Dmytruszynski-Tor lässt SGSH jubeln

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Jacek Wardzinski dreht hier Thomas Bahn (links) ein, Philip Schneider schaut dem Treiben zu.

Halver – Der Nationalfeiertag war für die Drittliga-Handballer der SG Schalksmühle-Halver ein Tag zum Feiern: Beim 26:25 (15:9) gegen den Neusser HV feierte das Grasediek-Team vor 450 Zuschauern an der Mühlenstraße in Halver den ersten Heimsieg der Saison – am Ende glücklich, unterm Strich aber verdient.

59 Minuten und 27 Sekunden war das Spiel alt, als Gästecoach René Witte eine letzte Auszeit bemühte. 25:25 stand es da – in 33 Sekunden war zu entscheiden, was beide Parteien vorher über einen viel längeren Zeitraum nicht geschafft hatten zu entscheiden. 33 Sekunden mit einem signifikanten Vorteil für den Gast. Der NHV hatte den Ball. Doch die 33 Sekunden sollten zum Spiegelbild der gesamten 60 Minuten werden. Der NHV machte nichts aus diesem Vorteil, im Gegenteil. Als Markus Bouali 16 Sekunden vor dem Ende aufs Tor warf, war das einerseits zu früh und andererseits eine Situation, die dafür nicht gemacht war. Dominik Formella parierte – und im Gegenzug markierte Maciej Dmytruszynski tatsächlich noch das 26:25. Der Rest war ein Riesen-Jubelfest der SGSH, während die Neusser ihr Unglück kaum fassen konnten – im vierten Auswärtsspiel ging das so mächtig besetzte Ensemble zum vierten Mal leer aus.

SGSH feiert beim 26:25 gegen den Neusser HV den ersten Heimsieg

War es Unglück? Vielleicht eher Unvermögen. Die SGSH machte vieles richtig in den 60 Minuten, aber sie hätte wohl in logischer Konsequenz als Verlierer das Parkett verlassen, wenn der Neusser HV seine Möglichkeiten auch nur in einem guten Mittelbereich ausgeschöpft hätte. Gerade vor dem Wechsel gelang dies dem Witte-Team nicht, das angesichts des vermeintlichen Überangebots von Qualität im Rückraum mit einer besonderen Variante aufwartete – mit Christopher Klasmann, dem vielleicht klassischsten Rückraum-Halben der Liga, als Spielmacher in der Rückraum-Mitte. Die SGSH brachte direkt von Beginn Kristian Eskericic, der ein beherztes, aber nicht immer glückliches Comeback feierte. Nach dem ausgeglichenen Start (2:2, 7.) setzte sich die SGSH auf 5:2 (11.) ab – über Formella-Paraden und Gegenstöße. Der Matchplan ging auf.

Die Neusser kamen aber zurück – auch deshalb, weil die SGSH in leidenschaftlichen Abwehr-Bemühungen hier und da übers Ziel hinausschoss und vier berechtigte Zeitstrafen erhielt. Nach acht Minuten in Unterzahl und zwei mit einem Mann mehr stand es 8:8 (22.). Es waren 22 Minuten gewesen, in denen Dominik Formella der bessere zweier guter Keeper gewesen war. Bis zum Wechsel wurde aus dem Punktsieg im Torwartduell der ersten Hälfte noch ein technischer K.o.: Formella nagelte den Kasten unnachahmlich zu, Mikkel Moldrup brach ein. Aus dem 8:8 wurde ein 15:9. Acht Minuten wie im Rausch am Ende der bisher besten Halbzeit der SGSH in dieser Saison – einer Halbzeit, in der Dominik Formella wie schon in der Vorwoche aus einem guten Team weit herausragte. Seine Bilanz: 60 Prozent gehaltene Bälle gegen den so hoch gelobten und in der Praxis doch irgendwie im Einzelfall sehr berechenbaren Rückraum der Neusser. Ohne Worte.

Formella pariert vier Siebenmeter

Nach dem Tor zum 26:25 kannte der SGSH-Jubel keine Grenzen.

Nach dem Wechsel verteidigte die SGSH gegen einen nun mit dem Mut der Verzweiflung kämpfenden Gast die Führung bis zum 20:14 (40.). Dem sonst in seinen Entscheidungen eher unglücklichen Witte glückten danach zwei Umstellungen: Zum einen ersetzte er den im Abschluss schwachen Aust auf der rechten Außenbahn durch Fütterer, der bis um Ende bei fünf Versuchen fünf Treffer erzielte. Zum anderen zeigte die Manndeckung gegen Christian Feldmann Wirkung. Zunächst versuchte es Kristian Eskericic im Spiel 5:5, die Dinge individuell alleine zu entscheiden, hatte dabei aber kein Glück. Grasediek ersetzte ihn durch Müller im Rückraum, doch richtig rund lief es in der SGSH-Offensive nicht mehr. Beim 22:19 (48.) lag die SGSH noch vorne, dann glich der NHV zum 22:22 aus (51.) und hatte nun gegen eine stark wackelnde SGSH das auf seiner Seite, was man Momentum nennt. Aber die Neusser nahmen davon keine Notiz. Sie hatten mutig und leidenschaftlich die Aufholjagd geschafft und schalteten danach wieder in einen anderen Modus.

Luciano schafft das 25:25

Es war nun ein Kräftemessen auf Augenhöhe. Nicht nur noch schön, aber intensiv und eng. Ein richtig gutes Handballspiel, bei dem Formella nach vier gehaltenen Siebenmetern auch noch den Gegenstoß von Bouali beim 23:23 parierte und so die erste Neusser Führung verhinderte. Die SGSH legte noch einmal vor, geriet aber nach dem 24:23 durch Weßeling (57.) doch scheinbar auf die Verliererstraße. Fütterer glich aus, Handschke, der erst spät auftaute, legte zum 24:25 nach. Da waren noch 50 Sekunden zu spielen. Die SGSH lief nach vorne, fand Luciano am Kreis und der nach zwei vorherigen Fehlversuchen gegen den guten Reckzeh den Weg zum Torerfolg: 25:25. Da waren es noch 35 Sekunden. Zwei Sekunden später legte René Witte die grüne Karte zur Auszeit. Einen Auswärtspunkt hatte er da praktisch im Sack, und dann kam doch alles anders, was der SGSH umso besser gefiel...

SGSH-Tore: Lutz Weßeling (6/1), Kristian Eskericic (5), Jacek Wardzinski (4), Maciej Dmytruszynski (3), Moritz Eigenbrodt (2), Dominic Luciano (2), Christian Feldmann (2), Bastian Munkel (1), Malte Müller (1)

NHV-Tore: Viktor Fütterer (5), Marcus Bouali (4), Felix Handschke (3), Heider Thomas (3), Dennis Aust (3/1), Philip Schneider (2), Max Murawski (1), Christopher Klasmann (1), Bennet Johnen (1), Markus Breuer (1), Thomas Bahn (1)

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