Der Torkrösus der gesamten Republik

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Ohne Wenn und Aber ein großer Gewinn: Jacek Wardzinski.

Schalksmühle - Zwei Südwestfalen auf der Überholspur. Zwei Neulinge, denen allmählich die Hoffnung abhanden zu kommen droht. Und eine SGSH, die nicht sorgenfrei, aber doch sehr viel sorgenfreier als noch vor zwölf Monaten Weihnachten feiern darf. Das alles hat die Hinrunde in der 3. Liga West der Handballer mitgebracht. Eine Annäherung im Rückblick.

Von Thomas Machatzke

Die Meisterfrage

Hagen oder Ferndorf? Ferndorf oder Hagen? In der Meister-Lotterie scheinen vor dem Start in die Rückserie nurmehr zwei Kugeln zu sein. Die übrigen Bewerber für einen Topplatz kämpfen zwar noch um einen Topplatz, aber wahrscheinlich geht es dabei eher um den dritten Platz auf dem Treppchen. Sowohl an der Stählerwiese in Kreuztal als auch am Ischeland in Hagen ist so viel Qualität versammelt worden, dass die Liga auf Dauer in Sachen Konstanz kaum mithalten kann. Die Ferndorfer haben dabei sogar den 0:4-Punkte-Fehlstart mit den Niederlagen in Halver und gegen Leichlingen weggesteckt. Die Hagener marschierten und marschierten zu Beginn und sammelten sich dann ein paar Minuspunkte ein. Ein Pünktchen trennen die Südwestfalenrivalen. Wenn der Rest der Liga eingreifen will, müsste es mehr als nur einen Ausrutscher geben. Allerdings hat es an beiden Top-Standorten unwillkommene Gaben zum Fest gegeben: Die Eintracht hat nach der Knieverletzung von Tobias Mahncke (Verdacht auf Kreuzbandriss) ein kleines Torwartproblem. In Ferndorf gibt es nach dem langfristigen Ausfall von Niklas Weis (Kniescheibenfraktur) keinen Linkshänder mehr im Rückraum. Dinge, die der Konkurrenz ein wenig Hoffnung geben. Letztlich wohl wirklich nur ein wenig.

Die Abstiegsfrage

Die HSG Wiesbaden hat ihre Heimspiele gegen Soest und die SGSH gewonnen. Wenn man es genau nimmt, hätte sie auch gegen die SGSH eigentlich kaum gewinnen dürfen, so aussichtslos wie sie zurücklag. Wenn man aus diesem Spiel auf die Saison rückschließen will, dann gibt es noch Hoffnung für den Tabellenletzten. Der Abstand zum rettenden Ufer beträgt für die Hessen, die so viele Kilometer gereist sind und dafür noch nicht einen Auswärtspunkt geholt haben, aber schon sieben Punkte. Schwierig... Auch in Soest beim zweitschlechtesten Neuling sind die Perspektiven eher düster: Fünf Punkte Rückstand zum viertletzten Platz bei nur sechs Punkten, die die Börderstädter geholt haben. Das ist viel. Gegen die SGSH hatte der STV eher einen Sieg verdient als Wiesbaden. Wenn man so will, ist das Lohse-Team eine Art Beweis dafür, wie stark die Liga ist. Denn wie ein Absteiger hat der STV häufig nicht gespielt – und steckt trotzdem ganz tief im Schlamassel. Drittletzter nach der Hinserie ist der VfL Gummersbach II. Der Abstand ist noch nicht so groß, vor allem aber darf die WM-Pause der Konkurrenz im Keller ein wenig Sorgenfalten machen. Im Oberbergischen dürfte in dieser Zeit versucht werden, das Schiff auf Kurs zu bringen. Das bedeutet: Selbst wenn Wiesbaden und Soest sich als Absteiger aufdrängen – der dritte Abstiegsplatz scheint lange noch nicht vergeben. Im Gegenteil. Aufgedrängt für diesen Rang hat sich bisher noch niemand. Weil dies so ist und man mit Gummersbach wohl rechnen muss, darf sich auch im breiten Mittelfeld kaum ein Team sicher fühlen. Eine spannende Konstellation für die zweiten 15 Spieltage der Saison.

Zahlen, Daten, Fakten

Wenn man es ganz genau nimmt, ist die erste Halbserie noch nicht abgeschlossen. Hagen muss noch ein Spiel in Wiesbaden nachholen, Zweibrücken eines in Ferndorf. Darf man also einen Blick auf die Zahlen werfen angesichts dieser beiden ausstehenden Spiele? Man darf! Die 3. Liga West ist der Torkrösus unter den 3. Ligen im DHB. Fast 57 Tore sind im Schnitt pro Spiel gefallen – das ist immerhin rund ein Tor mehr als in den drei anderen Staffeln. Dafür ist die Zahl derer, die diese Tore sehen wollen, nicht so hoch wie bei der „Konkurrenz“: In der Weststaffel kamen bisher 44 325 Zuschauer zu den 118 Spielen. 375 Zuschauer pro Spiel im Schnitt. Diese Zahl liegt niedriger als im Osten (406), im Süden (417) und im Norden (507). In der Weststaffel gab es in 118 Spielen 61 Heimsiege, 49 Auswärtserfolge und nur acht Unentschieden. Für die SGSH war das 31:31 gegen Minden II das erste Unentschieden in der Saison. Heimfestungen sind bundesweit am ehesten in der Oststaffel zu Hause (75 Heimsiege), im Norden scheint es dagegen fast egal zu sein, ob man daheim (55 Siege) oder auswärts (51 Siege) antritt. Der Norden ist dafür bei den Zeitstrafen (1088) spitze, im Westen gab es dagegen mit 935 Zwei-Minuten-Strafen den geringsten Wert (weniger als acht Strafen pro Spiel). Zeitstrafenkönig der Hinrunde im Westen ist übrigens der Leichlinger Kreisläufer Felix Janssen (19), gefolgt von Lemgos Georg Pöhle und Damian Janus (Ratingen, beide 18). In diesem Ranking liegt Maciej Dmytruszynski von der SGSH mit 16 Zeitstrafen auf dem sechsten Platz.

Die SGSH-Bilanz

Mit 17:13-Zählern hat sich die SGSH im zweiten Jahr in der 3. Liga West in der ersten Tabellenhälfte etabliert. Genau das ist das erklärte Ziel der Verantwortlichen gewesen – eine Spielzeit ohne so extreme Abstiegssorgen wie in der Vorsaison. Auch wenn die Zwischenbilanz die SGSH nicht sorglos machen wird (der Blick geht immer auf die Konkurrenz im Keller), so hat die SGSH doch auf jeden Fall einen Qualitätssprung vollzogen. Das Konzept schien vor allem in der ersten Hälfte der Hinrunde aufzugehen. Gestützt auf ein ausgezeichnetes Torwartduo und eine starke Abwehr, die lange Zeit die beste der Liga war (die zuletzt 1:7-Punkte mit weniger guten Deckungsvorstellungen haben dies aufgeweicht), ist die SGSH über vermehrtes Tempospiel erfolgreich gewesen. Gerade auf den Außenbahnen hat sich der Kader als deutlich stärker gezeigt als in der Vorsaison. Doch die SGSH hat auch weiter ihre Baustellen. Im aufgebauten Angriff – auch das hat die Hinserie gezeigt – fehlt es mitunter an Durchschlagskraft aus dem Rückraum. Die SGSH hat weiter nicht den Spieler in ihren Reihen, der gegen 6:0-Abwehrreihen Spiele im Alleingang entscheidet. Ihn zu finden und zur SGSH zu locken – das bleibt eine der Aufgaben für die Zukunft.

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