Handball

Handballplanungen in der Pandemie: Zwischen Phantasie und Geduld

Handballer im Zweikampf
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In Hille laufen alle Fäden zusammen: Andreas Tiemann plant den Spielbetrieb sowohl für die SGSH Dragons als auch für die Oberliga-Handballer des TuS Bommern (grüne Trikots, Testspiel-Foto aus dem Sommer).

Die Handballer in der Warteschleife: Die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga ist terminiert, die Pokalrunde der 3. Liga noch nicht, und in Westfalen hoffen wenigstens die Oberligisten, einen Aufsteiger zur 3. Liga zu ermitteln. Herr all dieser Planungen: Andreas Tiemann.

Kreisgebiet – In Hille laufen in Zeiten der Corona-Pandemie im Handball fast alle Fäden zusammen. Ohne die ostwestfälische Gemeinde mit dem 80er-Jahre-Oberligisten Sachsenroß und so legendären Ortschaften wie Oberlübbe oder Nordhemmern und so bekannten Söhnen wie dem 78er-Weltmeister Jimmy Waltke und Ex-National-Kapitän Frank von Behren geht dieser Tage nichts. Im 16000-Seelen-Ort vor den Toren Mindens nämlich ist Andreas Tiemann zu Hause.

Tiemann, der Vorsitzende der DHB-Spielkommission, plant mal die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga, mal die Pokalrunde der 3. Liga, dann wieder den Spielbetrieb in Westfalen. Und wenn er daneben noch Zeit hat, hört er sich die Videokonferenzen der A-Jugend-Bundesliga an.

Der Ostwestfale ist am Telefon ein geduldiger Zuhörer, was die Anliegen und Sorgen der Vereine angeht, aber einer, der klare Vorstellungen hat. Was den Spielbetrieb in Westfalen betrifft – also jenen für die Männer und Frauen von der Oberliga bis zur Landesliga – wundert sich Andreas Tiemann mitunter.

Handballplanungen in der Pandemie: Zwischen Phantasie und Geduld

Eine gute Handvoll Meldungen für die freiwilligen Runden hat er bereits, dabei hat er das Meldefenster noch gar nicht geöffnet. „Ist noch nichts rechtskräftig“, sagt er, „wenn am 5. April die Hallen wieder fürs Training geöffnet werden sollten, dann können wir darüber nachdenken, ein Feedback von den Vereinen einzuholen.“ Aber die Öffnung der Hallen scheint derzeit wieder weiter entfernt zu sein als noch vor zwei Wochen.

Tiemanns Credo: Planen, wenn etwas zu planen ist! Und abbrechen, wenn die Zeit dafür reif ist! „Mich haben schon manche Vereine angerufen und gefragt, wann ich die Saison endlich abbrechen will“, sagt der oberste Spieltechniker des HV Westfalen. Doch genau das will er nicht.

„Wenn es irgendwie möglich ist, will ich die Möglichkeit offen halten, Aufsteiger auszuspielen“, sagt Tiemann, „daran muss niemand teilnehmen, insofern verstehe ich auch die Ungeduld, was den Abbruch betrifft, nicht.“

Priorität in Westfalen hat für Tiemann die Aufstiegsfrage bei Männern und Frauen in der Oberliga, weil der Verband sonst mögliche Drittliga-Plätze herschenken würde. Bei den Männern haben Altenhagen, Loxten, Gladbeck und Soest Interesse bekundet an einer Aufstiegsrunde. Dass Teams wie Altenhagen oder Loxten das Zeug für die 3. Liga haben, steht für Tiemann außer Frage. Und natürlich hätte der Westfale auch gerne einen weiteren starken Westfalen in der 3. Liga.

Wenn man weiß, wie viele Plätze für den Pokal zur Verfügung stehen, kann man auch unterschiedlich große Gruppen nach regionalen Gesichtspunkten bilden. Eine Vierer-Gruppe spielt dann vielleicht in Hin- und Rückrunde einen Platz aus, eine größere Gruppe in einer Einfach-Runde zwei Plätze…

Andreas Tiemann zur Drittliga-Pokalrunde

„Wenn es bei vier Mannschaften bleibt, kann man das in vier Tagen ausspielen – Halbfinale, Finale, Aufsteiger!“, sagt er und kann nicht recht verstehen, dass Verbände wie Hessen, Rheinland-Pfalz/Saar oder Niedersachsen die Saison abgebrochen haben. Auch die Verbände Niederrhein und Mittelrhein übrigens. „Ich weiß aber gar nicht, was das für die gemeinsame Regionalliga Nordrhein heißt“, sagt Tiemann, „was ich aber gehört habe: Auch da, wo die Saison abgebrochen ist, würde man jetzt doch gerne noch Aufsteiger ermitteln…“

In der Verbands- und Landesliga übrigens könnte es auch in Westfalen bei mehr Bewerbern aus verschiedenen Staffeln mit dem wohl nicht üppigen Zeitfenster eng werden. Wenn hier Aufstiegsrunden dann am Ende nicht stattfinden würden, wäre das schade, aber letztlich nicht zu ändern. Im märkischen Südkreis wird man es gelassen sehen, waren die Planungen doch weder bei der SGSH-Reserve (Verbandsliga) noch bei der HSG Lüdenscheid oder der HSV Plettenberg/Werdohl (beide Landesliga) von ehrgeizigen Zielen bestimmt.

Und damit der Schwenk nach oben, zur 3. Liga. Pokalrunde! „Wenn die Vereine das wünschen, dann lasse ich auch eine K.o.-Runde spielen“, sagt Tiemann, doch sein Favorit ist diese Variante, die Axel Vormann, Sportlicher Leiter der SGSH Dragons, kürzlich als sehr attraktiv bewertet hat, nicht. Tiemann will Gruppenspiele – so flexibel wie möglich.

Füchse Berlin II melden als 28. Team für die Pokalrunde

„Wenn man weiß, wie viele Plätze für den Pokal zur Verfügung stehen“, sagt er mit Blick auf die ausstehenden Gespräche mit der HBL, „kann man auch unterschiedlich große Gruppen nach regionalen Gesichtspunkten bilden. Eine Vierer-Gruppe spielt dann vielleicht in Hin- und Rückrunde einen Platz aus, eine größere Gruppe in einer Einfach-Runde zwei Plätze…“

Der Phantasie des Spieltechnikers sind dieser Tage keine Grenzen gesetzt. Hauptsache, es dient der Sache. Das bedeutet: Handballspiele sollen zumindest noch ein Stück weit möglich gemacht werden – und die beteiligten Mannschaften sollen dabei Ziele haben, sei es der Aufstieg oder ein DHB-Pokalplatz.

Für die DHB-Pokalrunde der 3. Liga hat mit den Füchsen Berlin II übrigens inzwischen die 28. Mannschaft gemeldet. Rechnet man von den 72 Mannschaften der 3. Liga die 14 Teams in der Aufstiegsrunde ab, so liegt die Quote für die Beteiligung an der Pokalrunde bei fast 50 Prozent.

„Das ist ein sehr guter Wert“, sagt Andreas Tiemann, „nur in NRW sieht das leider nicht so gut aus…“ In NRW sind Ahlen und die SGSH bisher weiterhin allein auf weiter Flur. Von der 50-Prozent-Marke ist man hier in etwa so weit entfernt wie von den Spielorten, die nun in Hessen oder Niedersachsen auf die SGSH warten könnten. Wie schön wäre da doch vergleichsweise eine Fahrt nach Hille. Drittligist LIT 1912 (ehemals Nordhemmern) aber hat auch kein Interesse an der Runde, auch wenn der Spielleiter der Runde aus einem der Nachbardörfer kommt.

Aufstiegsrunde: Eintracht Hagen startet gegen Potsdam

Der VfL Eintracht Hagen startet am 10./11. April mit einem Heimspiel gegen den 1. VfL Potsdam in die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Da Phoenix Hagen an diesem Wochenende ein Auswärtsspiel in Schwenningen hat, steht die Krollmann-Arena am Samstagabend fürs Neff-Team theoretisch bereit. Die weiteren Spiele: TuS Vinnhorst (A, 17./18. April), Eintracht Hildesheim (H, 1./2. Mai), HC Empor Rostock (A, 8./9. Mai), TuS Spenge (H, 11.-13. Mai), MTV Braunschweig (A, 15./16. Mai). Die HSG Krefeld startet mit einem Heimspiel gegen die HSG Hanau in der Südgruppe in die Runde.

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