Handball

Talent aus dem MK spielt in der Bundesliga: „Keine einzige Sekunde bereut“

Handballer Tom Bergner aus Halver im Trikot des Bergischen HC.
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Ein Halveraner in der Handball-Bundesliga: Der 20-jährige Tom Bergner trägt inzwischen das Trikot des Bergischen HC 06, hier in einem Vorbereitungsspiel gegen den VfL Gummersbach.

Halver – Aus Halver über Hagen in die Handball-Bundesliga: Tom Bergner spielt beim Bergischen HC seine erste Saison in der nationalen Eliteklasse. Der Kreisläufer lernte beim TuS Grünenbaum und den SGSH Juniors das Handballspielen, wurde beim A-Jugend-Bundesligisten VfL Eintracht Hagen zum U19-Nationalspieler und bei der WM im vergangenen Jahr U19-Vizeweltmeister. Seit dem Sommer steht er beim Erstligisten Bergischer HC unter Vertrag. Axel Meyrich sprach mit dem angehenden Industriekaufmann über dessen erstes halbe Jahr in der Bundesliga.

Tom Bergner, die wichtigste Frage in Corona-Zeiten vorweg: Wie geht es Ihnen? Sind Sie gesund?

Mir geht’s gut. Ich habe mich eingelebt in Solingen. Es gefällt mir richtig gut hier. Bis jetzt bin ich gut durchgekommen durch die Krise. Ich bin nicht einmal krank gewesen. Wir hatten bisher auch nicht einen einzigen Fall in der Mannschaft. Da sind wir verschont geblieben. Toi, toi, toi, dass das so bleibt...

Wie sind im Profibereich der HBL die Corona-Sicherheitsmaßnahmen?

Wir werden in regelmäßigen Abständen getestet, meistens relativ kurz vor den Spielen. Dazu kommen die üblichen Vorsichtsmaßnahmen, die jeder kennt. Hände desinfizieren, Masken tragen, genügend Abstand. Natürlich nicht auf dem Feld, aber bei allen anderen Aktivitäten, also zum Beispiel der Video-Analyse.

Wenn Ihnen vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, dass Sie Weihnachten 2020 Handball-Profi in der 1. Bundesliga sind, was hätten Sie ihm geantwortet?

Wahrscheinlich hätte ich ihn für völlig verrückt erklärt. Ich muss ganz ehrlich sagen, es ist alles unheimlich schnell gegangen in letzter Zeit. Klar habe ich begriffen, dass ich in der Bundesliga bin. Eigentlich ist aber so viel passiert, das ist in dieser kurzen Spanne nur schwer zu verarbeiten. Die U19-Weltmeisterschaft, das erste Männer-Jahr, dann kam auch schon das Angebot vom BHC. Jetzt auch noch Corona – trotzdem macht es wahnsinnig Spaß, hier Handball zu spielen. Ich bereue keine einzige Sekunde, diese Entscheidung so getroffen zu haben.

Erzählen Sie mal, wie sieht ein typischer Tag im Leben des Tom Bergner aus?

Ich stehe morgens meistens um 6.20 Uhr auf, mache mich fertig und gehe dann zur Arbeit. Meistens trainieren wir schon um 10 Uhr morgens eine Halleneinheit Handball, da werde ich dann freigestellt von der Arbeit, so dass ich zum Training fahren kann. Für mich ist das eine Super-Kombination, dass ich die Ausbildung zum Industriekaufmann und den Sport so verbinden kann. Mir ist völlig bewusst, dass das ein großer Luxus ist, der mir da ermöglicht wird. Das ist nicht selbstverständlich. Nach der ersten Einheit geht es dann zurück zur Arbeit. Meistens ist die zweite Einheit dann um 15 Uhr. Um 17 Uhr bin ich meistens fertig, dann geht’s nach Hause und es kommt der Haushalt. Einkaufen, Wäschewaschen. Die normalen Sachen also. Und um 19 Uhr bin ich meistens auf der Couch, weil ich auch platt bin. Zu viel mehr ist keine Zeit.

Der Schritt weg von zu Hause ist ja häufig kein leichter. Wie schwer ist Ihnen der Abschied von Halver und Ihrer Familie gefallen?

Es war am Anfang sehr schwer. Das war für mich auch gedanklich die höchste Hürde, als es darum ging, ob ich zum BHC wechsle, weil klar war, dass ich dann von zu Hause weg muss. Aber man wächst da rein, es spielt sich alles rein. Am Anfang habe ich sehr viel mit meiner Mutter telefoniert: Wie mache ich das und das? Aber inzwischen kenne ich die Kleinigkeiten, mit denen man sich vorher nie beschäftigt hat. Ich glaube allerdings, dass meine Mutter aufgeregter als ich war in der ersten Zeit. Aber sie hat sich für mich gefreut, da war die Freude auch größer als die Traurigkeit, dass ich weg bin.

Wie hat Sie die Mannschaft als jungen Spieler aufgenommen? Haben Sie besondere Aufgaben im Team?

Ich muss ehrlich sagen: Super! Ich habe das erste Training mitgemacht, und es hat sich so angefühlt, als wenn ich schon seit Jahren dabei bin. Alle verstehen sich gut, ich wurde toll aufgenommen und habe mich von Tag eins an wohlgefühlt. Für mich war das unheimlich wichtig. Ich bin ein Mensch, der braucht das genauso. Und ich sage das immer noch so: Ich würde hier für jeden alles machen. Natürlich muss man die Aufgaben übernehmen, die ein Youngster eben übernehmen muss, Wasser schleppen und so. Aber das ist ok.

Wenn Sie die Bundesliga mit der 3. Liga in Hagen vergleichen, wo sind die größten Unterschiede?

Natürlich sind hier alle super-fit. Aber vor allem ist es die Erfahrung. Jeder weiß: In diesem Moment muss man das oder das machen. Das ist unglaublich. Ich profitiere davon, dass mir hier unheimlich geholfen wird, dass meine Mitspieler schauen, was ich wie mache und mir immer wieder Tipps geben.

Sie haben auf der Kreisläufer-Position mit den beiden Nationalspielern Tom Kare Nikolaisen und Max Darj überragende Konkurrenz. Wo ordnen Sie sich da ein?

Beide sind Klasse-Spieler. Überragend, auch von ihrer Mentalität her. Ich bin ganz am Anfang, da mache ich mir überhaupt keinen Druck. Ich hatte ein paar Minuten gegen Hannover und zuletzt eine Viertelstunde Spielzeit gegen Ludwigshafen. Schon jetzt habe ich von beiden viel gelernt. Wir machen auch im Krafttraining viel zusammen, ich bekomme immer wieder Tipps. Es ist doch so: Ich komme aus der 3. Liga, da muss ich geduldig sein.

Wie würden Sie Ihren aktuellen Trainer Sebastian Hintze charakterisieren?

Ein richtig guter Trainer. Sebastian ist keiner, der einen die ganze Zeit anschreit. Er sagt uns sachlich, was wir machen sollen und was er von uns erwartet. Natürlich wird er auch deutlich, wenn es sein muss. Aber für mich passt seine Art sehr gut.

Wie beurteilen Sie den bisherigen Saisonverlauf des BHC?

Wir sind super gestartet, danach haben die Ergebnisse nicht immer gestimmt. Es war oft sehr knapp. Allerdings haben wir fast schon gegen alle Top-Clubs gespielt. Es hat häufig nicht viel gefehlt, letztlich waren es Kleinigkeiten. Wir sind aber nicht unzufrieden.

Corona hat auch den Terminplan der U21-Nationalmannschaft kräftig durcheinander gewirbelt. Wie ist der aktuelle Stand?

Wir hatten zuletzt noch zwei Lehrgänge, nur der im Dezember wurde aufgrund von Corona abgesagt. Im Januar soll es weitergehen. Im Sommer diesen Jahres sollte ja ursprünglich die Europameisterschaft stattfinden, die ist ausgefallen. Nächstes großes Ziel ist jetzt die Weltmeisterschaft im Sommer 2021 in Ungarn.

Welchen Stellenwert genießt die Nationalmannschaft für Sie?

Die Nationalmannschaft war für mich wahrscheinlich das entscheidende Sprungbrett, dort hinzukommen, wo ich heute bin. Es ist einfach schön, für sein Land zu spielen und den Adler auf der Brust zu tragen.

Weihnachten und Silvester steht vor der Tür. Wie sieht Ihr Terminplan aus?

Wir spielen am 23. Dezember gegen TuSEM Essen, Heiligabend werde ich in Halver bei meiner Familie verbringen. Am 1. Feiertag trainieren wir und fahren dann nach Stuttgart, wo wir am 2. Feiertag spielen. Danach ist dann ein paar Tage frei, weil die WM-Pause im neuen Jahr folgt.

Der Jahreswechsel steht bevor: Wenn Sie drei Wünsche frei hätten für 2021 – welche wären das?

Auf jeden Fall, dass wir bald zur Normalität zurückkehren, dass wir alle diese Corona-Krise hinter uns lassen können. Dann möchte ich natürlich leistungsmäßig den nächsten Schritt tun. Ich bin in der Bundesliga angekommen, jetzt möchte ich – mit der entsprechenden Geduld natürlich – die nächsten Minuten sammeln. Und ich möchte natürlich meine Ausbildung problemlos absolvieren und am Ende die Prüfung reibungslos bestehen.

Tom Bergner, vielen Dank für das Gespräch!

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