Wenig Respekt für eine respektable Leistung

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Hatten am Freitagabend keine leichte Aufgabe: Ramesh und Suresh Thiyagarajah.

Halver - Wenn es ein Casting gewesen wäre mit dem Ziel, einen Hauptdarsteller für die Rolle des Empörten zu finden – es hätte am Freitag kein Weg vorbei geführt an Julian Schneider. Kein anderer Akteur im Drittliga-Derby zwischen der SGSH und dem TuS Ferndorf reißt die Augen so weit auf wie der junge Kreuztaler, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Und Schneider fühlte sich nicht selten ungerecht behandelt an diesem Abend.

Es war kein einsames Casting-Rennen: Was Schneider nonverbal zum Ausdruck zu bringen versteht, das unterstützt Christian Feldmann beim Lamento mit Armen und Mund. Bei Kreisläufer Daniel Buff kommt die Empörung im Mantel der schlechten Laune daher. Bei Daniel Krüger wirkt der Ärger eher wie bei einem Kind, das die Welt nicht mehr versteht.

Auf den Bänken der Liga ist die große Mimik und Gestik zu Hause, und auf der Tribüne schreien die Fans. Sie schreien keine netten Dinge in Richtung der Schiedsrichter. Sie lassen sich gehen im Eifer des Gefechts.

All das gehört wie selbstverständlich dazu. All das macht Handballern wie Ramesh und Suresh Thiyagarajah ihre Arbeit nicht leichter. Die Youngster hatten die Aufgabe, das Südwestfalenderby als Schiedsrichter zu leiten. Sie taten dies mit einer langen Leine. Sie ließen das Spiel nach so manchem Wurf unter Bedrängnis weiterlaufen, bei dem andere Schiedsrichter gepfiffen hätten. Sie zeigten eine gewisse Konsequenz in diesem Punkt. Sie lagen gewiss auch hier und da daneben. Aber es war eine Leistung, die respektabel war. Aber Respekt haben Schiedsrichter offenbar nicht zu erwarten.

Eine Liga der Besserwisser

Erik Wudtke sprach davon, beide wären verantwortlich gewesen, wenn das Spiel zur Schlägerei eskaliert wäre. Mathias Grasediek lobte das Duo – nur am Ende, tja, da habe es leider entscheidend daneben gelegen. Derlei ist keine Ausnahme. Vor zwei Wochen am Löh, als Leichlingen zu Gast war, war es auch ein enges Spiel gewesen. Eines, nach dem sich LTV-Manager Franz Lorenzet und sein Trainer Maik Pallach schnell einig gewesen waren: Ohne die Schiedsrichter hätte es der Gast leichter gehabt. Die SGSH sah es anders, sie fühlte sich am Ende durchaus spielentscheidend benachteiligt.

Damit müssen Schiedsrichter leben. Sie bewegen sich in einer Liga der Besserwisser. In einem Umfeld, das permanent Einfluss nehmen möchte. In einer Sportart, die zuletzt immer schneller, immer athletischer geworden ist – eine Sportart, in der viele Entscheidungen immer diskutabler werden. Stürmerfoul oder Siebenmeter – wer soll das in Sekundenbruchteilen zweifelsfrei entscheiden, wenn ein Florian Diehl mit Vollgas auf einen Abwehrspieler prallt? Und wer kommt mit der Kritik klar, die er – egal, wie letztlich entschieden wird – von der einen oder der anderen Seite einstecken muss.

Anforderungsprofil mental sehr speziell

Es ist nicht leicht, Schiedsrichter zu sein in der 3. Liga West oder in einer anderen Klasse. Vielleicht gibt es deshalb immer weniger Schiedsrichter. Vielleicht ist das Anforderungsprofil gerade mental zu speziell. Wer mag es schon, ständig Kritik zu ernten – ganz gleich, was er tut. Vielleicht sind die Spieler, die heute schon so vieles so viel besser wissen, später auch deshalb nicht bereit, einen Schiri-Schein zu machen, geschweige denn Trainer.

Ein Agreement wäre hilfreich: Die Teams spielen, die Trainer coachen, die Schiedsrichter pfeifen. Mit dem gebotenen gegenseitigen Respekt. Man hat es selten erlebt, dass Schiedsrichter die Leistung einer Mannschaft kritisiert haben. Es wäre nicht so schlecht, wenn es andersherum genauso wäre...

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