Vereinsvertretersitzung im Handballkreis

Neue Spielordnung: Chancen und Herausforderungen

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Manuela Krause zog für Pokalspielleiter Roland Janson den Austragungsort fürs Final Four. Es ist Kierspe.

Olpe - Im ersten Quartal kommen die Vereinsvertreter im Handballkreis Lenne-Sieg inzwischen fast schon traditionell im Olper Kolpinghaus zusammen, um den Haushaltsplan für das Geschäftsjahr zu verabschieden. So geschah es auch in diesem Jahr, der Haushaltsplan aber spielte dabei eine untergeordnete Bedeutung. Es gab spannendere Themen in den gut zweieinhalb Stunden.

Cornelius Vowinckel war es, der den Vereinsvertretern die Neuerungen in der Spielordnung näher brachte. Eine ganze Reihe von Dingen gibt es, auf die sich die Handballer dabei einstellen müssen. „Fundamentale Änderungen“, nannte der 2. Vorsitzende des Kreises diese Neuerungen, wobei er einige begrüßte, andere eher nicht. Neu ist zum Beispiel, dass ab sofort im Schülerbereich (D-Jugend und jünger) Schulmannschaften am Spielbetrieb teilnehmen dürfen. Damit trägt der DHB gewiss auch dem Umstand Rechnung, dass der Sport im offenen Ganztag der Schulen eine immer wichtigere Rolle spielt. Um dem Mannschaftsrückgang entgegenzuwirken und gerade auch kleinere Vereine zu stärken, hat sich der DHB weitere Gedanken gemacht: Für Berufspendler, Studenten und Soldaten, deren Zweitwohnsitz mehr als 100 Kilometer vom eigentlichen Wohnort entfernt liegt, ist ab der neuen Saison ein Zweitspielrecht für einen Verein am Zweitwohnsitz möglich.

Ein Zweifach-Spielrecht gibt es auch für Jugendliche von der A- bis zur C-Jugend, und zwar in zwei Fällen: Zum einen dürfen Spieler nach dieser Regelung in einem höherklassigen Team mit Zweitspielrecht mitspielen. Damit will der DHB kleine Vereine stärken, die so ihre Talente nicht direkt komplett an die Platzhirschen der Region verlieren sollen. Daneben ist auch ein Zweitspielrecht für Jugendliche für einen anderen Verein ohne Vereinswechsel möglich, wenn der eigene Verein in der Altersklasse des Jugendlichen kein Team stellt.

Festspiel-Paragraph: Umstrittene Neufassung

Neu ist auch, dass bei Vereinswechseln nicht mehr das Abmeldedatum zählt, sondern der Tag nach dem letzten Spiel, das ein abwandernder Spieler für seinen alten Verein gemacht hat. Die Wartefrist wurde bei den Senioren auf einen Monat halbiert - nur zwischen dem 16. Februar und 30. April beträgt sie weiter zwei Monate. Hiermit soll in der heißen Phase der Saison einem kurzfristigen Abwerben von Spielern entgegengewirkt werden. Bei Jugendlichen bleibt die Wartefrist bei zwei Monaten - im Zeitraum der Aufstiegsrunden ist sie komplett ausgesetzt (wie bisher).

Ein wenig Kopfschmerzen bereitet Vowinckel derweil die Modfizierung des Festspiel-Paragraphen (§ 55). Hier ist die alte Regelung (zwei Spiele binnen vier Wochen in einer höheren Mannschaft) komplett gekippt und durch eine Regelung ersetzt worden, die Wettbewerbsverzerrung Tor und Tür öffnet. „Innerhalb eines Spieljahres ist ein Spieler nur für zwei Mannschaft einer Altersklasse spielberechtigt“, heißt es da. Mit anderen Worten: Spieler der ersten Mannschaft eines Vereines könnten beliebig oft in der Reserve eingesetzt werden. Vereine mit nur zwei Seniorenteams müssten gar keine Rücksicht mehr auf Festspiel-Szenarien nehmen.

Im § 55 gibt es allerdings weiterhin einen Absatz, der es Landesverbänden erlaubt, eigene Regelungen zu treffen. Davon geht Vowinckel aus. „Ich bin überzeugt, dass es im Westdeutschen Handball-Verband so nicht bleiben wird“, sagte er am Freitagabend, „denn das kann nicht im Sinne des Erfinders sein.“

Was die neue Spielordnung auch festschreibt, ist die flächendeckende Einführung des Elektronischen Spielberichtes (ESB) zum 1. Juli 2018. Dann wird bis hinunter in die E-Jugend-Kreisklasse nichts anderes mehr akzeptiert werden. Der Kreisvorstand diskutierte mit den Vereinsvertretern am Freitagabend die Umsetzung. Beschlossen wurde am Ende, dass 2016/17 zunächst in der Kreisliga A der Männer und der Frauen-Kreisliga der ESB eingeführt wird. In der ersten Saisonhälfte noch als Pilotphase zweigleisig (schriftlicher Spielbericht erlaubt), in der zweiten Saisonhälfte bindend. In den übrigen Klassen (inklusive der Jugend) dürfen die Vereine den ESB auf freiwilliger Basis ausprobieren. Für die Anschaffung von Laptop und Drucker unterstützt der Kreis die Vereine mit bis zu 2 x 300 Euro aus gebildeten Rücklagen.

Vier Pokal-Turniere Anfang Januar

Auch in der neuen Südwestfalenliga (jetzige Bezirksliga) wird bei Frauen und Männern der ESB zum Einsatz kommen. Männerspielwart Roland Janson berichtete noch einmal ausführlich, wie es nach der Strukturreform in diesen Spielklassen weitergeht (wir berichteten ausführlich) und hatte für die Vereine eine gute Nachricht: Im Normalfall steigen aus fünf Kreisen am Ende der Saison 2016/17 sechs Teams in die Südwestfalen- und Ruhrgebietsliga aus. Die freien Plätze neben den fünf Kreismeistern werden rollierend von den Vizemeistern eingenommen - und hier kommt der Kreis Lenne-Sieg in den Genuss, als Erster dranzusein. 2017 wird es in der Kreisliga Lenne-Sieg also voraussichtlich zwei Aufsteiger geben.

Auch für den Kreispokal hat sich der Kreisvorstand um den neuen Vorsitzenden Klaus Krass Gedanken gemacht. „Das ungeliebte Mädchen“, nannte Roland Janson den Wettbewerb - und will ihn attraktiver machen. Der Saison vorgeschaltet wird eine Qualifikationsrunde, um das Feld auf 16 Teilnehmer zu bringen. Diese Runde muss bis zum Saisonstart abgeschlossen sein. Die 16 Teams spielen dann am ersten Januar-Wochenende in vier Vierer-Turnieren die vier Teilnehmer fürs Final-Four aus. Dieses Final-Four wird dann - auch in Turnierform mit verkürzter Spielzeit - am Wochenende vor Ostern ausgetragen. „Das Final Four ist immer sehr beliebt“, sagte Janson, „nun gibt es vor dem Final Four noch vier Turniere, von denen wir hoffen, dass sie gut angenommen werden.“ Das Frauen-Finale soll weiter ins Final Four integriert werden. Die Teilnahme ist weiter freiwillig - Janson hofft dennoch, dass sich wieder mehr Mannschaften melden.

Kierspe richtet das "Final Four" in dieser Saison aus

Ausgelost wurde am Freitagabend der Austragungsort fürs Final Four 2015/16: Manuela Krause aus dem Drolshagener Oberliga-Team zog Kierspe als Spielort. Am 20. März wird es somit am Federhof um den Kreispokalsieg gehen. Im Halbfinale trifft Schmallenberg auf Grünenbaum, Netphen hat es mit der SG Kierspe-Meinerzhagen zu tun. Im Frauen-Endspiel stehen sich Drolshagen II und Netphen gegenüber.

Angenommen wurde von den Vereinsvertretern in Olpe am Freitagabend ein Antrag des neuen Kreis-Schiedsrichterwartes André Krause (Schalksmühle). Krause hatte beantragt, Jugendspiele genauso gut zu bezahlen wir Seniorenspiele. Bisher hatte Schiedsrichter für ein Seniorenspiel 20 Euro erhalten, für ein Jugendspiel nur 18 Euro. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Die Referees erhalten nun für alle Einsätze 20 Euro.

Neuer Anwärterlehrgang für Schiedsrichter

Krause warb außerdem dafür, Interessenten zum Anwärterlehrgang zu schicken. „Wir haben bereits ein großes Minus im Schiedsrichterbereich, das sich weiter erhöhen wird, weil einige Schiedsrichter aufhören wollen“, sagte der Schalksmühler, „wenn die Vereine keine neuen Anwärter melden, können wir nicht gewährleisten, dass der Spielbetrieb weiter so aufrecht erhalten werden kann.“ In der elften Kalenderwoche will Krause mit einer großen Plakataktion eine Offensive starten, um neue Schwarzkittel in den Vereinen abzuholen.

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