Handball-Landesliga

Stephan Nockes Handschrift ist schon erkennbar

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Stephan Nocke war direkt mit dem Herzen dabei.

Lüdenscheid – Als sich die Handballer der TS Evingsen am Samstag in der Sauerlandhalle kurz nach der Schlusssirene auf den Weg machten zu ihrem Anhang und sich für den 29:26-Derbysieg gegen die HSG Lüdenscheid beklatschen ließen, da standen auf der anderen Spielfeldseite die unterlegenen Bergstädter bereits vor ihrem Fan-Block.

Die Mannschaft bedankte sich mit Applaus für die Unterstützung ihrer mitgereisten Anhänger, die das Team ebenfalls applaudierend in die Weihnachtspause verabschiedeten. Es war in der Stunde der zehnten Saisonniederlage ein bemerkenswertes Bild. Ein Bild mit Aussagekraft: Wir stehen zusammen! „Unsere Fans haben gemerkt, dass die Jungs alles gegeben haben. Und die Jungs wissen nur zu gut, dass wir unsere Fans brauchen. Aus dem Loch, in dem wir uns befinden, schaffen wir es nur gemeinsam heraus“, sagte Felix Kroll. 

Wie die komplette HSG-Familie hatte sich auch der Sportliche Leiter natürlich einen anderen Ausgang des Landesliga-Kellerduells gewünscht. Die Enttäuschung in Reihen der HSG über die Derbyniederlage am Pragpaul, sie war in den Gesichtern der Spieler auch deutlich abzulesen. „Wir hatten uns gut vorbereitet, in den letzten Trainingseinheiten war richtig Dampf drin“, sagte Kroll. 

Der Sportchef machte keinen Hehl daraus, dass das Schlusslicht im ersten Spiel unter Neu-Coach Stephan Nocke im Derby unbedingt diesen in dieser Serie so verdammt sturen Bock umstoßen und mit einem Erfolgserlebnis in diesem prestigeträchtigen Duell in die Pause gehen wollte. „Uns ging es klar um den Sieg“, betonte Kroll im Nachgang. Der so ersehnte erste Saisonsieg, er lässt weiter auf sich warten. Doch so enttäuschend der Handballabend im Lennetal für die HSG auch endete, er sollte dennoch ein Mutmacher sein für die kommenden Wochen. Denn Kampf und Wille, das war eben auch aus der Reaktion der Fans abzuleiten, stimmten bei der HSG. 

Das Team ackerte und rackerte, machte insbesondere in der Deckung vieles richtig, belohnte sich letztlich aber nicht. Beim Stand von 11:11 (26.) hatte die HSG gleich zweimal die große Chance, erstmals in Führung zu gehen. Völlig zurecht machte Stephan Nocke, der an der Seite leidenschaftlich mitging und sein neues Team immer wieder aufmunternd antrieb, im Nachgang daher diese Phase als „Knackpunkt“ aus. „Wenn wir zwei Minuten vor der Pause in Führung gehen, dann wäre das Spiel vielleicht anders gelaufen“, meinte Nocke. 

Einer der Gründe, warum die HSG in dieser wichtigen Phase nicht nachlegen konnte, hieß Pascal Hoinka. Der TSE-Torhüter parierte nicht nur gegen Ende des ersten Abschnitts prächtig, sondern war über 60 Minuten sicherer Rückhalt. „Die Gastgeber hatten in dieser Phase die bessere Torhüterleistung“, stellte Nocke nüchtern fest, machte seinen Keepern Stute und Ferizi aber keinen Vorwurf. Ohnehin suchte der 39-jährige Übungsleiter nach dem Derby die positiven Ansätze im Spiel seiner Mannschaft – und fand sie auch. Allen voran stand die Grundidee, bei Ballbesitz die Angriffe mit siebtem Feldspieler zu fahren. Das klappte freilich noch nicht perfekt, aber schon sehr ordentlich. 

Über die Außen geht bei der HSG Lüdenscheid wenig

Und auch die Marschroute, die beiden Evingser Außen Brüggendieck und Dragila hoch zu decken sowie Sebastian Lohmann phasenweise kurz zu nehmen, ging weitgehend auf. Umso ärgerlicher war es aus HSG-Sicht, dass Evingsens Regisseur Tamas Kiss, der einen bärenstarken Tag erwischt hatte, in der Rückraum-Mitte mehrere Eins-gegen-Eins-Situationen erfolgreich lösen konnte. „Tamas hat ein tolles Spiel und genau das gemacht, was uns fehlt“, stellte Felix Kroll fest. Gefehlt hatte im Angriffsspiel der HSG, das am Samstag im Kern auf die gewaltigen Abschlüsse von Shooter Phil Lausen ausgelegt war, letztlich die Durchschlagskraft in der Breite. „Uns fehlt vorne noch die Alternative zu Phil“, brachte es Felix Kroll auf den Punkt. Über die Außen ging wenig bei den Bergstädtern, die insbesondere den Abgang des pfeilschnellen Linksaußen und bei Gegenstößen treffsicheren Kevin Plate zu den SGSH Dragons II einfach (noch) nicht kompensiert bekommen. 

„Trotzdem“, betonte Felix Kroll, „haben wir einen Schritt in die richtige Richtung gemacht.“ Die nächsten Schritte möchte die HSG nun in in der Weihnachtspause machen. Schon am Samstag kündigte Stephan Nocke ein intensives Pensum an, am Montag legte Kroll noch einmal nach. „Bis auf die Weihnachtswoche trainieren wir voll durch, um die Defizite aufzuarbeiten. Es gibt viel zu tun“, sagte der Sportliche Leiter, der von der Arbeit Stephan Nockes schon jetzt begeistert ist und hofft, dem neuen Coach vielleicht noch den einen oder anderen neuen Spieler zur Verfügung zu stellen. 

„Im Winter ist es aber noch schwieriger als im Sommer“, so Kroll. Am Freitag, 10. Januar, endet für die Lüdenscheider in der BGL-Halle die Weihnachtspause mit dem nächsten Derby. Dann soll die Handschrift von Stephan Nocke noch deutlicher zu erkennen sein als am Samstag in Altena. Und die Hoffnung bei der HSG ist groß, dass die Mannschaft nach dem 60-Minüter gegen die HSV Plettenberg/Werdohl vor ihre treuen Anhänger treten kann, um den ersehnten ersten Saisonsieg zu feiern. Gemeinsam!

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