Remis im Abstiegskrimi

SGSH kündigt nach Remis Protest an

+
Abstiegskampf mit allen Mitteln: Hier kämpft die vereinigte NHV-Defensive gegen Dominic Luciano.

NEUSS – Es war ein nervenaufreibender Abstiegskrimi, an dessen Ende eine gewiss nicht ungerechte Punkteteilung stand: Der Neusser HV und die SG Schalksmühle-Halver trennten sich am Samstagabend vor 415 Zuschauern in der Sporthalle im Hammfeld mit einem 26:26 (11:8)-Unentschieden. Der SGSH war dies gefühlt trotzdem zu wenig – vor allem, weil man sich vor dem Wechsel um ein Tor betrogen fühlte.

Von Thomas Machatzke

Die Szene, die für viel Aufregung sorgte: Etwa zehn Sekunden vor dem Halbzeitpfiff erzielte Niklas Polakovs eigentlich ein blitzsauberes Tor. Der Ball schlug in der kurzen Ecke neben dem Pfosten ein – und fand danach den Weg durch ein Loch im Tornetz an die Hallenwand. Die Schiedsrichter Jan Grell und Raphael Pieper gingen so davon aus, dass der Ball nebens Tor gegangen war, ließen das Spiel laufen – mit der Konsequenz, dass im Gegenzug Simon Schlösser zum 11:8 traf. 11:8 statt 10:9 – da kochten die Gemüter im SGSH-Lager, während die Gastgeber schnell das Loch im Netz stopften. Trainer Mathias Grasediek und der SGSH-Vorsitzende Ken Börner kündigten nach dem Spiel aufgrund dieser Szene, die das Video vom Spiel belegen dürfte, einen SGSH-Protest an.

Fernab dieser Szene und des möglichen Nachspiels am grünen Tisch bot der Abend im Hammfeld einen in der Tat rassigen Abstiegsfight. Vor dem Wechsel dominierten diesen Fight zwei richtig starke Abwehrreihen. Die SGSH baute eine Art Sauerländer Mauer auf – über Oberste, Luciano und Dmytruszynski fanden die Gastgeber zumeist keinen Weg. Mit Ausnahme eines Spielers: Der Ex-Westerholter Christopher Klasmann war schon in der ersten Hälfte der Akteur, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückte. Während Thomas Bahn bis zu seiner roten Karte nach dritter Zeitstrafe (39.) eine Partie spielte, die man sich unglücklicher kaum vorstellen konnte, und dem neuen NHV-Kroaten Bruno Kozina nach gutem Start auch gar nichts mehr gelang, nahm sich Klasmann immer dann, wenn wieder einmal Zeitspiel drohte, den Ball, warf und traf. Es war Handball ganz einfach – und die SGSH, die sonst defensiv so vieles richtig machte, fand gegen einen Ausnahmekönner mit Sahnetag einfach kein Mittel.

Defensiv machten die Neusser in Halbzeit eins auch vieles sehr gut – im Kontrast zum 6:0-Beton der SGSH deckte der NHV sehr offensiv und mit schnellen Beinen. Die SGSH fand dagegen in der ersten Halbzeit nicht nachhaltig die richtigen Mittel. Bis zum 5:6 (20.) war der Gast trotzdem auf Kurs. Mit den ersten Wechseln bei der SGSH – Polakovs rückte in den linken Rückraum und agierte zunächst unglücklich – kippte die Partie aber zum 9:6 (25.). Es war die schwächste Phase des Gastes. Das Finale der ersten Hälfte hatte der SGSH zwar ein bis zwei Tore gekostet – mental war sie indes ein Katalysator für eine noch deutlich bessere zweite Hälfte.

Starker Christian Feldmann

Vor allem offensiv legte ein nun wild entschlossener Jetzt-erst-recht-Gast mächtig zu. Feldmann hatte in der Schaltzentrale so viel Zugriff aufs Spiel wie selten in dieser Saison, Diehl und Dmytruszynski nutzten leidenschaftlich jede Lücke. Es war ein starker SGSH-Auftritt, aber es blieb auch ein überragender Klasmann-Auftritt. Und so blieb es eng mit wechselnden Vorteilen. Auf der Zielgeraden schien die SGSH auf dem besten Weg (20:22, 53.; 22:24, 55.), doch beim 25:24 (58., Klatt) und 26:25 (59:05, Simon Schlösser in Unterzahl) hatte wieder der NHV vor einer nun komplett stehenden Anhängerschaft die Nase vorn.

Im Gegenzug gelang Malte Müller das 26:26 – Todtenhöfer musste zudem auf die Strafbank. Fast 40 Sekunden blieben dem Gast in doppelter Überzahl. Doch die Neusser hatten den Ball und spielten die Zeit bis fünf Sekunden vor dem Ende herunter. Der finale Ballgewinn brachte der SGSH nach einer Auszeit zwar noch eine letzte Chance – die aber vergab Florian Diehl. Und so wurden die Punkte – zumindest vorläufig bis zu einer möglichen Sportgerichtsverhandlung – geteilt.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare