SGSH-Remis in Hagen

Der Bonuspunkt hat viele Väter

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Einer der Väter des Sieges: SGSH-Kreisläufer Daniel Buff.

HAGEN – Der Spielplan hätte es in diesem Punkte nicht besser meinen können mit der SG Schalksmühle-Halver: Als das Drittliga-Derby am Freitagabend zwischen dem VfL Eintracht Hagen und der SGSH gespielt und die Punkte geteilt worden waren, da wartete auf den Gast noch eine dritte Halbzeit in Hagen. Marc Oberste – Ex-Eintracht-Akteur und inzwischen in Hagen zu Hause – hatte zum Bier geladen. Um 0 Uhr durfte auf seinen 33. Geburtstag angestoßen werden. Und natürlich noch einmal auf jenen Last-Minute-Punktgewinn des Abends.

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Feldmann behält in den Schlussekunden die Nerven

Die gute Laune an diesem Abend – sie trug jedenfalls nicht die Farben Grün und Gelb. Wer 40 Sekunden vor dem Ende das 23:21 wirft, hat nach einem 23:23 keine gute Laune mehr. Hagens Co-Trainer Rainer Hantusch gab sich immerhin nüchtern-gefasst nach dem Schlusspfiff. „Das Unentschieden ist am Ende wohl gerecht“, sagte er, „auch wenn für uns natürlich enttäuschend ist, zu Hause im Derby auf diese Art einen Punkt abzugeben.“ Hantuschs Analyse stellte überdies die Zufriedenheit der Gastgeber mit dem Defensiv-Vortrag der ersten 30 Minuten heraus, aber eben auch die Unzufriedenheit damit, was man daraus gemacht hatte. Gerade in der schnellen Vorwärtsbewegung.

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SGSH holt einen Punkt im Derby beim VfL Eintracht Hagen

Das war nicht mehr und nicht weniger als ein verklausuliertes Lob für den Gast vom Löh, der es sich auf die Fahnen geschrieben hatte, dieses Hagener Tempospiel mit Vollgas in der Rückzugsphase einzudämmen. Ein Vorhaben, an dem die SGSH in dieser Saison schon mannigfaltig und gegen mehr als nur einen Gegner gescheitert war. So klang beim Trainer nach dem Punktgewinn auch viel Stolz mit. „Das, was wir uns vorgenommen haben, hat geklappt“, stellte Mathias Grasediek mit Blick auf das Umschaltverhalten in den 60 Minuten fest. Schlüssel dabei: Florian Diehl kümmerte sich in jedem Rückzug um die Kreise von Simon Ciupinski. Der warf drei Tore – alle im aufgebauten Angriff mit Schlagwürfen, kein einziges Tempotor. Hätte Florian Diehl daneben mehr als jene fünf Tore erzielt bei gefühlt 15 Großchancen gegen den starken Nippes – er wäre der König des Abends gewesen.

Feldmann einer der Gewinner

Der Punktgewinn des Gastes hatte so aber viele Väter. Daniel Buff war ein anderer – er neutralisierte mit Szymanowicz einen der besten Drittliga-Torschützen der vergangenen Jahre. Dominic Luciano und Maciej Dmytruszynski bildeten im 6:0-Innenblock eine eindrucksvolle Mauer. Dahinter hielt Dominik Formella in jener für ihn typischen unspektakulären Sachlichkeit all das, was zu halten war, und noch ein wenig mehr. Und auch Christian Feldmann zählte zu den Gewinnern des Abends. Nach seiner durchwachsenen Hinserie und einer ersten Halbzeit ohne Einsatzzeit kam er, führte gut Regie, nutzte selbst zwei seiner drei Chancen und behielt acht Sekunden vor dem Ende von der Marke die Nerven. Das war alles andere als selbstverständlich. Vorher war die SGSH dreimal bei Siebenmetern an Nippes gescheitert.

VfL-Dilemma im rechten Rückraum

Und Hagen? Jener Mannschaft, die in Halver noch so sehr dominiert hatte, fehlten im Angriff schlichtweg die Mittel. Dabei kam es der SGSH entgegen, dass Ciupinski über weite Phasen im rechten statt im zentralen Rückraum spielte. Dort war seine Gefährlichkeit überschaubar. Das Hagener Dilemma war in eben jenem rechten Rückraum verortet: Tebbe seit Monaten verletzt, Lütgenau zumindest am Freitag keine Alternative. Der Ur-Hagener hatte in der Woche flach gelegen mit einer Erkältung und wirkte behäbig und kraftlos. Der Meinerzhagener Marius Kraus war in Halbzeit eins mit vier Treffern bester VfL-Torschütze gewesen auf eben jener rechten Angriffsseite, allerdings als Außen. Nach der Pause saß er 30 Minuten lang. VfL-Coach Lars Hepp durfte im Foyer später bei der öffentlichen Pressekonferenz die Frage beantworten, weshalb. Der 6:0-Abwehr nach dem Wechsel wegen, gab er Auskunft. Nachvollziehbar war dies für manchen Betrachter trotzdem nicht.

SGSH-Gesänge im Foyer

Der SGSH durfte derlei egal sein. Sie sah in der zweiten Halbzeit über weite Strecken sogar wie der mögliche Sieger aus. „Eigentlich haben wir die Partie da gerade im Griff gehabt. Beim 15:17 verlassen die Schiedsrichter mit der doppelten Zeitstrafe aber ihre Linie“, ärgerte sich Mathias Grasediek über die Bestrafungen für Buff und Luciano, die die SGSH das erste Mal ausbremsten bis zum 18:17 für Hagen. Nach dem neuerlichen 18:20 fehlten dem Gast derweil ohne Dmytruszynski und Diehl (angeschlagen) ein paar glückliche Entscheidungen im Angriff.

Sieben Minuten ohne Tor – das wäre in vielen Spielen eigentlich zu viel gewesen, um noch für Zählbares in Frage zu kommen. Am Freitagabend aber kam es anders. Und deshalb sang im Foyer nach Spielende, als nebenan im Hagener Sporttempel schon der Parkett-Boden für das Heimspiel der Phoenix-Basketballer am Samstag verlegt wurde, nur der rot-weiße Anhang. Viele Hagener Fans, die während der 60 Minuten eher als distanziert goutierende Betrachter aufgetreten waren, waren da längst schlecht gelaunt auf dem Heimweg.

Thomas Machatzke

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