Handball: 3. Liga West

Ronny und die Qual der Wahl

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Mit Ronny Rogawska hat die HSG aus Korschenbroich einen Trainer geholt, dem der Ruf vorauseilt, ein Kollektiv von Spielern in Summe zu verbessern und zu einem schlagkräftigen Team zu formen.

Schalksmühle - Dieses Handballspiel elektrisiert die Fans beider Lager: Am Samstag spielen in der Krefelder Glockenspitzhalle die HSG Krefeld (24:2-Punkte) und die SGSH Dragons (23:3) im absoluten Topspiel am vorletzten Spieltag der Hinrunde eine Art Endspiel um die Herbstmeisterschaft.

Wer aber wartet da in der Seidenstadt auf die Neff-Sieben? Ein Blick auf den aktuellen Spitzenreiter der 3. Liga West. Eine Überraschung ist die Spitzenposition der Krefelder nicht, im Gegenteil: Für die Konkurrenz in der Liga waren die Krefelder nach ihren Transfers des Sommers der Titelfavorit Nummer eins. Nach dem missratenen Auftakt in Spenge haben die Handballer vom Niederrhein diese Einschätzung mit zwölf Siegen in zwölf Spielen bestätigt. 

Der „Königstransfer“ ist in Krefeld keiner gewesen, der viele Tore generiert, auch keiner, der direkt Tore verhindert: Mit Ronny Rogawska hat die HSG aus Korschenbroich einen Trainer geholt, dem der Ruf vorauseilt, ein Kollektiv von Spielern in Summe zu verbessern und zu einem schlagkräftigen Team zu formen. Das war ihm in Korschenbroich in den vergangenen Jahren vielfach gelungen. 

In Krefeld waren die stark besetzten Ensembles der vergangenen Jahre dagegen zumeist eher hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Was sich für den Dänen geändert hat: Während Rogawska in Korschenbroich zuletzt von Jahr zu Jahr mehr den Mangel verwalten musste, darf der 49-Jährige in Krefeld aus dem Vollem schöpfen. Bisher mit gutem Erfolg. Rogawska ist mithin einigen Ex-Korschenbroichern zum Nachbarn gefolgt. 

Zum Beispiel seinem Kapitän: Marcel Görden war beim TVK unter Rogawska der Schlüsselspieler und ist es nun in Krefeld wieder. Görden (30) ist mit dem TVK zweimal in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Ob ihm das nun auch in seiner Heimatstadt mit der HSG gelingt. An ihm, dem Kreisläufer und Abwehr-Fühungsspieler, soll’s nicht liegen. Er ist im Krefelder Spiel nach wie vor eine unumstrittene Autorität. Im Rückraum liest sich die HSG-Besetzung auch wie eine Art „who ist who“ der vergangenen Drittliga-Jahre. Kevin-Christopher Brüren (25) ist bisher der Top-Goalgetter (85 Saisontore). 

Der Linkshänder warf im vergangenen Jahr Dormagen zum Aufstieg und verabschiedete sich dann in Richtung Krefeld. Simon Ciupinski (29) stieg mit Hagen in die 2. Bundesliga auf. Der Spielmacher hat die SGSH in der Vergangenheit mit seiner Schnelligkeit stets vor Riesenprobleme gestellt. Er wechselt sich im zentralen Rückraum mit Tim Gentges (31), der robusteren Regisseur-Alternative, ab. Im linken Rückraum strahlt der Ex-Leichlinger David Hansen (27) die meiste Torgefahr aus, ein echter Schütze für die leichten Tore aus der Distanz. Für die Alternative Jonas Vonnahme spricht, dass Vornahme ein guter Abwehrspieler ist. 

Der Rückraum wird komplettiert von einem zweiten gestandenen Linkshänder: Henrik Schiffmann (24) – auch ein Ex-Korschenbroicher – ist nach langer Verletzungspause seit zwei Spielen auch wieder an Bord. Auf den Flügeln wird die Qualität nicht weniger: Auf der linken Außenbahn spielt mit Max Zimmermann (28) ein Ex-Torschützenkönig der 3. Liga West, auch ein Ex-Korschenbroicher. Zuletzt stand ihm Dorian Wöstmann (20) in nichts nach. Auf der rechten Außenbahn ragte gegen Ahlen der Este Karl Roosna mit neun Toren heraus. 

Roosna (21), einziger Gastspieler aus dem Ausland, kam über den TuSEM Essen und die Ahlener SG im Sommer nach Krefeld und ist übers Tempospiel eine echte Waffe. Wenn er eine Pause braucht, warten mit Philipp Liesebach und Erik Hampel zwei weitere Linkshänder. Was bei dieser Fülle an Offensiv-Qualität überrascht: Die HSG stellt auch anders als in den vergangenen Spielzeiten die beste Abwehr der Liga (22,5 Gegentore pro Spiele, die Dragons stellen mit 24,1 Gegentreffern im Schnitt die zweitbeste Defensive), kann kompakt 6:0 decken, aber mit dem schlauen Görden auf der Spitze auch ausgezeichnet 3:2:1. 

Im Tor ist der 1,98 Meter Stefan Nippes (32), der für Leichlingen und Emsdetten in der 2. Bundesliga spielte, die Nummer eins. Ihm stehen mit Max Jäger (29) und Paul Keutmann (24) zwei Keeper zur Seite, allerdings ist das sich so gut ergänzende Topgespann Nippes/Ruch im Sommer gesprengt worden, weil es den kleinen Philipp Ruch zum Longericher SC zog. In der Defensive beklagt die HSG vor dem Topspiel zudem einen Ausfall, der schmerzt: Abwehrspezialist Damian Janus fällt nach einer Schulteroperation aus. Gegen Ahlen kompensierte das Team diesen Verlust gut. Im Topspiel hätte Rogawska Janus aber gerne dabei gehabt. Auch ohne Janus wartet indes ein Gegner auf das Neff-Team, der für die Dragons die maximale Herausforderung darstellt.

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