HV Westfalen will mehr Hauptamtlichkeit

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Fünf Monate nach seiner Wahl zum HVW-Präsidenten schob Michael Neuhaus in Dortmund einen Prozess an, an dessen Ende er den Verband innovativer und professioneller sehen möchte.

KREISGEBIET -  Im Westdeutschen Handball-Verband läuft der „Szenario 2035“-Prozess. Im Handball-Verband Westfalen geht es auch um die Zukunft, aber ein wenig kurzfristiger und konkreter. In Dortmund trafen sich kürzlich das HVW-Präsidium und die zwölf Kreisvorsitzenden zum Zukunfts-Workshop.

Fünf Monate nach dem Verbandstag und der Wahl des Bielefelders Michael Neuhaus zum HVW-Präsidenten war der Workshop auch eine Art Bestandsaufnahme. Worauf sind wir stolz? Welchen Entwicklungsstand bedauern wir? Worin sehen wir Herausforderungen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Versammlung im Dortmunder Pullman-Hotel. „Es war eine sehr angenehme, offene Atmosphäre“, sagt Fritz Korte, Vorsitzender des Handballkreises Lenne-Sieg, „es ist der Wunsch da, mehr miteinander zu arbeiten. Das ist ganz sicher der richtige Weg.“

Ein neuer Stützpunkt in Eiserfeld in Planung

Den Tenor der Zusammenkunft fasst der Vorsitzende selbst zusammen. „Gemessen an unserer Größe und den Potenzialen stellen wir uns unnötig defensiv auf“, stellt Michael Neuhaus fest, „andere Verbände haben uns in punkto Innovation und Professionalität in den letzten Jahren überholt. Die gleichwohl großartigen sportlichen Potenziale unserer Vereine in Spitze und Breite werden nach innen und außen zu defensiv kommuniziert.“

An logische Konsequenz dieser Bestandsaufnahme wurde in Dortmund verabredet, die Verbandsarbeit in den nächsten drei Jahren einer „Professionalisierung“ zu unterziehen. Konkret heißt dies: Die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter oder der Mitarbeiter auf Honorarbasis soll kontinuierlich erhöht werden.

So soll neben Landestrainer Zsolt Homovics (Bielefeld) eine hauptamtliche Kraft für den weiblichen Nachwuchs, dessen Förderung und das Lehrwesen in diesem Bereich installiert werden. Ein weiterer hauptamtlicher Mitarbeiter soll für die Geschäftsführung gefunden werden. Hier ist aktuell Geschäftsstellen-Leiter Udo Fricke weitestgehend auf sich allein gestellt, soll durch einen klassischen Geschäftsführer, der auch Sitzungen und Themen vorbereitet, entlastet werden.

Im Rahmen der Tagung in Dortmund besichtigten die Funktionäre auch die neue Geschäftsstelle des HV Westfalen. Die ist im DHB-Haus direkt neben der Signal-Iduna-Arena untergebracht und geht inzwischen über eine komplette Etage. „Früher war sie ja eher so groß wie eine Schiedsrichter-Umkleidekabine“, erinnert sich Fritz Korte und zeigte sich von den neuen Räumen, in denen auch Vorstandssitzungen geplant sind, angetan.

Die neue Marschroute ist bewusst keine Absage ans Ehrenamt. Im Gegenteil: „Wir wollen das Ehrenamt als Fundament gemeinschaftlichen Engagements im Handballsport weiter fördern, benötigen dafür aber eindeutig professionellere Strukturen der Dienstleistung, um die Ehrenamtlichkeit zugleich zu entlasten“, konstatiert Michael Neuhaus, „nur so können Konzepte entwickelt werden, um zum Beispiel den Handball- und Schiedsrichternachwuchs in den Vereinen und Kreisen zu gewinnen, zu fördern und zu binden – und auch bei der Umsetzung zu unterstützen.“

Überdies will sich der HV Westfalen auf Westdeutscher akzentuierter einbringen – und dabei helfen, dem Handball auch in der Politik und Öffentlichkeit den Stellenwert zukommen zu lassen, den sich die Verantwortlichen im HV Westfalen wünschen. An der konkreten Umsetzung der verabredeten Vorhaben wird nun gearbeitet. In Südwestfalen zum Beispiel auch am Standort in Siegen: Hier soll der Kreis Lenne-Sieg einen neuen Stützpunkt erhalten. Mit dem Ferndorfer Drittliga-Coach Erik Wudtke ist ein Fachmann vor Ort, der bereits in der Nachwuchs-Förderung aktiv gewesen ist. Er könnte an einem solchen Stützpunkt montags das Training leiten.

Handballkreis Hagen vor dem Aus?

„Das soll aber auf gar keinen Fall ein Stützpunkt werden, an dem Leute angesprochen und abgeworben werden“, sagt Fritz Korte entschieden. Als Ort für die Trainings-Sessionen wurde die Sporthalle Richerfeld in Eiserfeld ausgeguckt. Am nächsten Dienstag wird Zsolt Homovics sich vor Ort ein Bild von den Möglichkeiten machen. Danach soll eine Entscheidung fallen.

Diskutiert wurde in Dortmund auch über die Struktur im Verband Westfalen und ihre „Sorgenkinder“. Eines ist dabei inzwischen der Handballkreis Hagen. „Dort ist ja alleine in bestimmten Teilbereichen gar kein Spielbetrieb mehr möglich“, berichtet Korte. Gut möglich ist somit, dass es den Kreis Hagen die längste Zeit gegeben hat und die Vereine schon bald auf andere Kreise verteilt werden könnten. Der „Nachbar“ Lenne-Sieg könnte dabei möglicherweise auch den einen oder anderen Verein aufnehmen, genauso wie benachbarte Kreise wie Dortmund, Industrie oder Iserlohn-Arnsberg. All das indes ist aktuell noch Zukunftsmusik.

Thomas Machatzke

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