Grasediek grübelt: „Ein komischer Spirit“

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Keine Punkte in Ratingen: Achim Jansen (Mitte) und Dominic Luciano (rechts) sind nach dem Schlusspfiff bedient.

Schalksmühle - Eine Tabelle kann man auf die eine Art und Weise lesen, aber eben auch auf die andere. In der 3. Liga West ist die SGSH Tabellenneunter. 20:22-Punkte bedeuten neun Spieltage vor dem Saisonfinale sieben Punkte Vorsprung auf den Drittletzten. Ein satter Vorsprung? Das kommt auf den Blickwinkel an.

Von Thomas Machatzke 

„Ich halte die Situation nicht für ungefährlich“, sagt Trainer Mathias Grasediek, „wir wissen alle, wie Dinge auf der Zielgeraden der Saison laufen können. Und: Die Duisburger und Neusser haben ein leichtes Restprogramm.“

Jene Duisburger, die am Sonntag gegen Leichlingen ein Lebenszeichen abgegeben haben, belegen aktuell den ersten Abstiegsplatz. Punktgleich ist inzwischen der Neusser HV, der aber gerade durch die Handschke-Verpflichtung an Schlagkraft gewonnen hat und mit Ausnahme von Ferndorf in der Rückrunde bereits gegen alle Topteams gespielt hat. Zwischen der SGSH und diesem Duo gibt es auch noch Gummersbach II (Grasediek: „Die werden sich im Zweifel immer entscheidend von oben verstärken...“), Ratingen und Gladbeck.

Und das ist eben der andere Blick auf die Dinge. Dass eine Mannschaft in den letzten neun Spielen bei einem Sieben-Punkte-Vorsprung von noch gleich fünf Teams überholt wird – das wäre in der Tat eine alles andere als alltägliche Entwicklung. Beurteilt man den Blickwinkel eines Sportlers nach seiner Körpersprache, so lag am Samstag in Ratingen der Schluss nahe, dass das Gros der SGSH eher jene Sicht auf die Dinge bevorzugt, die sich nicht mit der des Trainers deckt. Körpersprache und Emotionen verrieten keinen unbedingten Siegeswillen. Jedenfalls nicht über die Dauer von 60 Minuten.

Mateusz Rydz fehlt zum Termin

Einen „komischen Spirit“ nennt Grasediek das, was für ihn nicht recht greifbar ist: „Wir werden darüber reden, denn wir brauchen schnellstmöglich eine Wende. Ich will spüren, dass bei allen der unbedingte Wille da ist, sorgenfrei in die letzten Saisonspiele zu gehen.“ Grasediek sieht bei seinem Team eine Bringschuld. „Wir reden nicht über Profis, aber über Vertragsamateure“, sagt der Coach, „da ist Motivation nicht nur die Sache des Trainers. Ein Vertragsamateur muss alles reinschmeißen, was an dem Tag geht. Er darf Fehler machen. Es kann nicht immer alles klappen. Aber es kann nicht sein, dass Dinge an der Einstellung scheitern.“

Das Ratingen-Spiel war in dieser Hinsicht für Grasediek enttäuschend. „Der Matchplan war in Ordnung, die Abläufe waren ganz klar besprochen“, sagt er, „wir waren damit erfolgreich in den wenigen Situationen, in denen wir es umgesetzt haben. Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, warum das nicht häufiger klappt.“

Verständnis hat der Diplom-Sportlehrer auch nicht für Mateusz Rydz. Der verletzte Spielmacher fehlte am Samstag in Ratingen. „Seine Rückkehr aus Polen war für Donnerstag abgesprochen, aber ich habe bis heute nichts von ihm gehört“, erklärte Grasediek am Montag. Auch wenn Rydz aktuell nicht einsatzbereit ist, ist es ein Vorgang, der den Coach ärgert.

Grasediek allerdings schaut nun direkt auf den Samstagabend. Dann ist die HSG VfR Wiesbaden zu Gast am Löh. Mit dem Tabellenletzten hat die SGSH noch eine Rechnung offen. Im Hinspiel verspielte sie in der hessischen Landeshauptstadt einen Acht-Tore-Vorsprung und bescherte dem Gastgeber einen von bisher drei Saisonsiegen. „Ein absolutes Muss-Spiel – gegen Wiesbaden stehen wir in der Pflicht“, sagt Grasediek und fügt an: „Im Hinspiel haben wir gesehen, was passiert, wenn man nachlässig wird. Das darf uns nicht noch einmal passieren.“

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