Handball, 3. Liga West

SGSH: Der Jüngste als Matchwinner

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Ganz starke Vorstellung: Kristian Eskericic.

Schalksmühle - Handball-Drittligist SG Schalksmühle-Halver hat im Abstiegskampf einen ganz wichtigen Sieg gefeiert und so zu Ostern die Abstiegsplätze verlassen. Gegen den Longericher SC setzte sich das Markovic-Team am Samstagabend vor 400 Zuschauern am Löh 33:32 (19:16) durch.

Es war ein Erfolg, der am seidenen Faden hing. Erst ein Treffer von Moritz Eigenbrodt in doppelter Überzahl in der Schluss-Sekunde sicherte den doppelten Punktgewinn. Es war ein dramatisches Finale, und weil es so dramatisch war, gab es nach dieser Doublette des Derby-Finishs gegen Volmetal - diesmal mit der SGSH in der Rolle des überaus glücklichen Siegers - kein Halten mehr auf dem Parkett.

Es passte ganz gut zu den 60 Minuten, dass es der jüngster SGSH-Akteur war, der den Gastgebern doch noch die Maximal-Ausbeute an diesem Abend sicherte. „Moritz war der Matchwinner“, freute sich Dragan Markovic mit seinem Youngster - nicht nur wegen des letzten Treffers. Der Dortmunder war es auch gewesen, der mit seinen beherzten Aktionen und Unterzahl-Toren die SGSH in Halbzeit zwei auf Kurs gehalten hatte. Ähnlich wie schon vor drei Wochen beim Heimsieg gegen den TSV GWD Minden II.

Zweiter Vater des SGSH-Sieges an diesem Abend war Kristian Eskericic. Dem Kroaten gelang im rechten Rückraum fast alles. Er war von einer wenig sattelfesten Abwehr der Kölner an diesem Abend nie in den Griff zu bekommen - seine Ausbeute: zehn Feldtore. Es waren die Ausreißer, die für die Gastgeber bitter nötig waren in einem ungemein engen Kräftemessen mit dem Neuling, der sich auch durch höhere Rückstände nie entmutigen, geschweige denn abschütteln ließ.

Die erste Halbzeit war geprägt gewesen von - je nach Blickwinkel - zwei Angriffsreihen, denen viel gelang, oder eben zwei Defensiv-Formationen, die nie zu Stabilität und Kompaktheit fanden. Bei der SGSH funktionierte die Offensive dabei mit dem Drei-Schützen-Rückraum (Weßeling, Mayer, Eskericic), dem Stark-Team fiel dagegen wenig ein. Auch deshalb nicht, weil die Kölner früh vier Zeitstrafen erhielten, zwei davon gegen Abwehrspezialist Krosch. Die SGSH kam dazu im Vergleich im ersten Durchgang besser davon. Zur Pause nahm sie eine 19:16-Führung mit in die Kabine.

Nach dem Wechsel war es zunächst ein enges Match. Benjamin Richter, der nicht nur der beste Torschütze der 3. Liga West ist, sondern vielleicht auch der kompletteste Spielmacher, führte sein Team immer wieder heran. Und doch schien die SGSH nach dem 26:25 (42.) die Oberhand zu gewinnen, führte 29:25 (45.) und hätte bei Ballbesitz auf 30:25 erhöhen können. Doch wie so oft in dieser Saison war der Vorsprung wenig Wert. Die SGSH behielt die Ruhe nicht, es fehlte an Disziplin und Geduld. Nach 54 Minuten glich Richter zur 30:30 aus. Da war auch längst das Zeitstrafen-Konto wieder ausgeglichen…

Es war der Auftakt zu einer Schlussphase, in der alle Beteiligten Fehler machten, allen voran auch die beiden Referees Sakovski/Schneider (Velbert/Wuppertal), die insgesamt eine in so manchem Punkt kritikwürdige Leistung ablieferten. 32:32 stand es zwei Minuten vor dem Ende, als auf einmal Dragan Markovic nach einem nicht geahndeten Foul an Malte Müller dort stand, wo er nicht stehen durfte: deutlich auf dem Spielfeld, lamentierend. Das gab eine vertretbare Zeitstrafe. Eine Hypothek fürs Finale.

Dramatisches Finale: Trainer-Zeitstrafe, Rote Karte und mehr

Mayers Pfostentreffer folgte eine tolle Formella-Parade gegen den jungen Peters. Als dann Kristian Eskericic ein technischer Fehler unterlief, zeigte die Uhr noch 52 Sekunden. Markovic hatte derweil die grüne Karte für eine Auszeit gelegt - es schlossen sich lange Diskussionen an. War die Aktion vor oder nach dem Beantragen der Auszeit gewesen? Kampfgericht - HV-Schiedsrichterwart Bernd Steinebach - und die Referees entschieden schließlich, dass die Karte zu spät gelegen hatte. Ballbesitz Longerich, die Halle kochte noch mehr. Es war unter Verbandsaufsicht nun der veritable Härtetest für die SGSH-Anhänger in Sachen Benehmen im legalen Rahmen.

Longerich spielte die Uhr bis 31 Sekunden vor dem Ende herunter und nahm selbst eine Auszeit. Danach ging es weiter - und die Referees hoben extrem überraschend nach nur einem Pass die Hand fürs Zeitspiel, pfiffen nach drei Pässen Zeitspiel. Die SGSH hatte den Ball zurück - eine überaus glückliche Fügung, zu der es gut passte, dass sich Benjamin Richter in dieser Situation auch noch eine Zeitstrafe abholte. Als acht Sekunden vor dem Ende dann auch noch Krosch Weßeling beim Wurfversuch mit der Faust im Gesicht traf und dafür sehr zurecht die Rote Karte sah, war der LSC nur noch zu viert. Die SGSH musste eine Option in doppelter Überzahl wählen - und sie wählte den Abschluss über Moritz Eigenbrodt und die Linksaußen-Position. Es war die richtige Option, der Rest war ein rot-weißes Jubelfest rund ums Nesthäkchen des Teams, dem Matchwinner des Abends.

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