Niederlage gegens Schlusslicht

Die SGSH und ihr Hessen-Trauma

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Hängte sich voll rein, leistete sich dann aber zwei unnötige Zeitstrafen: Maciej Dmytruszynski.

Schalksmühle – Der Schreck war den Verantwortlichen nach dem Schlusspfiff ins Gesicht geschrieben: 26:28 (15:13) unterlag Handball-Drittligist am Samstag vor 400 Zuschauern am Löh dem Tabellenschlusslicht HSG VfR Eintracht Wiesbaden. Die einzigen Hessen der Liga haben damit exakt 50 Prozent ihrer bisherigen Pluspunkte gegen die SGSH geholt, die damit auf Rang zehn abgerutscht ist.

Von Thomas Machatzke

„Alle schauen auf die Tabelle und reden vom Tabellenletzten. Ich habe heute Abend aber eine gute Wiesbadener Mannschaft gesehen“, stellte Mathias Grasediek nach dem Schlusspfiff fest. Tatsächlich hatten die Hessen das gezeigt, was Grasediek erwartet hatte: Leidenschaft, Kampf, Moral, Tempo, und all das gepaart mit einer phasenweise unfassbar hohen Fehlerquote. Doch die SGSH wusste die Vorlagen des Abends nicht zu nutzen – weil sie selbst viel zu viele Fehler machte bzw. Chancen ausließ. „Wir werfen zu viele freie Bälle nicht rein – wobei es da noch fraglich ist, wie frei da die Leute tatsächlich geworfen haben. Aber wir sollten heute nicht auf andere schauen“, sagte Grasediek mit einem kleinen Seitenhieb auf die Referees Aniol/Gillmann, die weiter weit weg davon sind, Freunde an der Volme zu finden.

Eine Kopie des Hinspiels war das Kräftemessen nicht wirklich, doch Ähnlichkeiten bestanden. Nach dem 2:3 durch den starken Kaplan (5.) übernahm die SGSH allmählich die Regie auf dem Feld. Die HSG leistete sich technische Fehler, scheiterte zudem immer wieder am starken Mareks Skabeikis. So stand es 12:7 (21., Jansen) und auch noch 13:8 (23.). Doch bis zur Pause waren die Gäste beim 15:13 wieder im Spiel. Auch deshalb, weil die SGSH-Defensive gegen einen Gegner ohne Rückraum-Shooter nicht in der Lage war, die Kreise von Kreisläufer Kolb einzuengen. Die SGSH führte zur Pause, doch die Leistung ließ noch viel Luft nach oben.

Guter Start in die zweite Halbzeit

Tatsächlich fanden die Hausherren gut in die zweite Halbzeit. Das Metz-Team leistete sich nach dem 15:14 - ganz im Stile eines Absteigers - acht Angriffe ohne Tor. Die SGSH nutzte dies, um auf 19:14 (37., Mayer) davonzuziehen. Beim Verwalten dieser eigentlich komfortablen Führung stellte sie sich in der Folge allerdings nicht wirklich geschickt an. Zwar stand die Abwehr im 6:0-Format nun gegen Kolb besser, doch über die schnellen Außen Kaplan und Engel kamen die Gäste immer wieder zu Torerfolgen. Beim 23:21 (49., Kaplan) war die HSG wieder dran, beim 24:24 (53., Seiwert) gelang einer beeindruckend fightenden Mannschaft, die es mit Härte, aber auch unheimlicher Präsenz und Laufarbeit schaffte, Hektik in die Partie zu tragen, erstmals wieder der Ausgleich.

26:28-Niederlage der SGSH gegen die HSG Wiesbaden

Der von Luis Garbo immer wieder bearbeitete Maciej Dmytruszynski hatte seine Nerven nicht im Griff, holte sich gleich zwei unnötige Zeitstrafen ab und durfte wie Garbo ab der 50. Minute wegen der dritten Zeitstrafe zuschauen. Vielleicht war es für die SGSH die entscheidende Schwächung, denn gegen nun im 5:1-Format deckenden Hessen fehlte der SGSH fortan offensiv die Durchschlagskraft aus dem Rückraum, die Außen Fleischhauer und Wardzinski fanden zudem ihren Meister immer wieder im 20-jährigen Niklas Weißbrod. So ging die HSG beim 25:26 (56., Engel) erstmals in Führung. Wardzinski (57.) glich ein letztes Mal aus, wieder Lorenz Engel per Kempa-Trick traf zum 26:27. Die SGSH hatte danach noch zwei Chancen zum neuerlichen Ausgleich, doch Mayer und Wardzinski ließen sie aus. Und so schnürte Nicolas Kolb mit dem 26:28 15 Sekunden vor dem Ende den Sack zu. Unverdient war das unterm Strich auf keinen Fall.

SGSH: Mareks Skabeikis, Dominik Formella (ab 55.) – Jacek Wardzinski (6/1), Maciej Dmytruszynski (6), Julian Mayer (4/2), Christian Feldmann (3), Daniel Buff (2), Daniel Krüger (2), Achim Jansen (2), Marc Oberste (1), Dominic Luciano, Malte Müller, Tobias Fleischhauer

HSG: Paul Windheim, Niklas Weißbrod (ab 31.) – Yakub Kaplan (8/2), Nicolas Kolb (7), Lorenz Engel (5), Christian Burghard (3), Johannes Schumacher (2), Danic Seiwert (2), Patrick Pareigis (1), Simon Engel, Max Kellner, Luis Garbo,

Schiedsrichter: Jürgen Aniol und Holger Gillmann

Zeitstrafen:  SGSH 8 + rote Karte gegen Dmytruszynski (49:40; 3. Zeitstrafe); HSG 8 + rote Karte gegen Garbo (49:40, 3. Zeitstrafe)

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