Tiefschlaf, Aufbäumen und Ärger in Ostfriesland

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Niklas Polakovs machte im linken Rückraum ein gutes Spiel, erzielte zwei Treffer und setzte vor allen Dingen immer wieder Kreisläufer Malte Müller sehr gut in Szene.

AURICH - Eine komplett verschlafene erste Hälfte, eine tolle Aufholjagd nach dem Wechsel. Dazu viel Ärger über die beiden Schiedsrichter und am Ende eine knappe Niederlage: Die zweite Nordtour der Saison war für die SG Schalksmühle-Halver eine, nach der es viele Geschichten zu erzählen gab.

In der Tabelle werden diese Geschichten mit ein wenig Abstand lapidar mit einem 27:26 (18:11) für den gastgebenden OHV Aurich abgebildet werden. Dort wird nicht stehen, ob es sich um einen verdienten oder unverdienten Sieg gehandelt hat.

Wobei diese Frage eigentlich auch gar nicht direkt mit einem Ja oder einem Nein zu beantworten ist. Die erste Spielhälfte in der mit 1320 Zuschauern gut gefüllten Sparkassen-Arena – darunter eine nie müde werdende SGSH-Fanschar – sprach dafür, diesen Sieg als verdient für die Gastgeber zu werten. Die SGSH verschlief zunächst den Start, geriet 1:5 in Rückstand. Die gewählte 6:0-Deckung war nicht des Pudels Kern, im aufgebauten Angriff lief auch nichts zusammen.

Zusammen fanden dann allerdings nach zehn Minuten die Faust von OHV-Abwehrspieler Jannes Hertlein und SGSH-Angreifer Julian Mayer. Es war ein Foul der groberen Sorte – und es kostete Mayer mindestens einen Zahn. Er fuhr direkt ins die Zahnchirurgie in Oldenburg. Hertlein war mit einer Zeitstrafe für diese Aktion bestens bedient. Über eine rote Karte hätte er sich wohl eher nicht beschweren dürfen.

Dem Fehlstart folgte also für den Gast eine Art Schockstarre. Bei den Gästen lief nichts, bei den Gastgebern lief es wie am Schnürchen – auch übers Tempospiel. Irgendwann stand es 16:5, und die Idee lag nahe, dass es wohl besser gewesen wäre für den Gast, den Totensonntag nicht in Ostfriesland zu verbringen. Auch ein gutes Finale in Durchgang eins bis zum 16:8-Pausenstand änderte an dieser Einschätzung erst einmal wenig.

Entscheidende Pfiffe bremsen die SGSH

Aber es blieben 30 Minuten. 30 Minuten, die all das in Frage stellten, was sich an Eindrücken gesammelt hatte in der ersten Halbzeit. Die SGSH spielte nun mit Polakovs im linken, Stuhldreher im zentralen und Dmytruszynski im rechten Rückraum. In der Abwehr engte Stuhldreher als Vorgezogener die Kreise des starken Marten Franke ein. Es schien so, als ob der Gast die Pause genutzt hätte, um ein wenig Sand von der Nordsee zu holen und ins OHV-Getriebe zu streuen. Über 18:14 und 20:16 kam die SGSH auf 22:20 heran. Dominik Formella im Tor hatte daran seinen Anteil, aber auch die Achse Polakovs/Müller, die gut harmonierte.

So kam es, dass trotz dreier vergebenener Siebenmeter (Krüger, Oberste, Herzog) beim 24:23 die Schlagdistanz hergestellt war und auf einmal wieder alles möglich schien. Es war aber auch der Moment, in dem sich ein Eindruck aus den ersten 30 Minuten im Denken der Gäste manifestierte: Der nämlich, dass die beiden Lübecker Maik Bolus und Sven Foitzik nicht ihre Freunde waren. „Zwei entscheidende Pfiffe gegen uns“, konstatierte Co-Trainer Axel Meyrich und meinte zum einen eine Zeitstrafe gegen Dmytruszynski wegen angeblichen Fußspiels – obwohl er es gar nicht gewesen war, dem der Ball auf den Fuß geprellt worden war. Zum anderen das Tor dem 25:23 durch Brandt, bei dem die SGSH ein klares Stürmerfoul ausgemacht hatte. „Dass wir hier nichts mitnehmen, liegt nur an den Herren in Schwarz“, ärgerte sich Trainer Mathias Grasediek. Der OHV jedenfalls macht aus dem 24:23 ein 27:24 und rettete den Sieg knapp über die Zeit. Der SGSH blieb eine Menge Frust und auf der langen Heimfahrt ein Umweg über Oldenburg. Dort wartete in der Zahnchirurgie ja noch Julian Mayer. Gespannt darauf, sie alle zu hören – die Geschichten von dieser Aurich-Tour, von der man lange erzählen wird. - MZV

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