Der erste Sieg 2014

Ein 40-Jähriger lässt den Knoten platzen

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Der Held des Abends in den Armen der beiden Rotsünder des Abends: (von links) Daniel Krüger, Mareks Skabeikis und Jan Stuhldreher.

Halver – Siegen kann so schön sein – erst recht, wenn einem dieses Gefühl nach drei Monaten und einem Tag ohne Sieg abhanden gekommen ist: Als die SG Schalksmühle-Halver am Samstagabend vor 600 Zuschauern an der Mühlenstraße die SG OSC Löwen Duisburg 27:25 (12:14) niedergerungen hatte, sanken die einen zu Boden, andere lagen sich in den Armen. Später wurde ausgelassen getanzt. Und der Anhang feierte das Team mit Standing-ovations. Die Saisonpunkte 16 und 17 bescheren der SGSH nach dem Gladbecker Sieg gegen Korschenbroich weiterhin drei Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.

Auch der erste Drittliga-Erfolg im Kalenderjahr 2014 war für die SGSH keiner, der leicht zu Stande gekommen wäre. Im Gegenteil. In den ersten 30 Minuten waren die Schützlinge von Jörg Förderer das bessere Team. Und zwar gefühlt sogar viel deutlich besser als es das 14:12 zur Pause aussagte. Bei den Gastgebern, die ohne Herzog (krank) und Brauckmann (verletzt) angetreten waren, musste Florian Diehl (krank) schnell passen, Maciej Dmytruszynski fand auch nicht in die Partie. So war es in den ersten 30 Minuten vor allem einem zu verdanken, dass die Gastgeber gegen einen starken Gast im Spiel blieben: Mareks Skabeikis hielt einen Tag nach seinem 40. Geburtstag all das, was zu halten war und darüber hinaus noch zahlreiche eigentlich nicht haltbare Bälle. Er steckte einen Wernicke-Kopftreffer weg. Er war für die SGSH der Mann des Spiels.

Trotzdem ging es mit einem 12:14 in die Pause – weil die SGSH die schnellen Außen des Gastes ebenso wenig in den Griff bekam wie Goalgetter Felix Handschke. Und vorne blieb vieles erfolglos, weil viel zu ängstlich. Auch Gästekeeper Matthias Broy kam so in Halbzeit eins auf eine formidable Quote. Hinzu kam, dass die SGSH aus ihren Überzahl-Situation anders als der Gast kaum Kapital zu schlagen wusste. Es waren nicht die 30 Minuten, die übermäßig Hoffnung machten. Aber es kamen noch 30 weitere...

SGSH feiert gegen OSC Löwen Duisburg den ersten Sieg 2014

Mathias Grasediek justierte nach und hatte damit Erfolg. Der Positionsverteidiger gegen Felix Handschke nahm den Gästen ein wenig den Spielfluss. Zudem fand nach der Pause Marc Oberste auch in der Offensive als Ersatz für Dmytruszynski, der nun 30 Minuten zuschaute, sehr gut in die Partie und entlastete so den starken Jan Stuhldreher, der schon vor dem Wechsel mit seinem unbändigen Zug zum Tor offensiv die meisten Akzente gesetzt hatte. Oberste traf dabei nicht nur aus dem Feld – er behielt auch vom Siebenmeterpunkt die Nerven, und zwar in 100 Prozent aller Fälle. Das zählte zu jenen Kleinigkeiten im Gesamtmosaik, die die SGSH schließlich nach vorne brachten.

Oberste: Sechs Tore in neun Minuten

Bis es soweit war, zogen die Löwen allerdings zunächst einmal auf 16:19 (42.) davon. In der Zwischenzeit hatte Daniel Krüger die rote Karte gesehen (33:31). Es war eine berechtigte rote Karte – ob sie allerdings Daniel Krüger verdient hatte oder doch eher Dominic Luciano, darüber gingen die Meinungen am Ende auseinander. Krüger hatte den einlaufenden Außen Nils Artmann verfolgt und in Luciano hineingeschoben. Der Aufprall war unsanft, Artmann riss es fast den Arm heraus.

Nach dem 16:19 brach die große Zeit des Marc Oberste richtig an: Binnen neun Minuten erzielte er bis zum 23:21 (51.) sechs der sieben SGSH-Treffer. Es war eine Phase, in der die Gäste zu viele leichte Fehler machten. Es war aber auch die Phase, in der aus einer Sporthalle ein Hexenkessel wurde. Und auch Letzteres zählte zu den Kleinigkeiten, die die SGSH gegen einen unvermindert ehrgeizig zurückfightenden Gast benötigte. Das Überzahl-Spiel dagegen blieb ausbaufähig. So blieb die Partie eng.

Stuhldreher büßt für Feldmanns Foul

Buffs 26:25 (57.) folgte die zweite rote Karte des Abends. Und während man bei der ersten streiten durfte, ob es den richtigen Spieler getroffen hatte, war es im zweiten Fall ziemlich eindeutig, dass sich Jürgen Aniol und Udo Boeken geirrt hatten: Nach der schnellen Mitte lief Marcel Wernicke in die Doppelfaust Christian Feldmanns. Die Referees aus Düsseldorf zeigten stattdessen Nebenmann Jan Stuhldreher die rote Karte (57:18).

Zwei Auszeiten und einen Ginters-Fehlwurf später hatte die SGSH den Ball, da waren noch 90 Sekunden zu spielen. In Unterzahl verloren die Gastgeber das Spielgerät wegen Zeitspiels. Erinnerungen an die Heimspiele gegen Ferndorf und Korschenbroich wurden wach. Es brauchte einen Akteur, der sich hinstellte und den Lauf der Dinge einfach aufhielt. Und dieser Akteur fand sich, was eine durchaus treffliche Schlusspointe für einen unheimlich intensiven Handballabend war. Es war das Geburtstagskind des Vortags.

Heimannsfeld und Handschke scheitern vom Punkt

Die Löwen erhielten per Siebenmeter die Ausgleichschance – da waren noch eine Minute und drei Sekunden zu spielen. Heimannsfeld hatte vorher viermal vom Punkt verwandelt. Doch in diesem ganz besonderen Moment entschied Mareks Skabeikis das Duell für sich. Die Halle brodelte – erst recht, als im Gegenzug Dennis Hermann mit seinem einzigen Tor des Tages das 27:25 warf. Alles entschieden? Mitnichten – schnelle Mitte Duisburg, der nächste Siebenmeter, und noch immer 29 Sekunden auf der Uhr. Diesmal trat Felix Handschke an. Aber auch er musste die Erfahrung machen, dass 40 Jahre kein Alter für einen Torhüter ist. Skabeikis parierte erneut, sein dritter gehaltener Siebenmeter an diesem Abend und das Ende aller Zweifel am ersten SGSH-Sieg 2014. Der Rest war ein rot-weißes Jubelfest.

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