Die Renaissance des gemeinen Kampfspiels

Kontraste nach dem Schlusspfiff: Während Dominic Luciano (Nr. 14) und Malte Müller (hinten rechts) die Siegerfaust ballen, können es die Gladbecker noch gar nicht fassen, dass sie im Abstiegskampf zwei so wichtige Punkte liegen gelassen haben.

Schalksmühle - Ein bisschen war es in Vergessenheit geraten, wie sie funktionieren - diese Spiele, bei denen am Ende alles nur und ausschließlich auf den Willen ankommt. In der Riesener-Sporthalle in Gladbeck erlebte das gemeine Kampfspiel für die Handballer der SG Schalksmühle-Halver eine bemerkenswerte Renaissance.

Von Thomas Machatzke 

„Vorher war ja doch latent in den Köpfen, dass es noch sieben bis neun Punkte sind zu den Abstiegsplätzen. Nun hatte jeder den Ernst der Lage erkannt“, sagte Mathias Grasediek mit dem Abstand von zwei Tagen zum Spiel im Ruhrpott, das eigentlich eine große Schlacht gewesen war. Nicht unfair, nicht überhart, aber so intensiv und die Akteure so sehr fordernd. „In den letzten zehn Minuten“, sagte Grasediek, „waren auf beiden Seiten alle stehend K.o. – wir hatten doch auch kaum Möglichkeiten auszuwechseln.“

Vielleicht gehört es zu den großen Merkwürdigkeiten des Sports, dass besondere Umstände besondere Leistungen zeitigen. Ohne Krüger, Diehl, Skabeikis und Rydz, zudem ab der Pause ohne Feldmann – dazu sechs Treffer Rückstand. Es hätte in der sehr gut besetzten Halle wohl nicht viele gegeben, die noch auf die SGSH gewettet hätten. „Und wir haben in der Kabine gesessen und uns gefragt: Was ist hier eigentlich los? Was ist gegen uns? Wir haben so viel richtig gemacht in der ersten Halbzeit – und lagen trotzdem so klar zurück. Natürlich war da eine große Unsicherheit da.“

Pfiffe aus einer anderen Zeit

Die Minuten 31 bis 40 waren dann allerdings in der definitiv limitiertesten Besetzung die besten seit jener ersten Halbzeit gegen Zweibrücken Mitte November. Sie gaben Sicherheit und entfachten das Feuer, das es brauchte, um die Partie gegen ein gewiss nicht schwaches Gladbecker Team auf der Zielgerade mit dem nötigen Glück für sich zu entscheiden.

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Dass dabei auch die Referees Schicksal spielten – es war für die SGSH diesmal nur Randnotiz. Grasediek war mit beiden auch nicht immer einer Meinung, im Gegenteil. „Progressive Bestrafung hat gar nicht stattgefunden“, sagte er. Tatsächlich hatte diese Partie, so leidenschaftlich sie auch geführt wurde, ganze drei Zeitstrafen erlebt. Michael Fuchs und Patric Haas aus Aschaffenburg hatten die ganz lange Leine mitgebracht. Wobei sich inzwischen der Verdacht aufdrängt, dass ein bisschen südlicher generell ein bisschen mehr erlaubt ist im Handballsport. Die Hessen aus Wiesbaden lebten es in rustikaler Manier als Team vor am Löh, die Mainfranken an der Pfeife bestätigten diesen Eindruck in Gladbeck.

Am Samstag kommt der Neusser HV

Sei’s drum: Die SGSH nahm vor allem zwei Dinge mit aus dem Ruhrgebiet: Ein neues Hochgefühl und zwei wichtige Pluspunkte. Sieben Zähler beträgt der Vorsprung nun wieder auf einen Abstiegsplatz bei nur noch sieben Spielen. Das ist gut für die SGSH, denn wie schnell Spieler wie Feldmann, Krüger, Skabeikis oder Rydz wieder dabei sein werden, ist offen. Gegen Neuss droht so nun am Samstag in Halver ein Heimspiel, das wieder unter besonderen personellen Voraussetzungen stehen könnte. „Jetzt müssen erst einmal alle wieder auf den Damm kommen“, sagt Grasediek, „und dann konzentrieren wir uns ganz auf Neuss.“

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