Das Videomaterial als mentales Hilfsmittel

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In der Abschlussqualität weiter ganz weit vorne: SGSH-Rechtsaußen Achim Jansen.

Schalksmühle - Mateusz Rydz bei der B-Nationalmannschaft in Polen, Christian Feldmann mit seiner lädierten Ferse im Ruhezustand – die einwöchige Spielpause in der 3. Liga West könnte für die SG Schalksmühle-Halver kaum günstiger kommen.

Von Thomas Machatzke

Der stille Feiertag Allerheiligen ist schuld an der kleinen Saisonzäsur, die eigentlich eine Woche zu früh kommt, denn zum Ende des ersten Saisondrittels fehlt noch eine Partie. Die findet für die SGSH am 25. Jahrestag des Mauerfalls beim Lieblingsrivalen Soester TV statt. Auch das passt ganz gut – auf einen Gegner wie Soest bereitet man sich gerne etwas länger vor, wartet doch in der Börde Handball in seiner wildesten Art und Weise.

Mit 12:6-Punkten nach den ersten neun Spielen ist die SGSH bestens aufgestellt. In der Tabelle ist sie damit Fünfter – und wenn Zweibrücken am Samstag und nicht erst im Februar 2015 gespielt und womöglich in Ferndorf verloren hätte, so wäre es eigentlich sogar Platz vier. Sei’s drum: Das interessiert im SGSH-Lager nicht wirklich. Der Sieg in Neuss war da wichtiger. Mathias Grasediek ist in vielen Jahren am Löh zum Spezialisten für diese speziellen Aufgaben mit hoher Blamiergefahr geworden. Doch sein Team blamierte sich nicht, im Gegenteil. So war der Coach nach Spielende in der Halle Hammfeld nicht nur erleichtert, sondern sogar richtig stolz.

Würde man die Leistungen der SGSH in eine Tabelle einordnen, so würde jene in Neuss gewiss einen vorderen Platz belegen. Gegen Ferndorf und in Korschenbroich war die SGSH zum Anfang der Saison vielleicht noch ein bisschen stärker aufgetreten – in Neuss aber war es ein Auftritt, der wenig gemein hatte mit der Magerkost in Wiesbaden, gegen Gladbeck oder in Duisburg.

Alles eine mentale Frage? „Ich habe aus dem Videomaterial von Neuss etwas zusammengeschnitten und den Jungs gezeigt“, erzählte Mathias Grasediek nach dem Spiel, „da haben sie gesagt: Dass ist der Letzte? Vom Video her ist das eher das Beste, was wir bisher gesehen haben.“ So eine Videobotschaft macht vorsichtig und aufmerksam. Dinge, die sich vor allem in der Abwehrarbeit extrem auszahlten. Die beste Defensive der Liga hatte den NHV-Angriff als Herausforderung begriffen – und die Aufgabe gemeistert.

Defensiv-Entdeckung Malte Müller

Die beste Defensive der Liga hatte zudem eine Neuentdeckung zu bieten: Malte Müller feierte wegen des Feldmann-Ausfalls seine Premiere auf der vorgezogenen Position. „Den Part hat er erst am Donnerstag erstmals trainiert“, staunte Co-Trainer Axel Meyrich. Müller hatte die ihm aufgetragenen Dinge mit viel Intuition stark umgesetzt und so Sand ins mitunter etwas gröbere Angriffsgetriebe der Neusser gestreut. Jener Neusser, die so viel Potenzial mitbringen und doch bisher in dieser Saison so wenig daraus machen. Allein die Wurfkraft von Spielern wie Klasmann, Cosic oder Bahn könnte manchen Trainer der Liga neidisch an den Niederrhein schauen lassen. Doch diese Werfer brauchen stets auch das dienende Personal, das sie in Wurfposition bringt – jene Akteure, die man gemeinhin Spielmacher nennt, die aber im NHV-Kader komplett fehlen. Ohne Spielmacher spielt es sich nicht so rund und erfolgreich – auch deshalb ist es gut, dass es für die SGSH erst am 9. November weitergeht. Ohne Feldmann und Rydz und mithin ohne Regisseur nach Soest zu fahren, es wäre ein Himmelfahrtskommando.

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