Handball

Start für die Kontaktsportart Handball? Skepsis bei den Aktiven

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Kontaktsportart Handball: Abstand halten ist da schwierig...

Kreisgebiet – Die Freigabe von Kontaktsport ab dem 30. Mai durch das Land NRW – sie ist ein Geschenk, das die Beschenkten erst einmal argwöhnisch betrachten. Auch die Handballer.

Noch am Wochenende machte Patrick Puls, Vizepräsident Jugend im Handballverband Westfalen, allen Diskussionen und Gedanken über zum Beispiel Aufstiegsrundenspiele beim Nachwuchs vor den Sommerferien ein Ende. Es wird vor den Sommerferien keine Spiele mehr geben. 

„Aufgrund der COVID-19-Pandemie wird die Qualifikation auf HV-Ebene nicht wie geplant im Mai/Juni und auch nicht mehr vor den Sommerferien stattfinden können“, schreibt der Verband in einer offiziellen Stellungnahme, „auch die jüngst von der Landesregierung in Aussicht gestellten Lockerungen führen nach Prüfung der Lage hier zu keinem anderen Ergebnis. Bei dem Datum 30. Mai 2020 handelt es sich nach Aussage der Staatskanzlei ausdrücklich um eine ‘Richt-/Zielgröße’. Maßgeblich ist zunächst die Corona-Schutz-Verordnung in ihrer überarbeiteten Fassung und die dazu künftig erlassenen Ausführungsbestimmungen. Die Pandemie-Lage wird regelmäßig neu bewertet. Das lässt zwar grundsätzlich für unsere Sportart hoffen, aber eine verlässliche Planung für eine angemessenen Durchführung einer HV-Quali nicht zu. Dies vor allem auch vor dem Hintergrund, dass die allgemeine Aussage des Landes zur ‘Zulassung von sportlichen Wettbewerben’ nicht zwingend gleichzusetzen sind mit einem Qua-lifikationsturnier mit mehreren Teams. Bei der Qualifikation handelt es sich eben nicht um ‘einfache’ Spiele, die dann auch als sogenannte ‘Geisterspiele’ durchgeführt werden könnten.“ 

Der Jugendspielausschuss erarbeitet in Abhängigkeit möglicher Termine zur Wiederaufnahme eines Spielbetriebs und auch unter Berücksichtigung weiterer Pläne des DHB zu den Jugend-Bundesligen entsprechende Szenarien zur Qualifikation und Durchführung des HV-Jugendspielbetriebs. Frühestens nach den Sommerferien dürfte damit ein kleiner, komprimierter Aufstiegsmarathon warten – wenn denn die Pandemie es zulässt. Der normale Saisonstart? Es gibt dazu keine Auskünfte, aber letztlich dürfte er in logischer Folge und bei bestmöglicher Entwicklung frühestens nach den Herbstferien anstehen. 

Klaus Krass, Vorsitzender im Handballkreis Lenne-Sieg, unterschreibt das Vorgehen des Verbandes auf jeden Fall. „Bei einer Kontaktsportart wie Handball wird es schwierig, es hinzukriegen“, sagt Krass, „wenn wir ab dem 30. Mai wieder Lauf- oder Krafttraining machen können, dann ist das gut, aber der Kern des Handballs ist ja ein ganz anderer...“ Krass macht seinen Standpunkt mit einem Vergleich deutlich. „Wenn ich sehe, dass Leute beim Tennis ihre eigenen Bälle mitbringen sollen und beim Golf Vorkehrungen geschaffen werden, dass die Bälle ganz vorsichtig aus dem Loch geholt werden – dann wird’s beim Handball einfach sehr, sehr schwierig“, sagt der Kreisvorsitzende. 

Krass verweist auf offenen Brief eines Funktionärs aus Dortmund

Krass verweist wie viele andere Funktionäre im Kreis auf einen offenen Brief, den Frank Fligge via einer Dortmunder Tageszeitung an Ministerpräsident Armin Laschet geschrieben hat. Fligge ist Handball-Abteilungsleiter des ASC 09 Dortmund. Der Brief ist eine einzige Anklage und spricht Krass gleichwohl aus dem Herzen, wie er im Gespräch betont. Fligge zeigt in diesem Brief Unverständnis dafür, wie die Vereine durch die Lockerungen trotz aller eigenen Bedenken quasi genötigt werden, den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen („Und sagen Sie jetzt bitte nicht, wir müssten ja nicht wieder mit dem Training beginnen. Natürlich müssen wir, sobald der erste benachbarte Verein die Halle aufschließt.“). 

Ein Auszug: „Dass Sie und Ihre Landesregierung den Vereinen jetzt in Aussicht stellen, ab 30. Mai wieder Hallensportarten mit Körperkontakt auszuüben, ist grober Unfug“, schreibt Fligge, „ich halte es für fahrlässig und verantwortungslos. Wir befinden uns noch immer in einer Pandemie – und Sie nehmen eine Ausbreitung des Virus zumindest billigend in Kauf. Und das ohne jede Not, denn so wichtig uns der Handballsport auch ist: Aktuell ist Handball nicht wichtig! ... Dieselben Kinder und Jugendlichen, für die es am 30. Mai noch keinen geregelten Schulunterricht geben wird, sollen dann am Nachmittag zum Training in die Hallen kommen, wo sie face-to-face in den Zweikampf gehen. Wo die Aerosole nur so durch die Luft fliegen. Wir reden über Handball. Da ist man sich nahe. Von Abstand und Hygiene sind wir da so weit entfernt wie die Erde vom Mars... Welche Verantwortung wälzen Sie da auf uns Ehrenamtler ab?!“ 

Fligge schließt den Brief mit einer düsteren Prognose: „Am Ende, wenn die Infektionszahlen wieder steigen, wird es heißen: Die Sportvereine sind Virenschleudern. Und der ÖPNV. Und die Gastronomie. Und die Schulen. Dann haben wir neben den Krankheitsfällen auch noch den Imageschaden. Ganz ehrlich, Herr Laschet, das ist doch Irrsinn!“

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