Handball, 3. Liga West

Rasse, Klasse, Tumulte und Jubelarien

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Szenen, die beim Handball selten sind: Gut eine Minute vor dem Ende des Drittliga-Derbys gab es eine rechte Rudelbildung auf den Feld.

Halver - Es war ein letzter trockener Wurf, ansatzlos, flach und unhaltbar für den so guten Nicholas Plessers. Dominik Domaschk hatte diesen letzten Wurf zwei Sekunden vor dem Ende abgefeuert - und er traf die SGSH im Drittliga-Derby an der Mühlenstraße ins Herz und machte aus der Sporthalle ein grün-weißes Tollhaus. 25:24 (12:13) siegte der TuS Volmetal in einem Spiel, das nichts schuldig blieb, das mit all seinen Facetten eine Werbung für den Handballsport war, und das die SGSH doch tief frustiert zurückließ. 

Die SG Schalksmühle-Halver war schon vor dem Anpfiff in einer Hinsicht der Gewinner des Abends: So viele Zuschauer wie am Samstagabend dürften noch nie bei einem Handballspiel in der Halle Mühlenstraße gewesen sein. Offiziell: 914 (ausverkauft). Inoffiziell war die Zahl gewiss vierstellig, von 1200 Zuschauern war die Rede. Es war eine tolle Kulisse - und es sollte ein tolles Spiel werden.

Die Startphase gehörte dabei den Gästen. Die SGSH versuchte es wie nach der Pause in Soest mit dem Shooter-Rückraum (Weßeling/Mayer/Eskericic) und zeigte sich defensiv vor allem über die Halbposition und den Kroaten Eskericic anfällig. Nach elf Minuten stand es 2:6, es war bis dahin ein beeindruckender Auftritt der Schützlinge von Stefan Neff, der viel Video geschaut hatte - gut investierte Zeit.

SGSH verliert Derby gegen TuS Volmetal 24:25

Die SGSH aber kämpfte sich zurück. Der angeschlagene Florian Diehl tat ab Minute 15 sowohl dem Rückraum in der Zentrale als auch der Abwehr gut. Die Maßnahme von Dragan Markovic, Moritz Eigenbrodt auf die vorgezogene Position zu schicken und nun 5:1 zu decken, fruchtete ebenfalls. Dazu kam, dass die Volmetaler defensiv nicht mehr so stabil wirkten, Manuel Treude nach starkem Start zudem etwas abbaute. Beim 8:8 gelang Jacek Wardzinski der erste Ausgleich (20.), beim 9:8 traf Lutz Weßeling zur ersten Führung (23.). Die Partie war nun offen, und mit ein wenig Fortune nahm die SGSH eine 13:12-Führung mit in die Pause, die Volmetaler dagegen hatte die Hypothek zweier früher Zeitstrafen gegen Abwehrchef Dommermuth als Rucksack für Durchgang zwei.

Guter SGSH-Start in Durchgang zwei, aber auch starkes TuS-Comeback

Als die Hausherren selbst in Unterzahl einen Traumstart in Halbzeit zwei erwischten und durch zwei Tore mit einem Mann weniger auf 15:12 vorlegten (32.), danach gar auf 20:16 davonzogen (41.), schien das Derby wie schon in der Hinserie auf rot-weißem Freudenkurs. Doch so leicht war es nicht. Stefan Neff, der mit einer 5+1-Abwehr (Schliepkorte als Positionsverteidiger gegen Weßeling) Sand ins SGSH-Getriebe hatte streuen wollen, beorderte seine Defensive zurück ins 6:0-System und Treude zurück für Quick ins Tor.

Sieben Minuten später war die Partie gekippt, aus dem 20:16 ein 20:21 geworden. Gegen den exzellent arbeitenden 6:0-Block fand die SGSH kaum Mittel mehr, spielte nicht schlau und vielleicht auch nicht mutig genug. Eng blieb es trotzdem. Es war nun ein ungemein intensives, enges, spannendes und mitunter auch hochklassiges Match. Für Highlights sorgten dabei immer wieder die Keeper. Nicholas Plessers hielt am Ende fünf Siebenmeter, aber auch zahlreiche weitere freie Bälle. Sein Gegenüber Manuel Treude stand ihm in nichts nach, entnervte vor allem den SGSH-Rückraum.

Tumulte, und Natko Merhar mittendrin

In die Karten spielte dem Gast auch, dass sich die SGSH viele Zeitstrafen abholte. Für Dragan Markovic deutlich zu viele. Der Bosnier übte erstmals seit seiner Ankunft bei der SGSH harsche Kritik an der Zeitstrafen-Verteilung. Leicht zu leiten war die Partie indes keinesfalls, auch nicht in jener Situation 63 Sekunden vor dem Ende. Der TuS führte da 24:23 und suchte in Überzahl am Kreis Dommermuth. Der packte sich das Leder, und Luciano und Eskericic packten sich mit vereinten Kräften Dommermuth. Es war ein veritabler Ringkampf, an dessen Ende sich ein stattliches Rudel (mit dabei: Jansen, Plessers und Dmytruszynski) gebildet hatte, in dem auch der verletzte Natko Merhar von der Tribüne aufs Feld kam und munter mitmischte, den langen Dommermuth tätlich anging. Wäre es nicht so traurig gewesen - es wäre ein ob des Größenunterschiedes skurriles Bild gewesen.

Die Referees nahmen sich Zeit und zeigten sowohl Dommermuth als auch Dmytruszynski die Rote Karte - und sprachen dem TuS einen Siebenmeter zu. Nach vier vergebenen Versuchen (2x Herzog, Kowalski und Polakovs) trat der an diesem Abend so starke Niklas Polakovs noch einmal an - und scheiterte nochmals an Plessers. 

Die SGSH hatte im Spiel 5:5 die Chance zum Ausgleich und nutzte sie durch Lutz Weßeling und einen Siebenmeter. Zu früh jedoch. Dem TuS blieb ein Angriff. Ein letztes Time-out, noch sechs Sekunden: Und als alles mit einem letzten Versuch von Silas Kaufmann rechnete, legte dieser auf Dominik Domaschk ab. Und der läutete mit seinem dritten Tor des Abends eine lange grün-weiße Nacht ein.

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