedsrichter in einer Art und Weise über einen Schirikollegen abgelästert, dass er einfach nicht mehr tragbar war und dementsprechend ausgeschlossen wurde.“

Und wie sieht es mit Zuwachs aus?

Georg Heimes: „Wir haben immerhin vier neue Referees. Einen mit 15-jähriger Erfahrung, der aus dem Saarland in unseren Kreis gezogen ist, dazu drei engagierte Jungschiedsrichter vom letzten Anwärterlehrgang. Der ging im September mit zehn Kandidaten los, von denen sechs aber vorzeitig aufgehört haben. Und von den restlichen vier hat einer die Prüfung nicht geschafft. Ich würde mir wünschen, dass die Vereine künftig wirklich nur geeignete Kandidaten für die Lehrgänge melden, manchmal kommt mir das alibimäßig vor. Spielen wollen sie alle, geeignete Schiedsrichter melden aber kaum. Da wird lieber ohne mit der Wimper zu zucken ein Ordnungsgeld gezahlt, wenn das Schiedsrichter-Soll nicht erfüllt wird.“

Wo sehen Sie denn überhaupt Ansätze, jemandem das Schiedsrichteramt schmackhaft zu machen?

Georg Heimes: „Das ist in der Tat ein ganz großes Problem. Wir haben hier zwar glücklicherweise nicht die gewalttätigen Übergriffe gegen Schiedsrichter wie in anderen Landesverbänden oder auf Westfalenebene des öfteren im Ruhrgebiet. Aber der Ton wird zunehmend rauer, allein die verbale Aggressivität immer größer. Sie selbst sind ja auch oft genug auf dem Sportplatz, und das Bild ist doch fast immer identisch. Der Verlierer sucht die Schuld nicht bei sich, sondern beim Schiedsrichter. Da werden vermeintliche Fehlentscheidungen herangezogen, und dann bekommt der Referee von Trainern, Spielern und Zuschauern sein Fett weg. Und das in dieser Saison auch zunehmend im Nachwuchsbereich, wo insbesondere Elternteile und auch Betreuer immer öfter aus der Rolle fallen. Von daher ist es fast unmöglich, positive Werbung für das Schiedsrichteramt zu machen. Es wird immer schwieriger, manchmal weiß ich wirklich nicht, wie es weitergehen soll. Denn auch die Vorgaben von oben machen es einem manchmal nicht einfacher.“

Was meinen Sie konkret?

Georg Heimes: „Zur neuen Hallensaison ist der sogenannte Fair-Play-Anstoß Pflicht. Zu Beginn jeder Halbzeit und nach jedem Tor muss das ballführende Team den Ball kontrolliert zum Gegner schießen, der dann kontrolliert das Leder wieder zurückspielen muss. Wie soll das denn in der Praxis aussehen, wenn ich kurz vor Schluss in Rückstand gerate und dann den Ball zum Gegner spielen muss? Da ist doch Ärger geradezu vorprogrammiert.“

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