Allgemeine Besorgnis um die SGSH

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Ein nachdenklicher Mathias Grasediek nach der Niederlage gegen Soest – mit der Entwicklung nach dem Derbysieg beim TuS Volmetal hat auch er nicht rechnen können.

Schalksmühle - Der Tag nach dem Lokalderby beim TuS Volmetal hätte, wenn schon kein sonniger Sonntag, so doch ein Tag der guten Laune für die SG Schalksmühle-Halver sein können. Trotz des 27:24-Sieges in Hagen-Dahl aber war das Gegenteil der Fall.

Durch die Kunde von der beabsichtigen Trennung von Trainer Mathias Grasediek verbunden mit dem Rücktritt des Sportlichen Leiters Axel Meyrich war es vor allen Dingen ein Tag der großen Unruhe. „Ein stressiger Tag war der Sonntag“, sagt Christian Feldmann, „viele Telefonate – die Spieler, die schon weg waren, sollten es ja nicht erst 48 Stunden später erfahren.“

Der Spielmacher der SGSH ist nicht der älteste, wohl aber der dienstälteste Spieler im Kader des Handball-Drittligisten, und der stellvertretende Kapitän. Feldmann war einer von den Spielern, die am späteren Samstagabend noch im Restaurant International zwischen Rummenohl und Dahlerbrück saßen, als die Nachricht auch den Weg in die Mannschaft fand. „Wir waren geschockt“, sagt Feldmann, „wir hatten in der Woche in der Mannschaft intern ein gutes Gespräch. Es hat sich einiges verbessert, wir sind noch enger zusammengerückt. Und wir hatten auch ein positives Gespräch mit dem Vorstand und der Geschäftsführung. In diesem Gespräch haben wir uns als Mannschaft komplett hinter die Trainer gestellt. Deshalb kam diese Nachricht nach so einem Sieg natürlich für alle überraschend.“

Schweigen, Entsetzen und ein Imageverlust

Heino Rutenbeck, langjähriger Handballchef des Schalksmühler TV und heute noch einer der Gesellschafter in der Spielbetriebs-GmbH, hat diese durchaus unglaubliche Wendung am Montagmorgen aus der Zeitung erfahren. „Ich war überrascht“, sagt Rutenbeck und überlegt kurz, dann fügt er hinzu, „und entsetzt. Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber so wie es sich für mich darstellt, ist es schwierig nachzuvollziehen. Es gab überhaupt keinen Grund für eine Panik-Reaktion.“ Wer Rutenbeck zuhört, der hört die Sorge heraus, die mitklingt um die SGSH, die noch immer auch seine SGSH ist.

Wenn sich das Umfeld um einen Verein sorgt, ist das kein gutes Zeichen. Christian Feldmann erzählt, dass sich nicht nur das Umfeld sorgt. „Es waren am Sonntag auch externe Anrufe“, sagt er, „so eine Nachricht konterkariert die Entwicklung des Vereins. Ich bin nun auch schon seit zwölf Jahren hier, und da hat sich so vieles getan. In der Region stehen wir doch für einen überragenden und integeren Umgang untereinander. Diesen Ruf hat sich die SGSH hart erarbeitet – und dann passiert so etwas...“

So etwas. Eine Krisenwoche, Rückenstärkung für Mannschaft und Trainer, Derbysieg, Ken Börners Vorstoß in Richtung Trainerteam, die losrollende Welle der Kommunikation, die so ungewöhnlich ist. Nichts Offizielles. Keine Pressemitteilung des SGSH-Vorstandes als Reaktion auf die Veröffentlichungen. Im Gegenteil. Am Montag sind weder der 1. Vorsitzende Ken Börner noch der 2. Vorsitzende Markus Knuth für ein Statement zu erreichen. Busy. Kein Rückruf. Es heißt, Knuth und Börner seien gegen diese Entscheidung gewesen – aber sie sagen offiziell nichts.

Andere sind nicht so verschwiegen. Gabi Diehl, Zeitnehmerin im Klub, Mutter von Florian Diehl und Fan bei jedem Spiel schreibt im Internet: „Glückwunsch zum Sieg. Als Dank für die bisherige Leistung will man den Trainer feuern? Obwohl man noch vor kurzem gelesen hat, dass der Vorstand komplett hinter Mannschaft und dem Trainerteam steht. So eine Vorgehensweise kannte ich bisher nur aus der Fußball-Bundesliga und ist für mich nicht nachzuvollziehen.“

Einbußen bei den Sponsoren-Einnahmen?

Ralf Wangemann ist auch einer, der seit Jahrzehnten im Fanblock sitzt. Aus der Zeit um die Jahrtausendwende ist eine Einlassung von ihm in Erinnerung, in der er die selbstbewusste Einschätzung der HSG Lüdenscheid, sie sei nun der Tanker und die HSG Schalksmühle nur die Segeljolle, stilvoll seziert hat. Auch Wangemann schreibt im sozialen Netzwerk Klartext: „Ich denke, die SGSH nennt sich eine Familie? Was ist das denn für eine Familie? Was jetzt abläuft, ist in meinen Augen eine Schande! So darf man nicht mit einem Mann umspringen, der sich 20 Jahre lang für den Handball - zuerst in Schalksmühle und dann in Schalksmühe und Halver - verdient gemacht hat...“

Unverständnis, Sorge, auch ein bisschen Wut schwingen in den Einlassungen mit. Im Netz wird auch die Frage aufgeworfen, wer entscheidet, wenn dem so ist, dass der 1. und 2. Vorsitzende dagegen gestimmt haben. Welche Rolle spielt die Geschäftsführung der Spielbetriebs-GmbH – also Mark Wallmann, der als einziger öffentlich klare Aussagen getätigt hat. Ist sein Wort Gesetz? Dem Vernehmen nach sollen der SGSH Einbußen an Sponsoren-Einnahmen in großer Höhe gedroht haben für den Fall, dass Grasediek bleibt.

Offiziell aber sagt dies niemand, offiziell heißt es, es gehe um neue Impulse. Aber inzwischen geht es auch um einen Image-Verlust und das Verprellen der eigenen Gefolgschaft. Und es geht um die Sorge, dass auf menschlicher Ebene irreparable Schäden bleiben. Darum, dass im Innenverhältnis Vertrauen zerstört worden ist. Heino Rutenbeck ist nicht mehr im inneren Zirkel, aber in der Halle war er zuletzt oft. „In den nächsten Wochen“, sagt er, „wird man mich in der Halle nicht sehen.“

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