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Handball: Neue Restart-Variante mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger

Handballer im Zweikampf
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Landesliga-Klassenerhalt wohl frühzeitig sicher: Die HSG Lüdenscheid um Julius Hahn dürfte in der sehr wahrscheinlichen Variante 2 für die Fortsetzung des Spielbetriebs davon profitieren, dass es auch in der Saison 19/20 keine Absteiger geben soll.

Sollte die Pandemie keine Handballspiele Anfang März zulassen, dann setzt der Handballverband Westfalen auf eine neue Variante für den Restart der Saison - eine Variante mit Teilnahme auf freiwilliger Basis, mit sportlichen Aufsteigern und ohne Absteiger.

Kreisgebiet – Der Handballverband Westfalen geht in die Offensive: Weil die Planungen, die die HV-Verantwortlichen mit den Vereinsvertretern im November für einen möglichen Restart des Spielbetriebs abgestimmt haben, angesichts der weiterhin hohen Corona-Infektionszahlen immer unrealistischer werden, gibt es nun eine neue, zweite Variante für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

In der soll es eine freiwillige Teilnahme und sportliche Aufsteiger geben, aber keine Absteiger – von der Oberliga bis zur Landesliga. Betroffen sind aus dem Südkreis die SGSH Dragons II (Verbandsliga), die HSG Lüdenscheid, die HSV Plettenberg/Werdohl (beide Landesliga) und die Frauen der HSG Lüdenscheid (Landesliga).

Manchmal nehmen die Dinge einen schnelleren Verlauf als erwartet. Als Andreas Tiemann, der Vizepräsident Spieltechnik im HV, am Freitagabend seinen Präsidiumskollegen einen Entwurf seiner Pläne für den Neustart schickte, da war Tiemann daran gelegen, dass man diese Pläne in der Videokonferenz des Erweiterten Präsidiums am Samstag diskutieren möge, damit er sie im Nachgang in Video-Konferenzen den Vereinsvertretern zur Diskussion vorstellen könne.

Neue Restart-Variante mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger

Es kam indes anders: In der virtuellen Zusammenkunft der Präsidiumsmitglieder mit den Vorsitzenden der Kreise im HV Westfalen, war man vom Vorschlag Tiemanns so überzeugt, dass man direkt abstimmte: 18 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung – einstimmig abgenickt. Und damit sehen die Planungen der Handballer in Westfalen nun wie folgt aus:

Variante 1: Sollte die Pandemie-Entwicklung es zulassen, so wird der Spielbetrieb wie geplant am 1. März wieder aufgenommen. Dann wird nach den ursprünglichen Planungen der Spielbetrieb in den einzelnen Staffeln bis zum Abschluss einer einfachen Runde fortgesetzt. Diese Variante gilt als sehr unwahrscheinlich, weil dafür die Sporthallen nach drei Monaten Spielpause bereits Anfang Februar wieder geöffnet werden müssten für den Trainingsbetrieb.

„Wir sollten das realistisch einschätzen“, sagt Andreas Tiemann, „wenn es Lockerungen gibt, dann doch wohl zuerst in den Schulen. Der Sport ist da nicht so relevant. Und wenn es beim Sport losgeht, dann doch als erstes draußen.“ Kurzum: Ein Restart Anfang März dürfte ein frommer Wunsch bleiben.

Variante 2: Wenn man im März nicht starten kann, so soll ein Restart im April oder Mai angestrebt werden – wenn möglich, nach den Osterferien. Das Modell Tiemanns sieht vor, dass Vereine dann auf jeder Spielebene für zwei Spielformate melden können: Im ersten sollen die sportlichen Aufsteiger ermittelt werden. „Es kann ja durchaus sein, dass es hier für eine Klasse nur zwei Bewerber gibt, zum Beispiel in der Frauen-Oberliga“, sagt Tiemann. Für diese Aufstiegswilligen soll ein entsprechendes Spielmodell – flexibel nach der Zahl der startenden Teams und der noch vorhandenen Zeit – mit neu organisierten Staffeln auf die Beine gestellt werden.

Im zweiten Format sollen Mannschaften melden, die zwar gerne noch Spiele bestreiten wollen, aber nicht mit Aufstiegsambitionen. In diesem Format wäre es auch nicht schlimm, wenn Partien aufgrund der Pandemie ausfallen würden. Es wäre ein Spielmodell mit einer Art besserer Freundschaftsspiele oder – wie Tiemann es scherzhaft ausdrückt – ein „Corona-Pokal“. „Es geht für uns darum, die Möglichkeit eines Spielangebots zu schaffen für diejenigen, die spielen wollen“, sagt der Vizepräsident Spieltechnik und ergänzt bilanzierend: „Wir wollen auf sportlichem Weg Aufsteiger ermitteln.“

Kuropka: „Vereine haben ein bisschen mehr Planungssicherheit“

Auch der stellvertretende Vorsitzende der Technischen Kommission, Bernd Kuropka, der in den Frauen-Ligen als Staffelleiter fungiert, ist zufrieden. „Mit den nunmehr vorgestellten Abläufen haben die Vereine ein bisschen mehr Planungssicherheit. Vereine, die aktuell nicht spielen können oder wollen, brauchen nicht zu befürchten, dass sie aufgrund des Virus absteigen müssen. Ich bin der Überzeugung, dass wir mit diesem Angebot die Interessen der Vereine erfüllen werden. Für jeden Verein, der spielen kann und möchte, haben wir nunmehr ein Angebot.“

Testkonzept: Die Vereine, die spielen wollen, werden sich indes noch mit einem weiteren Punkt auseinandersetzen müssen – mit einem möglichen Corona-Testkonzept. „Vielleicht werden wir von Seiten der Behörden oder auch von Seiten der Vereine, die ihre Spieler schützen wollen, gezwungen sein, uns mit so einem Konzept zu beschäftigen, im Zweifel bis hinunter in die Landesliga“, sagt Andreas Tiemann. Gerade in diesem Punkt wird der Ostwestfale aus Hille indes wohl auch auf die nächste Videokonferenz mit allen Vereinen, die in der nächsten Woche stattfinden soll, setzen.

Jugendklassen in Westfalen sollen noch starten

Saisonstart 21/22: Was Tiemann indes schon jetzt deutlich macht und was auch die Zustimmung des Erweiterten Präsidiums gefunden hat: Die Saison 21/22 soll viel früher beginnen als die aktuelle: Als 1. Spieltag der Saison wurde das letzte August-Wochenende festgelegt, also wird es ein zeitnaher Start nach den Sommerferien sein, um dann einen möglichst großen Teil des Spielbetriebs bis zum Anbruch der nächsten Infektionszeit im Herbst zu absolvieren.

Jugendspielbetrieb: Die Jugendsaison würde in Westfalen eigentlich mit Anbruch der Osterferien enden. Der Vizepräsident Jugend, Patrick Puls, will dem Nachwuchs, dessen Saison noch gar nicht angefangen hat, nach vielen Gesprächen mit Jugendvertretern der Vereine aber doch noch einen Spielbetrieb in der Saison 19/20 ermöglichen. Ob dies in den dafür festgelegten Staffeln oder in kleineren Gruppen möglich sein wird, ist noch offen – auf jeden Fall soll von der A- bis zur C-Jugend zwischen den Oster- und Sommerferien ein Spielbetrieb auf Westfalenebene stattfinden. Das bedeutet, dass die Aufstiegsrunden zur Spielzeit 20/21 erst nach den Sommerferien beginnen können – jedenfalls in den Altersklassen, in denen dies mit Blick auf die Meldetermine für höhere Spielklassen (A-Jugend-Bundesliga) möglich sein wird. „Den Jugendlichen auch in dieser Saison noch ein Angebot zu machen, das ist ganz wichtig“, sagt Andreas Tiemann, „das muss im Fokus stehen, denn die Jugend ist unsere Zukunft.“

Bezirksliga/Kreisebene: Nach den Entscheidungen im Präsidiums des HV Westfalen sind nun auch die Kreise am Zug: Sie dürfen für ihren Spielbetrieb eigene Regeln aufstellen, doch im Kreis Lenne-Sieg wird es wohl darauf hinauslaufen, dass man sich der Variante 2 in Westfalen anschließen wird.

In den Bezirksligen wird man zurückrudern müssen

„Das ist eine gute Sache, ich stehe voll hinter diesem Vorschlag“, sagt der Lenne-Sieg-Kreisvorsitzende Klaus Krass, „entscheidend ist, dass es Aufsteiger gibt, die Situation ist gut gelöst. Auch im Kreis wollen wir sehen, dass wir Mannschaften den Aufstieg ermöglichen. Wobei wir im Bereich der Frauen natürlich mit den Vertretern des Kreises Oberberg sprechen müssen, weil wir da einen gemeinsamen Spielbetrieb haben in der Kreisliga.“

Den Vereinen einen Aufstieg zu ermöglichen, so Krass, das gelte natürlich auch für den kreisübergreifenden Spielbetrieb in den Bezirksligen. Zur Erinnerung: Hier hatten sich die Kreise Lenne-Sieg, Iserlohn/Arnsberg, Hagen/Ennepe-Ruhr, Ruhrgebiet und Dortmund verständigt, die Saison in den gemeinsam betriebenen Bezirksligen Ruhrgebiet und Südwestfalen abzubrechen, wenn es bis zum zweiten März-Wochenende keine Wiederaufnahme des Spielbetriebs geben sollte.

Man wird wohl zurückrudern müssen, denn in den jeweils zwei Bezirksligen bei Frauen und Männern stehen diesen fünf Kreisen fünf Aufstiegsplätze zur Verfügung. Die Vereine, die den Aufstieg anstreben, werden darauf drängen, dass diese Plätze auch ausgespielt werden. In einer auf Freiwilligkeit basierenden Spielrunde sollte dies ein realistisches Spielmodell sein – man werde darüber noch einmal sprechen, kündigte Klaus Krass an.

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