Handball

SGSH Dragons III in Feierlaune sind im Altkreis Lüdenscheid die Ausnahme

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Meisterfeier in Corona-Zeiten: Die Handballer des Kreisliga-A-Meisters SGSH Dragons III – jeder feiert für sich, und doch als Team...

Kreisgebiet – Wie feiert ein Meister in Corona-Zeiten? Die Spieler, Trainer und Betreuer der SGSH Dragons III machen es im Internet vor. Der Verein hat eine Collage erstellt, auf der alle Beteiligten lachen, jubeln, ein Bier trinken – im Garten, im Wohnzimmer, auf dem Liegestuhl in der Sonne. Jeder für sich, und doch ein Team.

Die Drittvertretung der SGSH Dragons ist Meister der Kreisliga A im Handballkreis Lenne-Sieg geworden und damit in die Bezirksliga Südwestfalen aufgestiegen. Der Saisonabbruch hat in diesem Kontext keine Rolle gespielt – die Jungs von Alexander Druskus waren so dominant bis zur Pause, dass niemand daran zweifelt, dass dieser Aufstieg ein hochverdienter ist. Auch der Kreisvorsitzende Klaus Krass, als Trainer der HSG Lennestadt-Würdinghausen direkter Gegner der Dragons, lobte das Team über den grünen Klee.

Die Geschichte der SGSH Dragons III ist im Männerhandball die Erfolgsgeschichte im Altkreis Lüdenscheid der durch die Corona-Pandemie abgekürzten Spielzeit. Und sonst? Der Status quo vor Corona? Nüchtern betrachtet war es eine eher durchwachsene Saison im Altkreis.

Dragons und HSV im „grünen Bereich“

Das Flaggschiff in der 3. Liga Nord-West, die SGSH Dragons, hat mit Platz vier zwar das Vorjahresergebnis (Vizemeister) verpasst, seine Stellung als Verein in der Handballregion aber doch zementiert. Die Verbandsliga-Reserve bleibt von der Klassenzugehörigkeit her zweitstärkstes Team im Kreis. Trotz holpriger Wochen, die auch den immer neuen Kader-Basteleien und der nicht geplanten Drittliga-Belastung für Trainer Mark Dragunski geschuldet waren, hat das junge Team die Saison unbeschadet überstanden und die Klasse gesichert. Mit der Drittvertretung in der Bezirksliga sind die Dragons nun optimal aufgestellt für die Zukunft, haben auch eine breite Nachwuchsbasis im Verein.

Irgendwann hinter den Dragons kommt die HSV Plettenberg/Werdohl. Nach dem Abstieg ist die Konsolidierung als stärkster Altkreisverein in der Landesliga gelungen, die Reserve hat in der Kreisliga A keine Sorgen gehabt, die B- und C-Junioren sind auf Verbandsebene zu Titelehren gekommen. Auch im Lennetal darf die verkürzte Saison als sehr ordentliche verbucht werden. Allerdings durchaus vor dem Hintergrund, dass der Verein vor nicht allzulanger Zeit von der Verbands- in Richtung Oberliga schauen wollte. Davon ist man weit, weit entfernt.

Das Problem: Es gibt zwar einige richtig gute Talente im Altkreis – allerdings längst nicht mehr in der Häufigkeit wie früher. Handball ist abseits von Dragons und HSV ein Stück weit zum Randsport verkommen. Das ist nicht nur kritisch für diejenigen, die den Mangel verwalten müssen, sondern auch für die Branchenführer, die in der Nachbarschaft kaum mehr Spieler finden werden, die weiterhelfen können.

Die HSG Lüdenscheid, die in den vergangenen Jahren arg in der Jugendarbeit nachgelassen hat, hat nur durch den Corona-Abstiegs-Gnadenerlass den freien Fall stoppen können. Erst- und Zweitvertretung beenden die Saison als Schlusslichter. Eigentlich wäre der Verein nur noch ein Bezirksligist – die einst so stolze HSG mit einer Oberliga-Vergangenheit voller Ambitionen und Träume. Trainer Stephan Nocke, der als Feuerwehrmann in dieser Saison nichts Entscheidendes mehr bewirkte, bekommt eine neue Chance. Es wäre für den Handball im Altkreis gut, wenn die HSG die Kurve bekäme und man in der Bergstadt auch wieder vermehrt den Nachwuchs an den Handball heranführen könnte. Gute Ansätze gibt es im Jüngstenbereich immerhin.

Die TS Evingsen hat dieselbe Gnade, die der HSG zuteil wird, ausgeschlagen und will in der Bezirksliga neu anfangen. Das mag eine vernünftige Lösung für die Burgstädter sein, die sich im Frauen- und Jugendbereich gemeinsam mit Ihmert mehr und mehr in den Kreis Iserlohn/Arnsberg orientiert haben. In der Bezirksliga trifft die TSE auf einen TuS Linscheid, der den „freien Fall“ nach erheblichem personellem Aderlass während der Spielzeit durch das Corona-Saisonende noch stoppte und doch noch die Klasse hält. Womit die Linscheider für die Zukunft allerdings ihr Team liga-tauglich bekommen werden, ist eine interessante Frage, denn bei allgemeiner Ressourcen-Knappheit suchen alle Vereine nach Ergänzungen und Verstärkungen. Auch die Sport Union Altena, die nach einer sorgenfreien Saison in der Kreisliga A wichtige Spieler verloren hat und sorgenvoll in die Zukunft schaut.

Der Altkreis Lüdenscheid könnte in der neuen Kreisliga A mit der SU Altena, dem TuS Grünenbaum, der HSV Plettenberg/Werdohl II, der HSG Lüdenscheid II, der SG Kierspe-Meinerzhagen (Vizemeister der Kreisliga B Nord) und dem TuS Linscheid-Heedfeld II (Meister der Kreisliga B Nord) sechs Mannschaften stellen. Doch auch beim TuS Linscheid-Heedfeld hat man sich Bedenkzeit ausgebeten. Reicht das Personal?

Und so fällt nun der Vorhang, aber viele Fragen bleiben offen. Natürlich auch die Frage, wann es überhaupt wieder regulär weitergeht für den Kontaktsport Handball. Ist ein Saisonstart Ende August oder Anfang September überhaupt realistisch? Die Funktionäre können planen, doch das Virus ist bei diesen Planungen kein verlässlicher Partner. Es kann alles schnell über den Haufen werfen.

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