3. Handball-Liga

Brillanter Start, aber keine Punkte an der Stählerwiese

+
Starke Partie im ersten Durchgang: Maciej Dmytruszynski.

KREUZTAL – Die Rollen vor dem Südwestfalenschlager der 3. Liga West waren klar verteilt gewesen. Am Ende setzte sich der Favorit TuS Ferndorf am Samstagabend gegen die SG Schalksmühle-Halver auch 32:28 (13:15) durch, doch eine klare Sache war das Heimspiel des Zweitliga-Absteigers und aktuellen Drittliga-Spitzenreiter gegen den Liga-Neuling nicht. Eher schon das genaue Gegenteil.

 „Da war mehr drin!“ SGSH-Coach Mathias Grasediek benötigte nur diese vier Worte, um die Gemütsverfassung der Gäste nach den 60 Minuten an der Stählerwiese auf den Punkt zu bringen. Es war ein achtbares Ergebnis. Gewiss. Es war auch phasenweise eine brillante Vorstellung des Gastes. Doch es war auch ein Abend, bei dem die SGSH das Tüpfelchen auf dem i – einen zählbaren Erfolg – verpasste.

Die ersten 20 Minuten waren eine einzige Demonstration. Von einer „schlimmen Abwehr“ sprach TuS-Coach Erik Wudtke nach der Partie, „und das, obwohl wir dies die ganze Woche vorbereitet haben. Das war schon enttäuschend.“ Die 3:2:1-Abwehr der Gastgeber wurde von einer SGSH mit einem starken Feldmann in der Zentrale, glänzend treffenden Halben (Dmytruszynski, Mayer, später Oberste) und einem nicht zu bremsenden Luciano am Kreis vorgeführt. Dem Gast kam es dabei zu Pass, dass Kai Rottschäfer im TuS-Tor eine traurige Figur abgab. Auf der anderen Seite zeigte Mareks Skabeikis seine ganze Klasse hinter einer starken 6:0-Abwehr der Gäste. 12:6 führte die SGSH nach 18 Minuten. Es sah gar nicht gut aus für den hohen Favoriten.

Was folgte, war indes einerseits eine furiose Aufholjagd der Ferndorfer, die dabei von den Fans im Hexenkessel Stählerwiese getragen wurden. Es war aber auch eine Phase, in der die SGSH gegen die auf eine 6:0-Variante umgestellte TuS-Abwehr nicht mehr die richtigen Antworten fand und ihren schönen Vorsprung ein wenig zu leicht aus der Hand gab. 14:9 führte der Gast noch nach 25 Minuten, zur Pause aber stand nur noch ein 15:13 zu Buche. Ein Ergebnis, das die Kräfteverhältnisse in den ersten 30 Minuten nur unzureichend wiedergab. Und ein Polster, das bei weitem nicht dick genug war.

Nach der Pause ging alles ganz schnell. Die SGSH tat sich vorne weiter schwer, die Ferndorfer dagegen drückten aufs Tempo und hatten damit Erfolg. Simon Breuers Tor in Minute 33 bedeutete bereits das 17:15. Nun hatte der TuS das Oberwasser, was er sich gewünscht hatte. Im Rückraum agierten längst nicht mehr die zu Beginn erfolglosen Bettig, Hilger und Lange, sondern Alex Koke und die Breuer-Brüder. „Wenn man zum Nachpacken Koke und zweimal Breuer hat, dann ist das schon eine Qualität im Kader, bei der wir nicht mithalten können“, stellte Mathias Grasediek bei der Pressekonferenz ein wenig neidisch fest. Beim Gast war es immerhin Youngster Julian Mayer (8), der weiter eine tolle Partie spielte und die SGSH mit seinen Toren in Reichweite der Gastgeber hielt. Aber es blieb zäh. Christian Feldmann hatte keinen Zugriff auf die Partie mehr, produzierte Ballverluste und machte bald für Jan Stuhldreher Platz, der die Dinge mit bedingungslosem Zug zum Tor zu lösen versuchte. Doch für eine Wende gab es nun zu wenig Ballgewinne – vor allem Kreisläufer Bennet Johnen (5) war im Zusammenspiel mit dem variablen und abgezockten Rückraum nie auszuschalten. So schien die Partie spätestens beim 28:23 (51.) gelaufen.

Ähnliches mag Erik Wudtke gedacht haben. Er wechselte und gab jüngerem Personal Anteile – und holte damit die Spannung zurück in die Partie. Die SGSH ließ sich nicht zweimal bitten, war nach Stuhldrehers 28:27 (55.) wieder in der Partie. Wudtke reagierte, nahm eine Auszeit. Und der Favorit bekam die Kurve. Zwei Minuten und drei TuS-Tore später war beim 31:27 die Messe gelesen (57.). Der Rest war eine Ferndorfer Feier mit finalen Standing-ovations. Der TuS ist seit Samstagabend und der Hagener Heimniederlage gegen Wilhelmshaven das letzte Team der Liga ohne Verlustpunkt. Die SGSH wurde derweil vom mitgereisten Anhang auch gefeiert. 4:4-Punkte nach diesem Auftaktprogramm – das ist mehr als achtbar. So wie die Leistung am Samstagabend an der Stählerwiese.

Thomas Machatzke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare