Derby-Fazit: „Lethargischer Mist war das“

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Mochte phasenweise gar nicht hinschauen: SGSH-Trainer Mathias Grasediek.

Kreuztal -  An einem Abend wie diesem ließ es sich der Trainer des Siegers nicht nehmen, ein bisschen zu kokettieren. „Eines“, sagte Erik Wudtke, ganz lässig in Jeans und bestens gelaunt, auf der öffentlichen Pressekonferenz und lachte, „ärgert mich heute ja doch. Ich habe heute meine zweite gelbe Karte der Saison bekommen. Und wieder gegen die SGSH…“

Von Thomas Machatzke

Es war die Art von Smalltalk, zu der man gequält bis säuerlich lächelt, wenn man auch ein Trainer ist, aber nicht der des Siegers. Also lächelte Mathias Grasediek im proppenvollen Hallenfoyer an der Stählerwiese ein wenig gequält, gab Auskunft, nahm kein Blatt vor den Mund. Das ist seine Sache ja nicht. Ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Nein, was gesagt werden muss, das muss gesagt werden. Also sagte Grasediek zur Leistung seiner Mannschaft: „Das war Oberliga, untere Hälfte. Lethargischer Mist war das. Gar nichts war das...“

Niederlagen ärgern den Diplom-Sportlehrer, schlechte Schiedsrichterleistungen genauso. Was ihn aber zur Weißglut treiben kann, das ist, wenn ein Spieler nicht das Optimum aus sich herausholt. Im Zweifel würde Grasediek sich wohl lieber für den Sportler entscheiden, der mäßig begabt alles gibt, als für jenen, der hochbegabt, aber faul ist. Und ein bisschen Bequemlichkeit mag sich der eine oder andere SGSH-Akteur gegönnt haben übers Weihnachtsfest. Die Trainingswoche hatte dies wohl bereits offengelegt. Der Auftritt in Kreuztal wusste es hernach nicht zu kaschieren.

Vor der Reise ins Siegerland hatte der Trainer der SGSH orakelt: „Wenn es eng werden und auf ein oder zwei Tore ankommen sollte, und es reicht dann nicht, weil der eine oder andere zu wenig getan hat, dann…“ Grasediek hatte den Satz nicht zu Ende gesprochen. Nach den Übungseinheiten hatte er es geahnt, zumindest befürchtet. Nun war es nicht eng geworden, aber das ist eine andere Geschichte. „Die Ferndorfer waren fokussiert und topfit – da habe ich bei keinem Spieler auch nur ein Gramm Fett gesehen, und wir...“, sagte Grasediek, „das Schlimme ist: So etwas holst du nicht so schnell auf.“

In Erwartung einer ungemütlichen Trainingswoche

Es dürfte ungemütlich werden am Löh. Bis zum Samstag, wenn der TV Korschenbroich nach Halver kommt, soll die SGSH körperlich etwas besser dastehen, doch nicht nur das. Das 7:18 in Kreuztal zur Pause war maßgeblich, aber nicht nur das Ergebnis der fehlenden Fitness. Dazu kam, dass die SGSH im Angriff oft hilflos wirkte. Um die hochmotivierten und laufstarken Gastgeber spielerisch auszuhebeln – dafür hätte es vielleicht des strategischen Talents eines Christian Feldmann bedurft. Um sie mit Dynamik und Herz zu knacken – dafür wäre ein Florian Diehl von Vorteil gewesen. Der am Donnerstag 28 Jahre alt gewordene Feldmann und Diehl aber schauten ebenso nur zu wie Achim Jansen (Trainingsrückstand nach Mittelohr-Entzündung).

Im Rückraum rieben sich dafür Maciej Dmytruszynski und Mateusz Rydz auf, taten ihr Bestes, was aber irgendwie nicht reichte. Und dann war da noch Julian Mayer. Vielleicht war es auch ein verschollener, ihm optisch zum Verwechseln ähnlicher Bruder Mayers. Jedenfalls spielte der geplant torgefährlichste Rückraumspieler der SGSH den Ball immer wieder nur weiter. Torwurfverweigerung in Perfektion. Nach 35 Minuten und 41 Sekunden warf Mayer erstmals aufs TuS-Tor. Auch darüber wird wohl in dieser Woche zu reden sein, denn am Samstag – auch das sagte Mathias Grasediek am Freitag in Ferndorf – will man zwei Pluspunkte.

Fokussiert aufs Korschenbroich-Spiel

„Nein, nach oben gehören wir nicht, ganz und gar nicht“, hatte der SGSH-Trainer im Ferndorfer Hallenfoyer mit Blick auf die Definition ‘Spitzenspiel’ ganz offen Stellung bezogen, „wir brauchen Punkte, um den Abstand nach unten groß zu halten. Und die wollen wir schon gegen Korschenbroich.“ Das klang nicht nach Floskel oder Winterschlaf, es klang ziemlich fokussiert und entschlossen. Es klang ganz so, als dürften sich seine Schützlinge auf eine intensive Trainingswoche freuen.

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