Handball, 3. Liga West

Neff: "Kein Vorwurf, an keinen"

+
Es war ein Kampf mit harten Bandagen im Topspiel. Hier muss der Krefelder Tim Gentges einstecken. Auch Lukas Hüller bekam die Härte des Gegners zu spüren.

Schalksmühle - Es war einer jener Abende, die einen Trainer schlecht schlafen lassen, mitunter nicht nur eine Nacht. Das 22:24 im Gipfeltreffen bei der HSG Krefeld hatte Stefan Neff, Coach der SGSH Dragons, auch am Montag noch nicht wirklich verdaut. „Daran hat man zu knacken“, gab der Hagener zu.

Bei aller Enttäuschung darüber, dass sich die Handballer aus dem Sauerland beim Gastspiel am Niederrhein am Ende für einen starken Auftritt nicht belohnt hatten, dominierte bei Neff der Stolz. „Kein Vorwurf, an keinen“, sagte der Coach, „wir haben beim Spitzenreiter 55 Minuten lang geführt. Das ist herausragend. Aber am Ende haben wir dann leider zwei, drei Fehler zu viel gemacht. Grundsätzlich aber ist unser Matchplan aufgegangen – wir haben die HSG bei 24 Toren gehalten. Das ist gut. Den Krefeldern ist lange nicht viel eingefallen.“ 

Das Topspiel vor 1080 Zuschauern in der Glockenspitzhalle, es war in der Tat ein Ringen um kleine Vorteile gewesen, das als Basis auf beiden Seiten die Abwehrarbeit hatte. Vorbild Vorjahres-Aufsteiger TuS Ferndorf: So wie die Siegerländer in der vergangenen Saison die Liga nicht nur, aber vor allem deshalb beherrschten, weil sie eine ungeheure Defensiv-Qualität (inklusive der Torhüter) in die Waagschale warfen und nun auch das Zweitliga-Personal mit ihrer starken Abwehr nerven, so stellten die Eagles und die Dragons unter Beweis, dass sie nicht als Topteams im Hurrastil daherkommen. 

Akribische, harte Arbeit ist eher schon die Grundlage der Erfolge, eine gute Vorbereitung auf den Gegner. Und am Samstagabend eine ungeheure Spieldisziplin gepaart mit einer nicht weniger ungeheuren Einsatzbereitschaft auf beiden Seiten. Leichte Tore über den Gegenstoß gab es praktisch nicht – zu fokussiert auf ihr Rücklaufverhalten waren sowohl die Schützlinge des Dänen Ronny Rogawska als auch jene von Stefan Neff. Beeindruckend. 

„Es heißt nicht umsonst, dass ein guter Angriff Spiele gewinnt, eine gute Abwehr aber Meisterschaften“, stellte Stefan Neff mit Blick auf den Charakter des Topspiels fest, das sein Trainerkollege als „kein schönes Spiel“ beschrieben hatte. Es bleibt am Ende Geschmackssache – das zähe Ringen um kleine Vorteile, bei dem keine 60 oder 70 Tore fallen, kann auch ansehnlich sein. Am Samstag war es das auf jeden Fall, allein durch die Atmosphäre in der Halle, durch die Spannung, den Druck und den Willen aller Akteure. 

Dass der Wille Berge versetzen oder zumindest Bälle aus unmöglichen Winkeln im Tor unterbringen kann – der Treffer zum 24:22 war ein gutes Beispiel. Vielleicht war es aus Krefelder Blickwinkel die Geschichte des Topspiels, dass ausgerechnet Linkshänder Kevin Christopher Brüren, dem 30 Minuten rein gar nicht gelungen war, 15 Sekunden vor dem Ende von Linksaußen fast von der Eckfahne traf. Die Dragons hatten auf offene Manndeckung umgestellt. Ein Ballgewinn hätte ihnen die Chance zum Ausgleich gegeben. 

„Ich dachte, es ist ideal für uns – ein Linkshänder auf Linksaußen“, sagt Neff. Tatsächlich hatten die gelernten Linksaußen Zimmermann und Wöstmann vorher gegen Ante Vukas nichts auf die Kette bekommen. Doch Brüren, bei dem der Knoten erst nach 35 Minuten geplatzt war, überwand den Kroaten brachial, hämmerte den Ball mit aller Kraft in den Winkel. Sein sechstes Tor binnen 25 Minuten. Das Comeback der HSG in der Partie war auch sein Comeback gewesen. 

Den Dragons fehlten am Ende diese finalen Offensiv-Ausreißer nach oben. Vielleicht auch deshalb, weil Lukas Hüller am Ende passen musste. Der quirlige Spielmacher hatte im ersten Durchgang über einen Schlag auf die Rippen geklagt. Nach der Pause hatte er noch einen Schlag auf die Nase bekommen und sah nurmehr verschwommen. Hüller war Opfer eines Kampfes, der auf beiden Seiten mit harten Bandagen geführt wurde. Auf der Gegenseite hatte auch Tim Gentges schwer einstecken müssen. Auch das gehört zu Partien, in denen die Defensivreihen mit dieser Leidenschaft den Ton angeben – wo gearbeitet wird, da fallen Späne. Und Handballarbeit war das Topspiel – ehrliche, harte und unterhaltsame.

Neues Motto: "Nach der Serie ist vor der Serie"

„Jetzt nur nicht das Leichlingen-Syndrom!“ Stefan Neff war bereits am Montag wieder bei der Vorbereitung auf den nächsten Gegner. Bis Weihnachten warten noch drei Spiele auf die SGSH Dragons, das erste davon am Samstag um 19.30 Uhr in der Sporthalle Löh gegen den Northeimer HC. Neff erwartet ein schweres Spiel, nicht nur, weil die Gäste aus Niedersachsen mit 16:12-Punkten als Tabellensiebter gut dastehen. „Es wird nach den drei Topspielen zuletzt vor allem schwer für den Kopf“, sagt Neff und will das Team entsprechend wachrütteln, damit den Dragons nicht wie dem Leichlinger TV eine Woche nach der Niederlage in Krefeld (Heimschlappe gegen Gummersbach II) ein ähnlicher Fauxpas unterläuft. Neff: „Unser Motto muss sein: Nach der Serie ist vor der Serie. Wenn Krefeld doch einmal straucheln sollte, dann wollen wir da sein.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare