Handball, 3. Liga

Profis oder Amateure? Status des Drittliga-Handballs ist nicht eindeutig

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Geht es für Brian Gipperich und die SGSH im November trotz Lockdown weiter? Das hängt davon ab, ob die 3. Liga zur Profi- oder Amateurklasse erklärt wird.

Schalksmühle – Die 3. Liga der Handballer, in der die SGSH Dragons als Aushängeschild der Handballregion aktiv sind, ist in der Vergangenheit von den Beteiligten selbst gerne als „semi-professionelle“ Spielklasse bezeichnet worden – irgendwo zwischen den Berufs- und den Hobby-Handballern in einer eigenen Handballwelt. Lösungen für semi-professionelle Spielklassen aber sehen die neuen Corona-Bestimmungen nicht vor.

Der Amateursport fährt herunter, der Profisport darf ohne Zuschauer weitermachen. Und was wäre die 3. Liga der Handballer da nun gerne? Eine Profiliga? Oder doch Amateurliga? Der DHB ist selbst noch auf der Suche nach der Antwort. In der E-Mail an alle Drittligisten, die die für den Spielbetrieb zuständige Rechtsanwältin Melanie Prell am Donnerstagmorgen verschickte, teilte Prell nicht nur mit, dass man die Spiele am Wochenende stattfinden lassen wolle.

„Hinsichtlich der Einordnung der 3. Liga als Profi- oder Amateursport eruieren wir die Lage und melden uns spätestens Anfang kommender Woche dazu“, schreibt Prell. Mit anderen Worten: Ob die fünf Spieltage im November (inklusive des Doppelspieltags am 6. und 8. November) stattfinden können oder nicht, wird bis Anfang der Woche offen bleiben. 

Geht man nach der Verordnung des Bundes für Corona-Beihilfen, die den Vereinen die Zuschauer-Ausfälle in Teilen ersetzen sollen, dann ist die 3. Liga eine Profiliga, denn nur Profis dürfen diese Beihilfen beantragen. Drittligisten beim Handball wurden ausdrücklich dazu genommen. Ein klares Statement des Bundes, dazu die gelebte Praxis mit Vertragsspielern oder Akteuren, die auf 450-Euro-Basis entlohnt werden. 

Also alles eindeutig? Nein, so eindeutig ist es dann doch nicht. Gesundheits- und Landratsämter scheren sich mitunter nicht um das Statement des Bundes, vielleicht kennen sie es auch gar nicht. Ein Beispiel von vielen: In der Pfalz gibt es zwei benachbarte Drittligisten, die TSG Haßloch und den TuS 04 Dansenberg. Die Dansenberger gehören zu Kaiserslautern, die Haßlocher zum Landkreis Bad Dürkheim. Im Landkreis Bad Dürkheim definiert man die 1. und 2. Bundesliga der Handballer als Profiklassen und hat der TSG Haßloch die Halle fürs Training gesperrt. In Kaiserslautern werden 1., 2. und 3. Liga der Handballer als Profiklassen angesehen, hier darf trainiert werden. Am Wochenende treffen die Nachbarn im direkten Duell aufeinander – die einen trainiert, die anderen nicht... 

Vieles ist absurd dieser Tage, dazu zählt auch, dass es viele Drittligisten gibt, die die Saison sehr gerne im November weiter durchziehen würden. Selbst ohne Zuschauer würden die Spiele mit den Live-Übertragungen ins Internet zumindest die Interessen der Sponsoren befriedigen – es wäre ein Zeichen, dass da etwas weitergeht. Ob der DHB sich aber hinter diese Vereine stellt, ist die nächste Frage. 

Hygienekonzept mit Corona-Tests auch in der 3. Liga?

Dass bis Anfang der Woche die von Melanie Prell beschriebene „Eruierung“ geschehen sein soll, hängt letztlich nicht vom Bund ab und auch nicht von Einzelfall-Entscheidungen in irgendwelchen Landkreisen, sondern primär davon, wie der DHB seine dritthöchste Spielklasse einstufen wird. Wird DHB-Vorstandsvorsitzende Mark Schober der 3. Liga den Profistatus attestieren und damit die Gefahr eingehen, dass bei größeren Corona-Problemen bei den 72 Drittligisten im Männerbereich diese am Ende womöglich auch auf die 1. und 2. Bundesliga zurückfallen? Obwohl in diesen Klassen ein strenges Hygienekonzept mit vielen Testungen läuft, hat es zuletzt in der 2. Bundesliga durchaus einige Probleme gegeben. Wie groß könnten die Probleme werden, wenn nun 72 Männer-Drittligisten dazukommen? 

Dazu müsste für die 3. Liga dann auch ein Konzept mit Corona-Tests entwickelt werden. Durch die neuen Antigen-Tests wäre das sogar relativ unproblematisch umzusetzen, wenn alle Aktiven zwei Stunden vor dem Spiel getestet würden. Allerdings kostet ein Test sieben bis acht Euro pro Spieler, so dass auf die Vereine bei wegbrechenden Zuschauer-Einnahmen höhere Kosten zukommen würden. Kurzum: Das Problem ist vielschichtig, einfache Antworten gibt es nicht. Aber der DHB muss eine Antwort geben – bis spätestens Anfang der Woche...

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