Handball

Handballverband Westfalen bricht Saison ab: Die "norwegische Lösung"

+
Doch keine Bruchlandung für Sascha Pennekamp (rechts) und die HSG Lüdenscheid: Die Bergstädter bleiben in der Landesliga, obwohl sie nun auch offiziell die schlechteste Saisonleistung im gesamten Verband erbracht haben. 

Kreisgebiet - Der Handballverband Westfalen (HVW) hat die finale Entscheidung für die unter- und nun auch abgebrochene Saison 2019/20 getroffen.

Dies hat auch Auswirkungen auf die heimischen Vertreter von Bezirks- bis Verbandsliga. Dabei hat sich der Verband für das „norwegische Modell“, die Quotienten-Regelung, entschieden, über die mögliche Aufsteiger ermittelt werden. Bei diesem Modell geht es darum, die bis zur Unterbrechung der Saison erzielten Pluspunkte ins Verhältnis zur Anzahl der absolvierten Parien zu setzen. 

Somit wird keine Mannschaft benachteiligt, die aufgrund von Spielverlegungen weniger Partien absolviert hat. Der Quotient wird mathematisch ermittelt, indem die erzielten Pluspunkte durch die gespielten Spiele geteilt und dieses Ergebnis zunächst mit 100 multipliziert und auf eine Stelle nach dem Komma gerundet wird. 

Absteiger wird es, wie im Vorfeld vom DHB empfohlen und vom Verband angedeutet, nicht geben, insofern die betroffenen Mannschaften nicht auf einen Start in der aktuellen Liga verzichten oder aber bereits vor der Saisonunterbrechung als Absteiger feststanden. Als Absteiger gelten die Mannschaften, die vor der Unterbrechung (12. März) nun freiwillig eine Spielklasse tiefer antreten wollen, wie es bereits der heimische Landesligist TS Evingsen angekündigt hat. 

Für die in derselben Liga spielende HSG Lüdenscheid bedeutet dies, dass trotz lediglich eines Pluspunktes aus 19 Partien auch in der kommenden Saison in der Landesliga gespielt werden darf. Und dies, obwohl die HSG mit einem Quotienten von 5,3 den unrühmlichen Titel als schlechteste Mannschaft des gesamten Handballverbandes innehat. 

In Sachen Aufstieg bietet sich beispielsweise in der Verbandsliga-Staffel 2 ein gleich doppelt kurioses Bild. So bleiben die RSVE Siegen (drei Pluspunkte) und der OSC Dortmund (elf Pluspunkte) der Liga erhalten, während der TuS Bommern als unangefochtener Spitzenreiter in die Oberliga Westfalen aufsteigt. Doch nicht nur die Bommeraner dürfen sich über den Aufstieg freuen. Auch die 2. Mannschaft des VfL Eintracht Hagen könnte nun im westfälischen Oberhaus angreifen. 

Der HVW hat im Zuge der Quotienten-Regelung beschlossen, das alle Mannschaften, die theoretisch noch eine Chance auf den Aufstieg gehabt hätten, diesen auch per Wild-Card wahrnehmen können. „In Ergänzung der Auf- und Abstiegsregelung der Spielsaison 2019/20 wird beschlossen, dass allen Vereinen, die nicht auf einem Aufstiegsplatz gemäß der Auf- und Abstiegsregelungen liegen, auf diesen aber maximal einen Rückstand von 39,9 Quotientenpunkte auf die jeweilig letzte aufstiegsberechtigte Mannschaft der Staffel haben, eine Wild-Card angeboten wird“, heißt es in der Pressemitteilung des Verbandes. Somit darf sich der VfL Eintracht Hagen II beim TuS Hattingen bedanken, der es am 1. März, also nur elf Tage vor der Saisonunterbrechung, als erste Mannschaft der Saison geschafft hat, den TuS Bommern zu besiegen. Ohne diese Niederlage des Spitzenreiters wäre der Aufstieg der Eintracht (39,5 Quotientenpunkte Rückstand) nicht möglich gewesen. 

Bis zum 20. Mai müssen sich nun alle Mannschaften erklären, die eine Wildcard erhalten haben. Danach wird der Verband genau wissen, wie viele Mannschaften er pro Spielklasse verteilen muss, wie groß entsprechend die Staffeln werden. Um die Ligenstärken wieder auf das gewohnte Maß zu bringen, wird es in den kommenden beiden Spielzeiten einen vermehrten Abstieg geben. Zur Saison 2022/23 wird es dann wieder die gewohnte Ligengröße geben. Dass dieser vermehrte Abstieg nicht in einem Jahr zu bewältigen ist, zeigt besonders der mögliche Aufstieg von insgesamt 28 Mannschaften aus den sieben Bezirksligen in die vier Landesligen, in die bei einem normalen Saisonverlauf lediglich zwölf Teams aufgestiegen wären. Von den beiden Verbandsligen in die Oberliga haben nach jetzigem Stand drei Mannschaften die Möglichkeit des Aufstiegs, während nach momentanem Stand lediglich eine Mannschaft in die 3. Liga aufsteigen würde (siehe Infokasten). 

Als weitere Nutznießer des Saisonabbruchs gehen beispielsweise auch die Bezirksliga-Frauen der SG Kierspe/Meinerzhagen hervor, die mit neun Pluspunkten auf einem der beiden Abstiegsränge stehen. Aus Sicht aller heimischen Mannschaften kann man die Art und Weise wie der Verband mit der Saisonwertung umgegangen ist, durchaus positiv bewerten, denn kein Team wurde dadurch benachteiligt – ganz im Gegenteil.

Oberliga-Duo in der Warteschleife / Zustimmung aus den Kreisen

Für die Mannschaften im Handballverband Westfalen liegen die Karten nun auf dem Tisch – allerdings nicht für alle. Während die Wildcard-Regelung in der Verbandsliga, Landesliga und Bezirksliga für Freude bei den eigentlich knapp Gescheiterten sorgt, liegen die Dinge in der Oberliga nicht so leicht. Hier trennen Meister ASV Hamm II, die SF Loxten und die TSG Altenhagen-Heepen nur zwei Punkte. Hamm II um Trainer Christian Feldmann bejubelt den Aufstieg, die anderen schauen in die Röhre? „Man muss abwarten, ob der DHB etwas anbietet“, sagt Andreas Tiemann, Chef-Spieltechniker des HV Westfalen und zudem Staffelleiter der 3. Ligen der Männer, „die Vereine werden da noch etwas Geduld haben müssen.“ Klar ist aber: Auch Wildcards von der höchsten Spielklasse der Landesverbände in Richtung 3. Liga sind gedanklich noch nicht vom Tisch. 

Und dann sind da noch die Kreise, die ihre eigenen Entscheidungen treffen sollen. Allerdings haben die Kreise bereits signalisiert, dass sie die Entscheidung des HV mitgehen werden. „Das ist für mich die beste Regelung“, sagt Klaus Krass, Vorsitzender des Handballkreises Lenne-Sieg, der schon früh ein Verfechter des norwegischen Modells gewesen ist. Krass rief direkt am Sonntag im Handballkreis rund und fragte in Teilen bereits Aufstiegswilligkeit ab. Wenn sich alle Vereine geäußert haben, zudem nach einer Telefonkonferenz des Vorstandes, will der Kreis konkret mit den Planungen der Aufsteiger und Wildcards an die Öffentlichkeit gehen. Klar scheint, dass im Frauen-Bereich der Weg von HSG Lüdenscheid II und DSG Lennetal (eigentlich nach direktem Vergleich nur designierter Vizemeister) gemeinsam in Richtung Bezirksliga Südwestfalen gehen dürfte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare