MZV-Serie: Übungsleiter der Woche

„Schule und Ausbildung sind sicher noch viel wichtiger als Fußball“

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Hassan El Mourabit führt seine Mannschaften stets engagiert von der Seitenlinie.

Lüdenscheid - Trainer und Übungsleiter im Sport: Auf der einen Seite sind da die „Profis“, die in der Bundesliga oder bei Olympia im Rampenlicht stehen und viel Geld verdienen. Auf der anderen Seite gibt es im Sport aber auch unzählige Trainer und Übungsleiter, die ehrenamtlich oder für eine kleine Aufwands-Entschädigung in der Halle oder auf dem Sportplatz stehen.

Er ist bekannt wie ein bunter Hund, nicht nur in der Kreisstadt Lüdenscheid, sondern im gesamten Fußballkreis und darüber hinaus: Hassan El Mourabit, langjähriger Jugendtrainer beim SC Lüdenscheid und kurzzeitig auch Seniorencoach beim TSV Lüdenscheid, ist ein anerkannter Experte und Tausendsassa vor allem in Sachen Nachwuchsfußball. Der 35-Jährige, im marokkanischen Agadir geboren, im Alter von elf Jahren in die Bergstadt gekommen und seit seinem 18. Lebensjahr – damals als Helfer von Michaela Brongkoll und Peter Kurzmann – beim SCL als Übungsleiter tätig, verfügt über ein großes Netzwerk, ist bekennender Muslim, Familienvater und nennt stolz „genauso viele Christen wie Muslime“ seine Freunde. Hassan El Mourabit ist im wahrsten Sinne des Wortes „vollintegriert“ und unser „Übungsleiter der Woche“, dem Sportredakteur Jörg Hellwig Fragen stellte. 

Eigener Wunsch oder die Überredungskunst eines anderen? Was ist der Antrieb für Ihre Übungsleiter-Tätigkeit? Wie sind Sie dazu gekommen? 

Mir hat der Fußball schon immer großen Spaß gemacht, und im A-Juniorenalter hatte ich die Idee, mein Wissen und meine Erfahrungen an jüngere Spieler weiterzugeben. Angetrieben hat mich auch der Wunsch, jüngere Jugendliche von der Straße zu holen und ihnen Werte auch außerhalb des Sports zu vermitteln. 

Der Faktor Zeit spielt für viele Menschen eine entscheidende Rolle. Viele haben keine Zeit für eine Übungsleiter-Tätigkeit. Wieviel Zeit investieren Sie pro Woche? Und: Wie geht das Umfeld damit um? Gibt es Kritik? 

Zu normalen Zeiten bin ich montags, mittwochs, freitags und samstags in Sachen Fußball unterwegs, pro Tag wende ich dafür sicher zweieinhalb Stunden auf. Hinzu kommen vor allem nach den Trainingseinheiten noch Gespräche mit Eltern, die Fragen haben. Meine Frau hat mich unter diesen Voraussetzungen, kennengelernt, toleriert und unterstützt deshalb auch mein Hobby. Nur als ich zusätzlich noch die TSV-Senioren übernommen habe und sieben Tage in der Woche unterwegs war, da gab’s schon reichlich – verständliche – Kritik. 

Stichwort Ziele: Geht es Ihnen um konkrete sportliche Ziele bei der Arbeit als Übungsleiter oder eher um gesellige Aspekte? 

Natürlich hat man als Fußballer immer das Ziel, möglichst viele Spiele zu gewinnen, ist ehrgeizig. Auch ich freue mich sicher darüber, dass es mir und meinen Mittrainern Bernd Mai und Burim Aliu gelungen ist, mit unseren Mannschaften fünfmal aufzusteigen – davon viermal in die Bezirksliga –, und wir auch da oben mitspielen. Insofern wollen wir unsere Schützlinge fußballerisch weiterbringen, aber wir lehren unsere Spieler auch, dass Ausbildung und Schule noch wichtiger sind. Ich nehme mir vor jedem Training fünf Minuten Zeit, um mit den Jungs zu sprechen, wie es in der Schule läuft, weil die das A und O ist. Denn ich zähle ihnen auch hin und wieder auf, wie viele A-Junioren beim FC Schalke 04 beispielsweise nur den Sprung in den Profikader schaffen. Es gibt Wichtigeres als Fußball, und deshalb dreht sich bei uns auch viel um soziale und gesellschaftliche Werte, die wir ihnen vermitteln wollen. 

Stichwort Selbstkritik: Als Trainer bzw. Übungsleiter beurteilen Sie Ihre Schützlinge, üben Kritik, um sie zu verbessern. Wenn Sie auf sich selbst schauen, was gibt es denn da zu kritisieren und zu verbessern? 

Natürlich macht jeder Mensch Fehler, und deshalb versuche auch ich ständig, mich zu verändern und mich zu verbessern. Im sportlichen Bereich habe ich aus Zeitgründen immer auf die Bank geschoben, die neue B-Lizenz zu erwerben. Da habe ich mir im Winter fest vorgenommen, das jetzt zu machen. Momentan hängt allerdings wegen Corona alles in der Schwebe.

Stichwort Coronavirus: Was machen Sie mit der aktuell ungewohnten Freizeit?

Natürlich ist das sehr ungewohnt, im Sozialleben beinahe isoliert zu sein und auch ein bisschen Angst zu haben. Ich widme viel meiner Zeit der Familie, die sonst schon mal zu kurz kommt. Den Spielern haben wir eine Challenge mit auf den Weg in die trainingsfreie Zeit gegeben. Um ein bisschen vom großen Virus-Problem abzulenken, geht’s zum Beispiel auch darum, um einen Parcours aus zehn Toilettenpapierrollen zu dribbeln, außerdem haben wir ihnen Übungen für gezieltes Krafttraining als „Hausaufgaben“ mitgegeben, damit die Jungs nicht ganz einrosten.

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