Das bittere Ende eines besonderen Handballabends

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Die beiden Besten der SGSH am Freitagabend: Marc Oberste und Keeper Dominik Formella.

HALVER - Mathias Grasediek hatte gerade erst festgestellt, wie bitter und schwer zu fassen diese Niederlage sei. Er hatte nach den richtigen Worten gesucht - und sie waren ihm nicht leicht eingefallen. Doch die nächste Aufgabe für den Trainer der SGSH, der selbst nach dem 23:24 (11:13) am Freitagabend gegen den Tabellenzweiten TuS Ferndorf Trost nötig gehabt hätte, wartete bereits.

Von Thomas Machatzke

Auf der Bank kauerte Daniel Krüger. Krüger hatte in einem der letzten SGSH-Angriffe eine Chance gehabt, die man sich als Linksaußen nur wünschen kann. Aber er hatte den Ball am Tor vorbei geworfen. Nun brauchte keiner so sehr Trost wie er. Also opferte sich Mathias Grasediek und spendete Trost.

Momente der Trauer in einer längst wieder leeren Sportstätte: Es war ein besonderer Handballabend gewesen in jener Halle Mühlenstraße, der das jüngste Feintuning mit neuem Hallenboden, neuer Zusatztribüne und dem neuen Standort für die Anzeigetafel sichtlich gut getan hatte. Die Halle hat sich herausgeputzt. Die offiziell 914 Zuschauer machten auch ihr phasenweise einen Hexenkessel. So war es nach Wochen der stillen Unzufriedenheit in Sachen Heimspielatmosphäre am Löh ein echtes Highlight in Halver. Auch der Freitagabend mag dabei eine gute Wahl gewesen sein. "Die Zuschauer werden auf ihre Kosten kommen", hatte Gästecoach Erik Wudtke vor dem Derby versprochen. Die Fans waren auf ihre Kosten gekommen.

Gleichwohl war es für die Gastgeber eben kein perfekter Abend. Eine klare Niederlage wäre angesichts der Ausfälle von Maciej Dmytruszynski und Jan Stuhldreher ein normaler Vorgang gewesen. Man hätte sie verschmerzt und nach vorne geschaut. Eine derart knappe und unglückliche Niederlage aber ließ sich nicht so einfach verschmerzen. Komplimente? Was sollte man sich dafür kaufen?

Ein finaler Albtraum

Nach vor drei Wochen in Hagen hatte die SGSH in einem nicht minder emotionalen Derby auf der Zielgerade einen nicht mehr für möglich gehaltenen Punkt erkämpft und fassungslose Hagener zurückgelassen. Nun hatte man selbst Mühe, nicht fassungslos zu sein. Die 22:19-Führung, dazu die Überzahl in der Schlussphase. Und Torchancen, mit denen man ein Spiel eigentlich entscheiden muss. Es war ein finaler Albtraum für die SGSH.

Die Dramaturgie des Abends war dabei eine ganz andere gewesen als im Hinspiel. Dort hatte die SGSH in der ersten Hälfte Außergewöhnliches geleistet - und zur Halbzeit trotzdem knapp zurückgelegen. Aus den Erfahrungen dieser ersten Hälfte hatte der TuS in Kreuztal eine Warnung abgeleitet, Vollgas gegeben und das Spiel am Ende nicht unverdient gewonnen. Nun in Halver war die erste Hälfte der SGSH nicht wirklich gut. Sie hatte viel Herz gezeigt, viel Leidenschaft, aber die Ferndorfer hatten die besseren Antworten gehabt. Es war wie in Ferndorf ein knapper Rückstand für die SGSH gewesen - aber diesmal nur wegen der Schlampigkeit des Gastes.

Ferndorf phasenweise ratlos

Mental machte das einen vielleicht entscheidenden Unterschied: Die Ferndorfer fühlten sich bei ähnlichem Spielstand wie im Hinspiel diesmal sicherer. Und sie wurden überrascht. Ohne Simon Breuer (Knieverletzung) und Heider Thomas (Schulterverletzung) hatten sie auf einmal kein Mittel gegen die 6:0-Abwehr der SGSH und den starken Formella. Nun hatte der Auftritt des Gastes in Phasen mehr mit Ratlosigkeit als mit Schlampigkeit zu tun.

Am Ende indes musste der Vergleich mit Hagen herhalten: Während die Hagener vor drei Wochen auf der Zielgerade mitunter schwerfällig wirkten, hatte der TuS bis zuletzt reichlich zuzusetzen. Zumindest in diesem Punkte war es die Leistung eines echten Spitzenteams. Ansonsten hinterließen die Siegerländer nicht den Eindruck, als ob sie mittelfristig den Titelkampf mit Dormagen auf Augenhöhe gestalten könnten.

Nun nach Wilhelmshaven

Sei's drum: Die SGSH hat andere Sorgen. 1:7-Zähler aus den ersten vier Spielen des Jahres haben den Druck vor den wichtigsten Wochen der Saison nicht eben genommen. Die nächste Aufgabe ist eine, bei der Punkte auch nicht direkt eingeplant werden können. Am Samstagabend geht es zum Tabellendritten nach Wilhelmshaven. Theoretisch könnte man zusammen fahren mit dem TuS Ferndorf - der nämlich reist zeitgleich nach Varel. Zweimal Nordsee gegen Südwestfalen. Für die SGSH wieder eine ganz harte Nuss. Umso bitterer, dass die Punkte des Freitagabends am Ende so ärgerlich verspielt wurden.

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