Die Drittklassigkeit als logistische Herausforderung

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So geht es nicht in der 3. Liga: Wenn Co-Trainer Axel Meyrich (stehend) und Physiotherapeut Marvin Schreyer (links) ein Spiel von der Bank aus beobachten, werden sie eine Karte am Band mit einem Buchstaben (A, B, C oder D) um den Hals hängen haben.

SCHALKSMÜHLE - Die 3. Liga ist für die SG Schalksmühle-Halver nicht nur sportlich, sondern auch logistisch eine große Herausforderung. In der Drittklassigkeit warten einige Neuerungen auf die SGSH-Verantwortlichen, die im Vorfeld akribisch gearbeitet haben, um allen Anforderungen gerecht zu werden.

Co- Trainer Axel Meyrich und Heimspiel-Orga-Chef Holger Kebekus haben dabei das Gros der Arbeit zu schultern. „Dass wie vor einigen Jahren ein Einzelkämpfer wie Markus Lotz alles alleine schafft, daran ist nicht mehr zu denken. Das geht nur im Team“, sagt Axel Meyrich, „letztlich ist alles viel stärker durchreglementiert als in der Oberliga. Es gibt für alles eine klare Anweisung.“ Das Team der SGSH, das diese Herausforderung angenommen hat, hat zahlreiche Helfer, die viele Stunden für das neue ehrgeizige Projekt arbeiten mussten. Eine Schlüsselposition kam dem Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH, Mark Wallmann, zu. Das Projekt nämlich ist nicht nur logistisch, sondern auch finanziell eine Herausforderung, die nur mit Hilfe neuer Sponsoren geschultert werden kann. Konkret kommt auf die SGSH in der 3. Liga Folgendes zu:

Video-Portal

In der Oberliga gab es eine lose Absprache unter den Vereinen, die Videos der Heimspiele ins Netz zu stellen. In der 3. Liga ist diese Leistung verpflichtend. Unter Strafandrohung muss der Heimverein binnen 48 Stunden nach Spielende das Spiel aufs Video-Portal www.sportlounge.tv hochladen. Videobeauftragter bei der SGSH, die 700 Euro für die Portal-Lizenz bezahlt und außerdem eine neue Kamera angeschafft hat, ist Axel Meyrich. Meyrich filmt zwar nicht selbst, wandelt die Daten nach dem Spiel aber aufs gewünschte Format um und lädt die rund 1,2 Gigabyte ins Netz. „Grundsätzlich ist das eine sehr gute Sache“, sagt Meyrich, „so entfallen einige Spielbeobachtungen in fremden Hallen.“ Das Portal an sich bietet zudem eine moderne Technik – Trainer können dort direkt Szenen zusammenschneiden und ihren Schützlingen als Hausaufgabe nach Hause senden.

Doping-Kontrollen

Auf einer DVD ist den Vereinen ein Ablaufplanung für eine mögliche Doping-Kontrolle überreicht worden. Die Heimvereine müssen für die Kontrollen immer einen Raum freihalten. Die NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur) kann jederzeit kommen, kommt aber in der Regel nicht häufiger als ein- oder zweimal im Jahr. Im Vorfeld sind die Vereine in diesem Kontext angehalten, ihre Spieler zu melden, die zum Beispiel Probleme mit Asthma haben und deshalb Medikamente nehmen, die auf der Doping-Liste stehen. Bei der SGSH betrifft dies u.a. Dominik Formella, der aber bereits im vergangenen Jahr für Dormagen das Attest seines Arztes vorgelegt hat.

Schiedsrichter

In der 3. Liga können Referees aus ganz Deutschland angesetzt werden. Für die Schiedsrichterkosten wird unter allen Drittliga-Verein ein Pool gebildet, so dass die Kosten für alle Vereine am Ende des Jahres etwa gleich sind. Ein Schiedsrichter-Gespann kostet den Heimverein der Erfahrung nach im Durchschnitt 400 Euro pro Spiel, dazu kommen 80 bis 90 Euro Kosten für ein neutrales Kampfgericht. „Macht in Summe 500 Euro – also die Einnahme von 50 Zuschauern, die den vollen Preis zahlen“, sagt Axel Meyrich. Dazu könnte der Fall kommen, dass Referees aus Süddeutschland, die zum Beispiel freitags ein Spiel in Hagen und dann samstags in Schalksmühle pfeifen, vom zweiten Verein in einem Hotel untergebracht werden müssen. Hierfür hat die SGSH das Hotel Dresel in Hagen-Rummenohl vorgesehen.

Schiedsrichter-Beobachtung

Jeder Verein muss sowohl bei Heim- als auch bei Auswärtsspielen eine Schiedsrichter-Bewertung nach einem vorgegebenen Bogen vornehmen. „Das ist eine durchaus komplexe Bewertung“, sagt Axel Meyrich. Für die SGSH wird diese Aufgabe André Krause, selbst Drittliga-Schiedsrichter, und Harald Blümel vornehmen. Sollten beide bei einem Auswärtsspiel nicht dabei sein können, wird diese Aufgabe dem Trainergespann zufallen.

elektronischer Spielbericht

Komplettes Neuland betritt die SGSH mit dem elektronischen Spielbericht. Hierzu mussten für die Hallen ein Laptop und ein Drucker angeschafft werden. Da die Daten vom neutralen Kampfgericht direkt ins Internet übertragen werden – auf dem Handballportal www.sis-handball.de ist entsprechend zu jedem Drittliga-Spiel ein Live-Ticker zu sehen –, musste die SGSH zudem Sorge dafür tragen, dass in den Hallen eine Internetverbindung zur Verfügung steht. Die Stadt Halver hat es aus Kostengründen allerdings abgelehnt, im Zuge des Bodenumbaus direkt eine feste Internet-Verbindung in die Halle zu verlegen. Die Arbeit mit einem Internet-Stick ist kaum möglich, da vor allem an der Mühlenstraße der Empfang sehr schwach ist. Mit Hilfe des SGSH-Sponsors Andreas Jann ist nun ein Modell entwickelt worden, bei dem die SGSH am Zeitnehmertisch eine drahtlose Internetverbindung zu einer Fritzbox, die an günstigerer Stelle am Löh oder der Schule Mühlenstraße platziert ist, aufbauen kann. Auch Medienvertreter sollen die Verbindung nutzen können.

Harzbenutzung

Alle Hallen der 3. Liga müssen für eine Harzbenutzung freigegeben sein. Allerdings darf der Heimverein bestimmen, welche Sorte Harz benutzt werden darf und muss dem Gastverein ein entsprechendes Haftmittel zur Verfügung stellen.

Sonstiges

Alle Vereine müssen das Drittliga-Logo auf ihren Trikots tragen. Bei allen Spielen müssen die Offiziellen auf der Bank mit Karten gekennzeichnet werden, auf denen die Buchstaben A, B, C und D stehen. Helfer, die bei Heimspielen, den Wischerdienst erledigen, müssen mindestens 14 Jahre alt sein. Und als besonderes Schmankerl teilte Drittliga-Chef Michael Kulus den Vereinen beim Staffeltag in Köln mit, dass er winterliche Spielabsagen aufgrund von Schreiben eines Busunternehmens nicht mehr akzeptieren will. Absagen sollen nur noch möglich sein, wenn nachweislich keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr fahren. Eine abenteuerliche Auslegung fürs winterliche Sauerland…

Thomas Machatzke

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