Handball, 3. Liga West

Die SGSH und Termine beim Zahnarzt

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Der beste Schalksmühler und der beste Soester des Abends im Zweikampf: Dominic Luciano (rechts) hindert hier Max Loer erfolgreich am Torwurf, der STV-Routinier war es am Ende dennoch, der im Abstiegsduell den Unterschied machte.

Schalksmühle - Zu den Konstanten im Leben der SGSH zählen die Vergleiche gegen die ewigen Rivalen der Region. VfL Eintracht Hagen – das klingt nach Highlight, nach Herausforderung. Beim TuS Ferndorf ist es ähnlich. Duelle, bei denen die Vorfreude regiert. Aber Soester TV? Das klingt eher nach Zahnschmerzen. Lästige Termine gegen einen unbequemen Underdog, Vorfreude Fehlanzeige.

So lästig wie er einmal war, ist der STV dabei gar nicht mehr. Im Gegenteil. Von den sehr kleinen und im Spiel sehr anhänglichen Spielertypen sind nur noch die Bekel-Brüder in der Börde. Aber klein ist eben der STV an sich. Eine Mannschaft mit Underdog-Image – eine Art Gegenentwurf zu einer SGSH, die ein Soester Beobachter am Sonntag ein „Möchte-Gerne-Schwergewicht“ nannte nach dem Spiel, das die Sieben von Dirk Lohse 29:25 gewonnen hatte. Mit Spielern wie Anton Schönle, Dirk Bauerdick oder Luis Gran, die wie Gäste auf Zeit wirken in dieser Liga, die es aber an diesem Tag viel besser anstellten als das arrivierte Personal der SGSH, das die große Handballwelt viel besser kennt, im Hier und Jetzt aber im Abstiegskampf auf der Stelle tritt. 

Zu diesen Vergleichen, gerade den für den STV siegreichen, gehört auch, dass Max Loer meist eine entscheidende Rolle spielt. Loer ist inzwischen der Kapitän jenes Teams, aus dem er seit mehr als einem Jahrzehnt nicht wegzudenken ist. Im April wird er 32 Jahre alt. Loer war mal bester Torjäger in der Regionalliga, nicht nur für den STV, sondern liga-weit. Heute fällt ihm das Torewerfen nicht mehr so leicht wie früher, zuletzt war er fünf Wochen lang verletzt. „Er hat uns unheimlich gut getan“, sagte am Sonntagabend sein Trainer Dirk Lohse über seinen Führungsspieler, der neben dem STV nur einen anderen Verein hatte – den TC Blau-Weiß Soest, für den er ebenfalls auf höchster westfälischer Ebene Tennis spielte. 

Loer ist ein Führungsspieler im besten Sinne. Der Ur-Soester, der inzwischen als Lehrer an der Möhneseeschule arbeitet, versteht es, seine jungen Nebenleute so einzusetzen, dass sie ein Stück weit wertvoller sind fürs Team, allen voran seinen jüngeren Bruder Axel. Und am Sonntag warf er auch wieder Tore – sieben an der Zahl, ein Feldtor mehr als der beste SGSH-Werfer Lutz Weeling. Loer war der Kopf seines Teams gegen einen kopflosen Gegner.

 

Markovic beklagt rapiden Verlust der Spieldisziplin

Für die SGSH war Soest in diesem Kontext ein Deja-vu. Vor zwei Wochen in Neuss hatte das Team auch gut begonnen und dann stark nachgelassen – bis hin zur kompletten Ideenlosigkeit nach der Pause. Dragan Markovic schüttelte nach dem Spiel den Kopf und hörte damit auch am Montag noch nicht auf. „Eigentlich hat uns noch kein Gegner geschlagen“, sagte der bosnische Nationalcoach, „wir haben uns dreimal selbst geschlagen.“ 

Die Startphase gefiel dem Mann aus Wetzlar dabei noch gut, sogar sehr gut, aber dann beklagte er wie gehabt einen rapiden Verlust der Spieldisziplin. „Wir spielen sechsmal in Unterzahl“, sagte Markovic, „das kann nicht sein. Fünf Zeitstrafen bekommen wir, weil wir undiszipliniert sind. Jeder macht auf einmal, was er will. Und dann kommen auch noch die technischen Fehler dazu. So geht es nicht.“ 

Was Markovic zudem nicht gefiel, war sein Eindruck, die Mannschaft habe in der Endphase des Spiels zu früh aufgesteckt. „Gekämpft werden muss bis zur letzten Sekunde“, sagt der Bosnier. Gegen den TuS Volmetal wird sich am Samstagabend an der Mühlenstraße einiges ändern müssen, wenn es zu einem Erfolg reichen soll. Spiele gegen den kleinen Nachbarn aus Hagen-Dahl zählen zwar nicht zu den Konstanten im Leben der SGSH, wohl aber auch zu den Terminen, die nach Zahnarzt schmecken. Auch wenn der TuS nach 23 Saisonspielen ziemlich unglaubliche fünf Pluspunkte mehr hat als die SGSH, bleibt er in diesem Duell der Herausforderer. Das ist unangenehm – gerade vor dem Hintergrund, dass die SGSH diese beiden Punkte ganz, ganz dringend benötigt, wenn die Luft im Abstiegskampf nicht noch dünner werden soll.

Luciano umgeknickt: Gegen Volmetal mit Schiene?

Personelle Hiobsbotschaften gab es nach der Pleite der SGSH in Soest gleich zwei: Zum einen zog sich Kreisläufer Dominic Luciano direkt zu Beginn des Spiels eine Bänderverletzung zu, die sich im Nachgang als Bänderriss herausstellte. Er will aber gegen Volmetal wenn möglich mit einer Schiene auflaufen. In der Schlussphase schied zudem Florian Diehl aus, der in seinem ersten Spiel nach der Verletzungspause nach einem Zweikampf wieder auf den Ellbogen seiner Wurfhand gefallen war. Auch bei ihm sah es nicht gut aus.

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