Nachruf

Streitbarer Geist, Seele von Mensch

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Starb am Montag im Alter von 78 Jahren: Peter Hattig.

Das Gespräch mit ihm war nie einfach. „Wie sieht’s denn aus fürs Wochenende?“ So eine unkonkrete, fast flapsige Frage als Einleitung für einen Austausch über ein bevorstehendes Handballspiel hat Peter Hattig nie gelten lassen. Seine Replik hat den Fragesteller schrumpfen lassen. Gespräche mit Peter Hattig waren immer eine Herausforderung, der man sich aber gerne stellte, weil sie auch immer geistreich waren.

Hattig war „ewiger Weltmeister“, hatte 1966 mit Deutschland die letzte Feldhandball-WM gewonnen und dafür das Silberne Lorbeerblatt erhalten, die höchste verliehene sportliche Auszeichnung in Deutschland. Hattig war Pädagoge (Studium der Sozialwissenschaften, Geschichte, Germanistik und Sport in Carbondale/Illinois und Münster) und ab 1993 Schulleiter des Gymnasiums in Lennestadt. Hattig war auch hoher Amtsträger im Deutschen Philologen-Verband. Er durfte schon deshalb Schlampigkeiten in der Sprache nicht unwidersprochen stehen lassen. Niemals. 

Trainer mit Ecken und Kanten

In der Erinnerung des gemeinen Schalksmühlers ist Peter Hattig vor allem ein Handballtrainer mit Ecken und Kanten. So charismatisch und meinungsstark wie unbequem und erfolgreich. Einer, der sich vor seine Spieler zu stellen wusste wie kein anderer und der sie damit immer ein Stück größer machte. Einer, der „Lieblingsgegner“ hatte, die er wenig schätzte und dies in der Underdog-Rolle, die dem STV seinerzeit zukam, auch nie versteckte. Ein streitbarer Geist und eine Seele von Mensch.

Der gebürtige Dortmunder, der aus einer echten Handballfamilie mit seinen ebenfalls erfolgreichen Brüdern Fritz und Michael stammte und der mit dem PSV Dortmund und später dem TuS Wellinghofen viele Erfolge als Spieler gefeiert hatte, fand in den 1980er-Jahren den Weg zum Löh (und übrigens in einer kurzen Episode auch zum VfB Altena in die Sauerlandhalle). 1988 hatte er eigentlich das Kapitel Schalksmühler TV beendet. Doch weil sein Nachfolger Werner Holz mit dem Team so erfolglos durch die Oberliga taumelte, holte der damalige STV-Handballchef Heino Rutenbeck – bis zuletzt sind die beiden gute Freunde geblieben – Hattig wieder. Und Hattig formte etwas Besonderes: Eine Mannschaft mit heute undenkbar viel Lokalkolorit, die ein goldenes Jahrzehnt an der Volme prägen sollte.

"Goldenes Jahrzehnt" an der Volme

1990 stieg Hattig mit dieser jungen Mannschaft mit Spielern wie Axel Vormann, Lars Breuer, Jörg Meyrich oder Jörn Roland in die Regionalliga auf. Fünf Jahre lang trainierte er das Team dort, führte es dreimal in die Play-Off-Runde zur 2. Bundesliga, ehe er 1995 Abschied nahm. Als Schulleiter – Hattig wohnte nun in Kirchhundem – war die Zeit zu knapp geworden. Hattig hat danach den Handball mit dem Fernglas aus der Peripherie in Kirchhundem als kritischer Betrachter begleitet.

Dort in Kirchhundem hat ihn Heino Rutenbeck kürzlich besucht anlässlich des Geburtstags von Hattigs Ehefrau Ilse. Ein bisschen wackelig auf den Beinen sei der 78-Jährige gewesen, sagt Rutenbeck, „aber von seinem besonderen Intellekt und seinen rhetorischen Fähigkeiten wie immer.“

Am Montag ist Peter Hattig plötzlich und unerwartet verstorben. Der Handball – nicht nur in der Region – trägt Trauer. Er hat einen ganz Großen seiner Zunft verloren.

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