Saisonstart in der 3. Liga West

SGSH: Internationaler und potenter

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Die Mannschaft der SG Schalksmühle-Halver in der Spielzeit 2015/16.

Schalksmühle - Für die SG Schalksmühle-Halver steht die dritte Spielzeit in Folge in der 3. Liga West an, am Samstag wird sie eröffnet. Aber was wird sie bringen? Eine Saisonvorschau.

Es gibt im Sport die Aufstiege, die laut und ausgelassen gefeiert werden. Der SG Schalksmühle-Halver ist so ein Aufstieg 2013 gelungen. Mit dem Gewinn der Westfalenmeisterschaft verbunden war der Aufstieg in die 3. Liga. Nun geht es für die SGSH in die dritte Drittliga-Saison in Folge. Wenn der Schein nicht trügt, geht damit wieder ein Aufstieg einher. Keiner allerdings, der ausgelassen gefeiert wird, eher ein stiller: Es ist der Aufstieg aus der Sparte jener Klubs, die einzig ums Überleben in der Liga kämpfen, in die Bel-Etage der Spielklasse. Ein Platz unter den ersten Sechs ist das Ziel, das auch die Konkurrenz der SGSH zutraut.

Abstiegskampf als Vokabel der Vergangenheit: In Halver und Schalksmühle hat sich seit 2013 viel getan. Im Umfeld des Vereins, aber auch beim Personal. Die SGSH hat noch nie eine so internationale, so potente Mannschaft ins Liga-Rennen geschickt, aber auch noch nie eine, in der so wenig lokale Identifikationsfiguren zu finden waren. Es ist eine Art Paradigmenwechsel vollzogen worden zwischen den Sporthallen am Löh und an der Mühlenstraße. Das neue Team ist eines, mit dem viel eher als in der Vergangenheit Träume erlaubt sind. Aber es ist eben auch eines, das schneller in die Kritik geraten wird, wenn sich diese Träume dann doch nicht erfüllen sollten.

Natürlich gibt es Konstanten bei der neuen SGSH. Mathias Grasediek geht am Löh in seine 20. Saison als Cheftrainer. Bei ihm weiß die SGSH, was sie hat. Noch nicht so lange dabei, aber eben auch sehr lange schon: Co-Trainer Axel Meyrich. Das bestens harmonierende Gespann hat eine neue Aufgabe: Es soll aus vielen guten Handballern ein Team formen, das bestenfalls so gut harmoniert wie die Trainer untereinander. Bei acht neuen Spielern ist das kein Kinderspiel, eher harte Arbeit, zumal die Amtssprache im Training nun mitunter Englisch ist. Die Kommunikation in einer so internationalen Mannschaft ist auch ein neues Themenfeld.

Feldmann als dienstältester Spieler des Kaders

Dienstältester Spieler ist inzwischen der Spielmacher: Christian Feldmann ist zwar erst 28 Jahre jung, aber schon so lange dabei, dass er mehrere Auf- und Abstiege mitgemacht hat. Feldmann ist der Führungsspieler im neuen Ensemble. Er soll es dirigieren, soll die neuen Stärken des Teams ins Rampenlicht rücken. Wenn es ihm gelingt, das Spiel so zu lenken, dass seine jüngeren Nebenleute im Rückraum glänzen, dann kann viel gehen für die SGSH.

Was Feldmann offensiv richten soll, dafür ist Maciej Dmytruszynski hinten zuständig. Der 35-jährige Kapitän ist der Abwehrchef. Seine Erfahrung ist wichtig, seine Aufgaben dürften künftig vor allem defensive sein. Gerade im Rückraum hat die SGSH im Sommer ja imposant nachgelegt: Lutz Weßeling aus Oranienburg ist der Spielertyp, der in den ersten beiden Drittliga-Jahren im linken Rückraum gefehlt hat. Ein Spieler für einfache Tore im aufgebauten Angriff. Im rechten Rückraum hat Julian Mayer mit dem noch lange verletzten Todor Ruskov und dem jungen Kroaten Kristian Eskericic doppelt Konkurrenz erhalten. Auch Eskericic hat sein Potenzial angedeutet, ebenso sein Landsmann Natko Merhar, auf der linken Außenbahn eine Art zweiter Turbo fürs Tempospiel. Fertige Spieler sind beide noch nicht. Ihnen eine ähnliche Erwartungshaltung wie beim benachbarten Zweitligisten Eintracht Hagen ihrem 30-jährigen Landsmann Dragan Tubic entgegenzubringen – es wäre ungerecht.

Eine sehr interessante Versuchsanordnung

Neu ist auch ein Teil des Torwartgespanns: Der belgische Nationalkeeper Nicholas Plessers ersetzt den ehemaligen lettischen Nationalkeeper Mareks Skabeikis. Es ist eine Investition in die Zukunft, ob das Gespann mit dem bewährten Dominik Formella und dem jungen Plessers direkt besser wird als im Vorjahr, ist unsicher. Mit Skabeikis verliert die SGSH eine Top-Option gegen Teams mit sehr starken Außenspielern.

Die neue Versuchsanordnung im märkischen Südkreis ist in jedem Fall eine hochinteressante. Ein guter Start gegen den Vorjahresdritten, die HSG Lemgo II, und danach beim Vorjahresvierten Leichlingen könnte vieles möglich machen. Aber so ein Startprogramm birgt eben auch Gefahren. Gegen beide gab es in der Vorsaison zwei derbe Abreibungen.

Am Ende dieser Vorsaison stand der zehnte Platz, am Ende der Spielzeit 2013/14 der zwölfte Rang. Die erste Saison in der Drittklassigkeit war eine im Zeichen des Abstiegskampfs. Die vergangene hatte sich nach Klasse-Hinrunde schon so sorglos angefühlt, dass die Rückkehr in den Abstiegskampf im März umso schmerzlicher war. Das Happy-End gelang. Der zehnte Platz war unterm Strich aber zu wenig für ein Team, das zu wenig konsequent sein Leistungspotenzial abgerufen hatte. Auch dies ist so eine Anforderung an die neue Saison: regelmäßiger die eigenen Möglichkeiten auszureizen. Wenn das gelingt, sollte ein „Top 6“-Platz kein utopisches Ziel sein.

Mehr zur 3. Liga West, der SGSH-Konkurrenz und ein Interview mit Christian Feldmann lesen Sie in der Donnerstags-Printausgabe Ihrer Lokalzeitung!

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