Das krasse Gegenstück zur Niederrhein-Fahrt

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Trainergespräch: Mathias Grasediek und Florian Kehrmann.

Schalksmühle - Die ersten Aufgaben der Saison waren keine dankbaren gewesen, aber sie hatten das Potenzial gehabt, nachträglich zu dankbaren zu werden. Nichts zu verlieren, viel gewonnen: Sieg gegen Ferndorf, Sieg in Korschenbroich – wer hatte schon damit gerechnet im Lager des Handball-Drittligisten SG Schalksmühle-Halver? Die Saisonpremiere am Löh dagegen war in vielfältiger Weise eine undankbare Aufgabe.

Von Thomas Machatzke

Nach Duisburg

Im zweiten Auswärtsspiel der Saison trifft die SG Schalksmühle-Halver am Sonntag in der Sporthalle an der Krefelder Straße in Rheinhausen auf die SG OSC Löwen Duisburg (Anwurf 16 Uhr). Im Ruhrpott wartet eine undankbare Aufgabe – die Förderer-Schützlinge stehen nach drei knappen Niederlagen noch ohne Punkt da. Die SGSH reist nicht komplett nach Duisburg: Co-Trainer Axel Meyrich, der am Sonntag 46 Jahre alt wird, fehlt urlaubsbedingt. Ihm will das Team den dritten Sieg in der laufenden Saison schenken.

Viel ist über die Zuschauerzahlen an den beiden SGSH-Heimspielstandorten diskutiert worden. Die „nur“ 350 Zuschauer waren da Wasser auf die Mühlen derjenigen, die dem Standort Halver die größere Attraktivität und Zuschauerresonanz zusprechen. Aber nur auf den ersten Blick. Stadtfeste in Kierspe und Lüdenscheid als Konkurrenz, dazu ein Gegner, dessen Anhang in zwei PKWs Platz gefunden hätte – dafür waren die 350 Zuschauer eine ordentliche Kulisse. Zumal es gewiss nicht an der Stimmung lag, dass die SGSH auf der Zielgeraden leer ausging.

„Wenn wir so eine Chance bekommen wie beim 31:30, wenn dann noch dieser doppelt gehaltene Siebenmeter uns so in die Karten spielt, dann spricht doch alles für uns“, stellte Mathias Grasediek fest, „dann müssen wir so etwas gegen eine so junge Mannschaft routinierter zu Ende spielen.“ Tatsächlich war am Samstagabend aus dem 31:30 ein 31:35 geworden – mit Happyend für den Gast aus dem Lipperland.

Pöhles enorme Qualität

Sportlich undankbar war sie, diese Aufgabe gegen ein Team von ebenso jungen wie bestens ausgebildeten und maximal motivierten Ostwestfalen. Die enorme Qualität im HSG-Rückraum stellte die SGSH vor neue Aufgaben. Shooter eines Kalibers von Georg Pöhle hatte es in den ersten beiden Spielen nicht gegeben, selbst ein Linkshänder wie Vorlicek hätte beiden Auftaktgegnern der SGSH gut zu Gesicht gestanden. In der Mitte verdichten, den Kreis zustellen – das reichte nicht gegen diesen Gegner. Was die Frage aufwarf, ob die Defensive tatsächlich so viel schlechter war als in Korschenbroich oder der Gegner an diesem Tag zwei Nummern besser.

"Worüber ich so enttäuscht bin in dieser ersten Halbzeit, ist die Tatsache, dass all das schief gegangen ist, was wir die ganze Woche besprochen haben“, sagt Grasediek, „wir wussten, dass dieser junge Gegner die Bälle nicht mit hohem Tempo in der Bewegung bekommen darf. Da müssen wir das Tempo rausnehmen. Und dann hinterläuft uns Leif Anton auch noch dreimal...“ Kopfschütteln.

SGSH verliert 33:35 gegen HSG Lemgo II

So war Lemgo ein wenig auch in der Frage der Vorbereitung das negative Gegenstück zu Korschenbroich. Am Niederrhein war all das gut gegangen, worauf sich die SGSH konzentriert hatte. „Wenn die Jungs sehen, dass die Dinge klappen, wächst auch das Vertrauen, die Dinge umzusetzen“, hatte Grasediek noch vor einer Woche zufrieden festgestellt. Gegen Lemgo nun klappte all das nicht – und das Team war letztlich nicht in der Lage, im Spiel den Hebel umzulegen, die Dinge im Defensivbereich selbst im Detail so nachzujustieren, dass es Besserung gegeben hätte. Der Positionsverteidiger gegen Pöhle war in diesem Kontext die ultima Ratio – der Systemwechsel.

Keine Kritik an Keepern

Mit der Niederlage verpasste die SGSH den möglichen Sprung auf Platz eins. Derlei interessiert Mathias Grasediek nicht, wohl aber ärgerte ihn die verpasste Chance – selbst wenn das Team aus Lemgo am Löh eine sehr gute Performance hinlegte, war die SGSH-Niederlage nicht zwangsläufig. Schon eine durchschnittliche Torwartleistung hätte am Samstagabend wohl zum Heimsieg gereicht.

Kein Zugriff: Hier versuchen die SGSH-Neuzugänge Tobias Fleischhauer (links) und Mateusz Rydz (rechts) mit vereinten Kräften Philipp Vorlicek zu stoppen – aber es gelingt nicht.

Aber Torwartkritik gab es nach einem Torwartduell auf ungewohnt niedrigem Niveau weder hüben noch drüben. Während Mathias Grasediek eher die Abwehr in die Verantwortung nahm („Sie haben den Torhütern nicht geholfen.“), sah es Weltmeister Florian Kehrmann nach den finalen Paraden von Felix Hendrich, die das Spiel entschieden, pragmatisch: „Ich sage den Keepern immer: Mir ist egal, was ihr im Spiel haltet – aber die entscheidenden müsst ihr haben!“ Dem war am Samstag nichts hinzuzufügen.

Der dritte Spieltag in der Übersicht

Nach drei Spieltagen gibt es in der 3. Liga West kein einziges Team, das drei Siege auf seinem Konto hat: Der Sieger des Wochenendes war damit eine Mannschaft, die gar nicht gespielt hat. Der VfL Eintracht Hagen trägt sein Heimspiel gegen Wiesbaden erst 2015 aus und ist nach den Niederlagen von Leichlingen (überraschend in Korschenbroich), der SGSH und Minden II (gegen den TuS Ferndorf) mit 4:0-Zählern das einzige Team ohne Verlustpunkt.

Von der Spitze des Klassements grüßt derweil die HSG Krefeld: Gegen den Neuling aus Ratingen siegten die Mast-Schützlinge 33:27 und weisen nun 5:1-Zähler auf. Damit sind die hoch gewetteten Ratinger nach drei Spielen weiterhin ohne Punkt. Das haben sie nur noch mit dem nächsten SGSH-Gegner, der SG OSC Löwen Duisburg, gemein. Die Löwen aus dem Ruhrpott verloren knapp bei den Löwen aus der Rheinpfalz, dem SV 64 Zweibrücken.

Für den Aufsteiger aus Zweibrücken war es nach dem Coup in Lemgo bereits der zweite Sieg in Folge. 4:2-Punkte weist die junge Mannschaft auf. Genau wie der VfL Gladbeck. Auch die Deffte-Sieben war am hinteren Ende des Klassements erwartet worden und feierte dank toller Moral einen Sieg beim Aufsteiger in Soest. Eine Dreiviertelstunde hatten die STV-Handballer wie der Sieger ausgesehen, dann aber drehte der VfL um einen erneut starken Max Krönung die Partie noch. Die Spiele ohne SGSH-Beteiligung nachfolgend im Stenogramm:

TV Korschenbroich – Leichlinger TV 30:29 (16:13) – TVK-Tore: Marcel Görden (7/1), Michael Mantsch (7/2), Philipp Liesebach (5), Christoph Gelbke (4), Max Zimmermann (4), Tom Wolf (3/1) – LTV-Tore: Tim Hilger (10/3), Valdas Novickis (5), Felix Janssen (5), David Kreckler (3), Henning Padeken (3), Dirk Schumacher (2), Patrick Ranftler (1)

SV 64 Zweibrücken – SG OSC Löwen Duisburg 25:23 (14:13) – SV-Tore: Florian Enders (6), Jerome Müller (6), Benni Zellmer (6), Aris Wöschler (5), Kubo Balaz (2) – Löwen-Tore: Kevin Christoph Brüren (5), Dennis Backhaus (5), Felix Handschke (5/3), Marcel Giesbert (4), Christian Ginters (1), Sebastian Janus (1), Lukas Plaumann (1), Sebastian Schneider (1)

TSV GWD Minden II – TuS Ferndorf 25:31 (13:18) – GWD-Tore: Gordon Gräfe (5), Marten Franke (4/4), Marian Michalczik (4), Lucas Schneider (3), Artjom Antovevitch (3), Julien Knickmeier (2), Jan-Eric Speckmann (2), Sebastian Bagats (1), Jannik Jungmann (1) – TuS-Tore: Julian Schneider (5), Daniel Mestrum (5), Simon Breuer (5/4), Niklas Weis (4), Bennet Johnen (4), Moritz Barkow (4), Kevin John (2), Niklas Reuter (1), Heider Thomas (1)

Soester TV – VfL Gladbeck 31:34 (16:15) – STV-Tore: Max Loer (8/4), Dirk Hartmann (7), Torben Voss-Fels (6), Yannick Eckervogt (4), Kevin Bekel (2), Tobias Rückert (2), Benedikt Haake (2) – VfL-Tore: Max Krönung (9/2), Thorben Mollenhauer (8), Björn Sankalla (4), Heiko Brandes (4), Florian Bach (3), Lukas Krings (2), Sebastian Dreiszis (2), Frederik Steinbach (2)

HSG Krefeld – SG Ratingen 33:27 (14:17) – HSG-Tore: Andre Loschinski (7), Thomas Plhak (6/5), Marc Pagalies (5), Maik Schneider (4), Hannes Hombrink (4), Gerrit Kuhfuß (3), Michael Wittig (1), Stephan Pletz (1), Thomas Pannen (1), Tim Gentges (1) – SG-Tore: Sebastian Bartmann (4), Mike Schulz (4/3), Ben Schütte (4), Dominic Kasal (4), Johann Oesterwind (3), Nikolai Lenz (3), Arthur Giela (3), Damian Janus (2)

VfL Gummersbach II – Neusser HV 24:24 (15:10) – VfL-Tore: Srdjan Predragovic (6), Marc Strohl (6), Robin John (5), Tobias Schröter (3/1), Alexander Arnold (2), Till Margraf (2) – NHV-Tore: Dennis Aust (7), Thomas Bahn (6), Ivan Cosic (5), Viktor Fütterer (2), Ceven Klatt (2), Markus Breuer (1/1), Christopher Klasmann (1)

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