Handballkreis: Neuer Ehrenkodex

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Wer für den Handballkreis tätig ist, soll sich verhalten wie ein Vorbild. Das wünscht sich Cornelius Vowinckel jedenfalls.

Lüdenscheid - Der Handballkreis Lenne-Sieg hat sich auf der ersten Sitzung des neuen Vorstandes nicht nur mit Sachthemen, sondern auch mit sich selbst beschäftigt. Das Ergebnis: Alle Vorstandsmitglieder haben bereits oder werden noch einen Ehrenkodex unterschreiben, verpflichten sich, sich klar definierten moralischen Wertvorstellungen gemäß zu verhalten.

„Wir haben uns vor drei Jahren schon einmal mit dem Thema beschäftigt, dann ist das allerdings wieder ein bisschen in den Hintergrund getreten, weil immer wieder andere Dinge dringlicher waren“, sagt Cornelius Vowinckel, 2. Vorsitzender des Kreises Lenne-Sieg. Der Netphener, inzwischen Richter am Oberlandesgericht in Hamm, hat die praktische Umsetzung persönlich vorangetrieben.

Der Landessportbund gibt zum Beispiel für solche Vorhaben Muster vor, doch die sind bei Vowinckel nicht auf so viel Gegenliebe gestoßen. Am Ende ist er im Internet fündig geworden – und zwar beim Niedersächsischen Turnerbund. Der Ehrenkodex der Turner aus dem Norden wird nun auch für die Funktionäre und andere Mitarbeiter des Kreises Lenne-Sieg die Richtung vorgeben. „Ich denke, er passt am besten zu dem, was wir wollen“, erklärt Vowinckel.

Warum ein Ehrenkodex? „So ungewöhnlich ist das nicht“, sagt der 2. Vorsitzende, „in vielen Vereinen gibt es das. Wir als Handballkreis wollen auch, dass unsere Mitarbeiter die moralischen Werte, für die unser Verein steht, vorleben.“ Derlei lässt sich auch umkehren. Der Kreis will nicht, dass seine Vorstandsmitglieder, Trainer und anderen Mitarbeiter in der Arbeit für den Kreis oder auch in anderer Form öffentlich negativ auffallen. In Zeiten sozialer Netzwerke ist so etwas nicht ungewöhnlich. Was zum Beispiel nicht gewünscht wird, sind dort Äußerungen, die eine fremdenfeindliche oder homophobe Einstellung des Mitarbeiters transportieren. Ein Jugendtrainer oder Funktionär, der bei Facebook gegen Ausländer oder Homosexuelle lästert – kein gutes Vorbild…

Unter vielen Absätzen im Ehrenkodex hat der Kreis einen ganz besonders herausgestellt. Darin heißt es: „Ich respektiere die Würde jedes Kindes, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und verspreche, alle jungen Menschen, unabhängig ihrer sozialen, ethnischen und kulturellen Herkunft, Weltanschauung, Religion, politischen Überzeugung, sexueller Orientierung, ihres Alters oder Geschlechts gleich und fair zu behandeln sowie Diskriminierung jeglicher Art sowie antidemokratischem Gedankengut entschieden entgegenzuwirken.“

Wider Überforderung, Doping und Medikamentenmissbrauch

Daneben stellt der Kodex natürlich vor allem klare Vorgaben für den Umgang mit den anvertrauten Kindern und Jugendlichen. In Zeiten, in denen das polizeiliche Führungszeugnis für Übungsleiter zur Selbstverständlichkeit wird, nimmt auch der Kreis seine Mitarbeiter – vor allem die Jugend-Auswahltrainer – in die Pflicht. Erst kürzlich hat ein Fall von Missbrauch eines Jugendlichen durch einen Handball-Jugendtrainer im benachbarten Iserlohn aufgeschreckt. So etwas soll im Kreis Lenne-Sieg niemals passieren. Fairer Umgang mit dem Nachwuchs, keine Überforderung des Einzelnen, kein Doping oder Medikamentenmissbrauch – die Liste der Vorgaben ist lang, und sie ist sinnvoll.

Ein Ehrenkodex ist dabei immer auch etwas, was vieles schriftlich fixiert, was selbstverständlich sein sollte, aber nicht mehr selbstverständlich ist. Der Kreis Lenne-Sieg erwartet von seinen Mitarbeitern – nach dem Vorstand sollen auch die Auswahltrainer den Kodex unterschreiben –, dass sie Vorbilder sein sollen für die Jugend, aber auch für die Erwachsenen im Handballkreis. Und der Vorstand will mit dem Ehrenkodex selbst ein Vorbild sein für Vereine. Menschen, die Verantwortung übernehmen, sollen sensibilisiert werden, dass ihr Handeln nicht beliebig ist. So ist der Ehrenkodex eine Art moderner Handballknigge für den Kreis Lenne-Sieg. Eine gute Idee für die künftige Arbeit im Handballkreis.

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