Handball, 3. Liga Nord-West

Punktabzug für die SGSH Dragons

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Falschinterpretation der Spielordnung: SGSH-Youngster Christopher Börner (rechts) hätte im Drittliga-Spiel gegen LiT Tribe Nordhemmern nicht eingesetzt werden dürfen.

Schalksmühle – Hiobsbotschaft für den Handball-Drittligisten SGSH Dragons: Staffelleiter Andreas Tiemann hat den 36:22-Sieg gegen LiT Tribe Germania am „grünen Tisch“ gegen die Drachen gewertet. Aus dem Kantersieg wird eine 0:1-Niederlage.

Grund ist der Einsatz des A-Jugend-Spielers Christopher Börner. Börner hatte bereits am Freitagabend in der Reserve gegen den SuS Oberaden gespielt, zudem am Samstag in der A-Jugend. Ein drittes Spiel am Wochenende gestatte die Spielordnung des DHB für Jugendliche nicht, argumentiert Tiemann, also ist dieses dritte Spiel zu werten.

In der Spielordnung des DHB heißt es im Wortlaut: „Jugendliche dürfen innerhalb von 48 Stunden nur in zwei Spielen über die volle Spielzeit mitwirken, ausgenommen sind Turnierspiele mit verkürzter Spielzeit.“ Für den Staffelleiter findet sich Börner dreimal auf dem Spielbericht wieder.

Die Verantwortlichen der Dragons sehen die Dinge anders: Börner ist sowohl bei der 2. Mannschaft am Freitag als auch am Samstag bei der Erstvertretung erst in der zweiten Halbzeit nachgetragen worden. Die Denkweise nun ist, dass der Youngster in Summe lediglich auf besagte zwei Spiele kommt. Die Entscheidung ist bewusst im Vorfeld so getroffen worden.

"Regelexperte" liegt falsch

„Das ist nicht aus der Hüfte geschossen, wir haben uns damit schon beschäftigt. Ich habe mit einem Regelexperten gesprochen und war mir danach sicher, dass das möglich ist“, sagt Trainer Mark Dragunski, „ich nehme das auf meine Kappe, es ist mein Fehler.“ 

Dragunski hatte eine ähnliche Situation schon einmal in Hemer erlebt, seinerzeit hatte der Jugendliche immer von Beginn an auf dem Spielbericht gestanden, ergo war die Wertung da nachvollziehbar. Nun ist das anders. Nach eingehendem Studium der Regel und Beratung mit allen Verantwortlichen gestand Dragunski am Montag ein, dass das Wort „mitwirken“ am Ende wohl gegen die Auslegung der SGSH spricht.

Über die Formulierung ärgert sich der Ex-Nationalspieler trotzdem. „Die Formulierung ‘über die volle Spielzeit’ lädt ein zu Fehlinterpretationen. Das ist eine rechtliche Grauzone. Ich habe Chrissi doch nur etwas Gutes gewollt, als ich ihn eingesetzt habe. Das ärgert mich sehr. Das ist wirklich dumm gelaufen.“ 

Auch Axel Vormann, Sportlicher Leiter der SGSH Dragons, zeigte sich am Montagmorgen verärgert. „Normalerweise checke ich bei rechtlichen Fragen, selbst wenn ich mir relativ sicher bin, alles auf dem Schriftweg mit dem Staffelleiter ab“, sagt der Halveraner, der Staffelleiter Andreas Tiemann und dessen Arbeit im Umgang mit den Verein sehr schätzt. In diesem Fall ließ sich Vormann vor Ort überreden. „Wir hätten es vermeiden müssen, dass so etwas passiert“, sagt er, „es tut mir unheimlich Leid für die Jungs, die ein gutes Spiel gemacht haben. Und es tut mir auch besonders für Chrissi Leid. Wir sind da blauäugig gewesen.“ 

Dragons verzichten auf den Rechtsweg

Im SGSH-Lager war zunächst die Tendenz da, die Rechtsfrage vor dem Bundessportgericht klären zu lassen. Der Dragons-Vorsitzende Mark Schür und sein Stellvertreter Pascal Thebrath – als Rechtsanwalt ein Mann vom Fach – hatten sich der Sache angenommen. Ein Einspruch dort kostet 500 Euro, die Chancen dürften nach reiflicher Prüfung aber eher gering sein. Einen Wunsch hat Mark Dragunski gleichwohl in Richtung DHB und Spielleiter Andreas Tiemann: „Man sollte überlegen, die besagte Formulierung eindeutiger zu machen“, sagt er. So, wie sie jetzt ist, lädt sie einfach zu Fehlern ein...“

In das gleiche Horn stieß gestern auch SGSH-Chef Mark Schür. „Wir werden nicht rechtlich dagegen vorgehen“, so Schür gestern, „wollen aber in den Austausch mit dem DHB kommen, damit die Regel künftig eindeutiger formuliert ist und weniger Interpretationsspielraum lässt.“

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