Detaillierte Fehlersuche bei der SGSH

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Außer Form: Julian Mayer gelang in Wiesbaden, wie auch seinem Halb-Kollegen Florian Diehl, nichts.

Schalksmühle - Zwei Nullnummern gegen zwei Kellerkinder – da war bei der SG Schalksmühle-Halver Wundenlecken und Ursachenforschung angesagt. Mit 8:6-Punkten ist man zwar noch immer passabel gestartet, gleichwohl wurden zuletzt große Chancen ausgelassen. Das nervt die Verantwortlichen…

Von Thomas Machatzke

Noch bevor am Samstagabend das erste Tor erzielt war in der Sporthalle am Elsässer Platz, hatten die Kontrahenten Gemeinsamkeiten und Alleinstellungsmerkmale ausgetauscht. „Schalksmühle liegt an der B54 neben Lüdenscheid – wie Wiesbaden“, hatte der Hallensprecher noch – warum auch immer – vor dem Start betont. Das vereint, immerhin.

Die SGSH hatte derweil auf vielen Kilometern mit einem Auftritt in einem Mannschaftsbus in schwarz-gelb mit BVB-Emblem nicht nur Sympathien geerntet, die HSG Wiesbaden dagegen setzte auf politische Unterstützung. Astrid Wallmann, hessische Landtagsabgeordnete und Nichte des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Walter Wallmann, hatte vor dem Spiel ebenso alle Spieler abgeklatscht wie Hessens Innenminister Peter Beuth. Wären es keine Politiker, sondern Geistliche gewesen, man hätte von einer Art Segen sprechen können.

Polit-Folklore vor dem Anpfiff

Sei’s drum: Es war nur Folklore am Rande einer ernsten Angelegenheit. Ein Drittliga-Spiel ist ja eine ernste Angelegenheit. Da kann es keinen Zweifel geben. Und es gab auch in anderen Fragen keine Zweifel. Gegen Julian Mayer und Florian Diehl zum Beispiel sprach die Statistik. In Addition hatten die beiden Rückraumhalben der SGSH in der Startformation es auf null Tore gebracht. Das war kein Kompliment für beide.

Aber in der Offensivabteilung verdienten sich nicht nur Diehl und Mayer in dem so verrückten Handballspiel, dass die SGSH nach 17:9-Führung noch 23:24 verloren hatte, keine guten Noten. Die Spielmacher verstanden es nicht, das Spiel zu machen. Die Außen (außer Jacek Wardzinski) trafen nicht. Es war in den zweiten 30 Minuten ein Auftritt, der schwer zu unterbieten sein.

„Man kann gar nicht über das Spielsystem urteilen“, sagt Trainer Mathias Grasediek, „wir haben den Erfolg des Spielsystems ja nicht prüfen können, weil wir nicht ans System geglaubt haben.“ Es war bei aller Eigendynamik, die das Spiel genommen hatte, der Punkt, der dem Trainer nur ein Kopfschütteln abnötigte. „Wir haben aktuell – außer vielleicht Jacek Wardzinski – keinen Spieler, der es allein in die Hand nehmen kann“, sagt Grasediek, „also müssen wir für die Spieler spielen. Aber das geht nur, wenn sich alle an die Vorgaben halten.“

In dieser Woche nun wird Grasediek mit der SGSH viel Video schauen. Er will demonstrieren, warum es nicht gut war, wie seine Schützlinge die Situationen gelöst haben. „Der Positionsverteidiger von Wiesbaden in der 2. Halbzeit, er hätte uns doch in die Karten spielen müssen. Aber wir haben dann überhaupt keine Grundstruktur mehr und halten uns nicht an die Konzepte…“

HSG mit Leidenschaft

So passierte das, was niemand für möglich gehalten hatte: Eine längst gewonnene geglaubte Partie kippte. Gegen einen Gegner, der begeistert kämpfte und alles probierte, der abzüglich dessen aber auch ein sehr biederer Gegner war. Ein Gegner mit Oberliga-Format Kaum individuelle Klasse, keine Herausforderungen, die ein gestandener Drittligist nicht zu meistern wüsste. Zieht man bei der HSG die Leidenschaft ab, so bleibt ein Gegner auf ordentlichem Oberliga-Niveau. Mehr nicht.

Vor Wochenfrist hatte die SGSH gegen Ratingen verloren, weil Ratingen an diesem Abend qua Tagesform die bessere Mannschaft gewesen war. So eine Niederlage tat weh, aber sie war erklärlich. In Wiesbaden war die Partie keine, die man leicht hätte erklären können. „Abhaken“, sagt Mathias Grasediek deshalb, „abhaken und nach vorne blicken.“ Dort wartet am Samstag am Löh das Heimspiel gegen den langjährigen Rivalen VfL Gladbeck, der nach seinem Klassenerhalt durch die Hintertür am Ende der Vorsaison nun eine überaus beachtliche Saison spielt. „So lange der VfL komplett ist, hat er eine sehr ordentliche Mannschaft“, sagt Grasediek und zählt das Deffte-Team gleichwohl zu den positiven Überraschungen der Saison.

"Endlich mal kein Favorit"

Ob die SGSH gegen diesen Gegner komplett sein wird, ist offen. Christian Feldmann, der beim Gegenstoß umknickte, kehrte ebenso lädiert aus dem Hessenland zurück wie Florian Diehl, dessen Handgelenk nach einem Schlag schwer angeschwollen war. Zumindest gebrochen ist aber nichts, wie das Röntgen ergab. „Immerhin ist es mal wieder ein Spiel, in dem wir kein Favorit sind“, sagt Mathias Grasediek vor der Partie gegen die Ruhrpott-Handballer. Tatsächlich hat die SGSH bisher die besten Spiele gemacht, als sie eher Außenseiter als Favorit war (Ferndorf, Korschenbroich). Einen Automatismus abzuleiten, wäre aber wohl zu leicht. „Wir müssen unsere Leistung aufs Parkett bringen, uns ganz darauf konzentrieren“, sagt Grasediek und ist ganz sicher, dass sich alles andere dann schon ergeben wird.

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