Handball

Der Traum vom großen Boom

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Grundschüler aus Altena bei den „Westfalen Youngstars“: Nur ein Feldversuch, im Zentrum des riesigen Grundschulsportfestes standen in Lüdenscheid im Sommer 2017 andere Sportarten.

Kreisgebiet – Als Bob Hanning im Fernsehstudio des Hessischen Rundfunks saß, ging es natürlich auch darum, wie diese Heim-WM mit all ihrer Begeisterung dem Handballsport im Land helfen könne.

„Wir brauchen wieder Bälle an den Schulen“, sagte Hanning da. Und er sagte auch: „Ich habe das Gefühl, an jeder 1000. Schule wird Handball unterrichtet. Wir müssen wieder dahin kommen, dass an jeder zehnten Schule Handball unterrichtet wird.“

Ein frommer Wunsch. Im Alltag ist Handball nicht so präsent an deutschen Lehranstalten. Als im Regierungsbezirk Arnsberg im Sommer 2017 in Lüdenscheid die „Westfalen Youngstars“, ein riesiges Sportfest für Grundschulen, in Lüdenscheid Station machten, waren neben Fußball wie selbstverständlich Schwimmen, Turnen und die Leichtathletik im Programm. Und erstmals – als Feldversuch – auch Handball.

Handballsport wird nicht gezielt an Schulen gefördert

Eine Halle mit dem Charme der ganz alten Zeit und so klein, dass im Vereinssport niemand auf die Idee kommen würde, dort ein Handballtraining anzusetzen. Aber für die Grundschüler, deren Spiele u.a. vom Präsidenten des HV Westfalen, Willy Barnhusen, geleitet wurden, musste die Halle reichen an diesem Tag. Erst zur Siegerehrung aller Sportler durften sie in die große BGL-Sporthalle.

Das Beispiel steht sinnbildlich für die Rolle des Handballsports an den Schulen. Auch wenn der Verband für sich beansprucht, hinter dem großen Marktführer Fußball die Nummer zwei in Deutschland zu sein, ist dies am Schulsport nicht so unbedingt abzulesen.

Schul-Engagements in Sachen Handball klappen vor allem immer dann, wenn sich Vereine mit qualifizierten Übungsleitern im Ganztag einbringen, doch es sind nicht so viele, die genau diese Übungsleiter in den frühen Nachmittagsstunden schicken können. Eine Entwicklung mit Folgen, auch in Westfalen: Die Zahl der Mannschaften im Handballsport in Westfalen ist in den vergangenen zwölf Monaten – der HV Westfalen hat hierzu Anfang Januar eine Statistik vorgelegt – um 109 Teams zurückgegangen auf nun 3011 Mannschaften.

Spielerschwund beim Handballnachwuchs 

Auch der Kreis Lenne-Sieg gehört dazu: 16 Mannschaften weniger gibt es im Zusammenschluss der drei Altkreise Lüdenscheid, Olpe und Siegen/Wittgenstein. Das Alarmierende: Im Bereich der Erwachsenen sind es nur zwei Teams bei den Frauen – die übrigen 14 Mannschaften in der Minusrechnung sind dem Nachwuchs zuzurechnen. Wo der Nachwuchs rar wird, bekommen auch die Erwachsenen beizeiten Probleme. Der Kreis Lenne-Sieg ist in diesem Kontext ohnehin schon der zweitkleinste Kreis in Westfalen. Kleiner ist nur noch der Nachbarkreis Hagen/Ennepe/Ruhr – doch der Vorsprung ist geschrumpft, denn im Kreis Hagen ist eine Mannschaft dazu gekommen. 21 Teams mehr hat der Kreis Lenne-Sieg nur noch.

Auch im märkischen Südkreis, wo zum Beispiel eine ehemals so stolze Jugendabteilung wie die der HSG Lüdenscheid – auch die Vorgänger RW Lüdenscheid und LHC waren über die Stadtgrenzen hinaus für ihre gute Jugendarbeit bekannt – fast komplett daniederliegt. Keine Mannschaft mehr auf überkreislicher Ebene, keine B-Jugend, eine gemeinsame C-Jugend mit der SU Altena. Die alarmierenden Zeichen kommen aus vielen Richtungen. So teilen die Handballfans an der Basis den Wunsch von Bob Hanning. Neue Handbälle für die Schulen. Warum eigentlich nicht? Wenn das dem kranken Patienten hilft, ist jedes Mittel recht.

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