SGSH besiegt Aurich

Der Vater des Sieges heißt Dominik Formella

+
Der Moment der Entscheidung: Mathias Grasediek freut sich über das Tor zum 23:21.

Schalksmühle – Es ging am Samstagabend am Löh um so unglaublich wichtige Punkte im Abstiegskampf der 3. Liga West. Aber eben nicht nur. Es ging auch um die Frage, ob eine Mannschaft in dieser Spielklasse eine Partie gewinnen kann, in der sie fünf von sechs Siebenmetern verwirft. Die Antwort auf diese Fragestellung: Ja, sie kann. Die SG Schalksmühle-Halver kämpfte trotz dieses Malus den OHV Aurich 23:22 (11:11) nieder und hat damit im Fernduell mit dem Neusser HV und dem VfL Gladbeck – beide siegten ebenfalls – ihren knappen Vorsprung verteidigt.

Von Thomas Machatzke

Die enge, leidenschaftlich geführte und sehr emotionale Partie erzählte mehr als nur eine Geschichte. Die Siebenmeter-Story war aber die vielleicht unglaublichste. Direkt im ersten Angriff parierte Aurichs Patrick Anders gegen Julian Mayer, danach hielt er die Versuche von Christian Feldmann, Marc Oberste und Maciej Dmytruszynski. Zwischendurch traf Jan Stuhldreher vom Punkt nur den Pfosten. Erst der sechste Versuch brachte das erste Tor: Es war die einzige Aktion des auf dem Spielbereicht eigens dafür nachgetragenen Kevin Herzog. Und es war eine so wichtige. Es war das Tor, das am Ende den Unterschied zwischen Remis und Sieg ausmachte.

Eine andere Geschichte erzählten die Torhüter. Nicht Mareks Skabeikis, der nur bei einem Siebenmeter aufs Parkett durfte, auch nicht Frederik Möhlmann oder Robin Wetzel, die durchweg zuschauten. Jener kleine, aber umso schnellere Patrick Anders schrieb sie zunächst. Als die SGSH nach 17 Minuten 7:6 führte, hatte er bereits drei Siebenmeter und drei Gegenstöße pariert. Es war eine über 60 Minuten formidable Leistung mit einem Mini-Tief zu Beginn der zweiten Hälfte. Und in eben jener Phase, in der Anders ausnahmsweise mal keine tollen Paraden zeigte, da steigerte sich auf der anderen Seite Dominik Formella nach einer guten ersten Hälfte in eine Art komplett von sich selbst berauschte Torverhinderungsmaschine. Sein Lieblingsgegner war dabei Linksaußen Eike Rigterink, der bemerkenswert oft nicht an Formella vorbei fand. Und als er dann doch einmal traf, da pfiffen ihm die Referees das Betreten des Kreises ab.

Es war ein Torwart-Duell auf allerhöchstem Niveau. Ein solches kommt natürlich immer auch dann zu Stande, wenn zwei gute Abwehrreihen ihre Keeper unterstützen. Die SGSH setzte wie schon in Bielefeld auf die Variante mit Christian Feldmann auf der Spitze als variablem Störspieler. Das machte Feldmann richtig gut. Vorne durfte er dafür auf Linksaußen Kraft sammeln, in der Rückraummitte zog Jan Stuhldreher die Fäden – auch er machte das sehr ordentlich. Das 11:11 zur Pause spiegelte nicht die Leistungen zweier gleichstarker Teams wieder – die Gäste hatten dies Resultat einzig ihrem Keeper zu verdanken.

Schiedsrichter mit "langer Leine"

Kurioserweise waren sie Anfang der zweiten Hälfte – nun mit dem vorher in der Offensive nicht eingesetzten Marten Franke als Spielmacher – spielerisch gleichwertiger, doch jetzt war der große Unterschied, dass Formella fast alle Auricher Chancen zunichte machte, die SGSH dagegen bis zum 17:13 (41.) richtig gut traf. Aber das war nicht von Dauer. Bald schon war Patrick Anders wieder jene Art von Hindernis, an dem es kaum ein Vorbeikommen gibt. Und so wurde es spätestens ab dem 19:17 (51.) ein Spiel, bei dem um jeden Zentimeter gefightet wurde. Die Referees Philipp Jäckel und Christian Staszak ließen dabei viel zu, bestraften kaum. Trainer Mathias Grasediek lobte sie dafür ausdrücklich. Unter strengen Gesichtspunkten wäre ihre Interpretation von progressiver Bestrafung aber wohl keinen höheren Ansprüchen gerecht geworden. Immerhin: Sie hatten eine Linie und benachteiligten niemanden.

Feldmann behält die Nerven

So durften die Teams im Infight in voller Mannschaftsstärke um den Sieg rangeln. Nach Mayers 22:20 (58.) ließ die SGSH dabei zwei Chancen aus. So hing der Sieg nach dem 22:21 von Renke de Buhr (59.) am seidenen Faden. Doch Christian Feldmann behielt in der Schlussminute von der Linksaußen-Position die Nerven und traf zum 23:21. Das 23:22 von Jan-Uwe Behrends kam 20 Sekunden vor dem Ende zu spät. Die SGSH spielte die Zeit herunter. Und sie feierte danach mit einem – auch das war eine Geschichte des Abends – bemerkenswert lautem Anhang diesen weiteren Schritt in Richtung Klassenerhalt wie eine Meisterschaft.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare