Handball

Zweit- und Drittligisten machen gemeinsame Sache

Handball: 3. Liga 2. Liga Gemeinsame PK
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Werbung in eigener Sache (von links): Philipp Brüggemann, Ingo Stary, Valentin Schmidt, Timo Schneidersmann, Tim Brand, Stefan Neff, Manuel Treude und Michael Stock. Die SGSH fehlte beim Termin im Zweibrücker Hof.

Der Saal Ruhrtal im Zweibrücker Hof in Herdecke war am Freitag Schauplatz einer Art Gipfeltreffens der Handballer: Der VfL Eintracht Hagen hatte geladen, der TuS Volmetal und die SG Menden Sauerland Wölfe hatten ihre Vertreter entsandt. Nur die SGSH Dragons nicht, auch wenn das Dragons-Logo wie das der anderen drei Klubs auf dem Veranstaltungsplakat prangte...

Kreisgebiet - Ob wegen zu spät zugestellter Einladung? Es blieb offen. Aber es hinterließ jedenfalls nicht die Art von Eindruck, die man gut nennt.

„Vier, drei, zwei, einz…igartig“, das war die Botschaft der Top 4 der Handballregion in diesem Rahmen. „Ein Zweitligist und drei Drittligisten – damit hat der Handball in der Region eine Vorreiterrolle“, stellte Joachim Muscheid, Geschäftsführer der VfL Eintracht Hagen Handball-Management GmbH, einleitend fest, „keine andere Sportart hier hat eine so hohe Leistungsdichte im Leistungssport. Und mit Ausnahme von Ostwestfalen gibt es kaum eine Region, in der der Handball auf so kleiner Fläche so stark ist.“

Der Handball hat indes auch gelitten in der Corona-Pandemie. Als Hallensport hat der Lockdown die Sportart getroffen. In Westfalen hat es für den Nachwuchs überhaupt keine Sportart gegeben, in den Klassen unterhalb der 3. Liga ist die Saison abgebrochen worden. So war der Nachmittag im Zweibrücker Hof auch ein Versuch, sich ins Gedächtnis zu rufen und sich selbst der eigenen Stärke zu versichern.

Ein Rundumschlag im Handballsmalltalk

Aus Menden waren Drittliga-Coach Ingo Stary, Neuzugang Tim Brand und Timo Schneidersmann gekommen, vom TuS Volmetal der Sportliche Leiter Philipp Brüggemann und Torwarttrainer Manuel Treude. Für die Eintracht standen neben Sportdirektor Michael Stock auch Trainer Stefan Neff und Leistungsträger Valentin Schmidt Rede und Antwort.

Es war eine schöne Runde für einen Rundumschlag im Handballsmalltalk. Ein bisschen Olympia, ein bisschen Saisonausblick, ein bisschen Allgemeines. Die Mendener hatten ihre Sorgen mitgebracht. Vor allem die Hallensorgen. „Mit 360 Aktiven und 26 Mannschaften im Spielbetrieb sind wir inzwischen der größte Handballverein in Westfalen“, stellte Timo Schneidersmann fest, „und nun hat das Hochwasser uns unsere beiden etatmäßigen Sporthallen genommen.“ Sowohl in der Walramhalle als auch in der Kreissporthalle wird es nach dem Hochwasser einen neuen Hallenboden geben müssen. Die Drittliga-Handballer werden ihre Heimspiele am Habicht in Lendringsen austragen müssen. 301 Zuschauerplätze – aber vor Corona, mit Einschränkungen sind es weniger. Auch das noch nach einem Jahr Lockdown…

Was die Versammelten einte, war ihr Saisonziel: Sowohl die Hagener Eintracht nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga als auch Volmetal und Menden in der 3. Liga (angesichts des stark vermehrten Abstiegs) haben einzig und allein den Klassenerhalt als Saisonziel definiert. „Die Überschrift ist der Klassenerhalt und darunter gibt es viele kleine andere Ziele“, stellte Michael Stock fest. Die SGSH hätte im Ziel-Kontext gewiss eine Ausnahme im Quartett bilden können, will sich in der 3. Liga ja eher in die Spitzengruppe orientieren. Nur war am Freitag keiner da, der dazu etwas sagen wollte. Dafür lobte Eintracht-Coach Stefan Neff beim allgemeinen Blick auf die Handballregion den Standort in Halver und Schalksmühle („große Tradition“, „schlagkräftiges Topteam“, „guter Standort für Jugendspieler“), während er seinem anderen Ex-Klub Volmetal viel „Herzblut und Idealismus“ attestierte. Im Gegenzug lobten die Gäste aus Dahl und Menden den professionellen Ansatz der Eintracht. Es war ein Nachmittag der Komplimente und der Freundschaft, keine Frage.

Sorge um die Jugend und den Amateursport

Vereint zeigten sich die Podiumsgäste auch in ihrer Kritik am Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft in Tokyo. Manuel Treude nannte das Viertelfinal-Aus „erwartbar“ („Wir gehören nicht zu den absoluten Topteams im Welthandball“). Ingo Stary („Es fehlen die Unterschied-Spieler“) plädierte für ein Umdenken in der Abwehrarbeit im Nationalteam („Andere Nationen spielen aggressiver und antizipativer auf Ballgewinn. Unsere 6:0-Abwehr ist da vielleicht etwas überholt“). Und Stefan Neff fand seinen Kritikakzent in seinem Fachgebiet. „Ich bin richtig enttäuscht vom Abschneiden, vor allem vom leidenschaftslosen Auftritt im Viertelfinale gegen Ägypten“, konstatierte der Hagener, „in allen Mannschaftssportarten hat man in Tokyo die deutschen Tugenden vermisst. Was die Handballnation Deutschland mit dem größten Verband der Welt da gezeigt hat, war viel zu wenig…“

Die Region will mehr zeigen, und nicht nur mit den Aushängeschildern. Den Corona-Aspekt wollte Conférencier Julien Wegner fast schon ausklammern, da ergriff Stefan Neff das Wort. „Auch wenn die Inzidenzzahlen wieder steigen, müssen für die Zukunft andere Lösungen gefunden werden für die Jugend und den Amateursport“, stellte der Vollbluttrainer fest, „wir im Leistungsbereich sind auf diese Basis angewiesen. Gibt es keinen funktionierenden Amateursport mehr, wird es bald auch keinen Leistungssport mehr geben. Ganz davon ab, hat die Gesellschaft auch eine soziale Verantwortung gegenüber den Heranwachsenden. Der muss sie gerecht werden.“ Es war das ernste Schlusswort nach einem oft eher leichten Talk im Zweibrücker Hof. Eine finale Botschaft in schwierigen Zeiten. Eine Botschaft, die die Anwesenden – und wohl auch die SGSH Dragons als vierter Klub im Boot – unterschreiben würden.

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