Kommentar

Die Karikatur eines Vorstandes

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Nach 20 Jahren als Trainer am Löh per WhatApp und E-Mail entlassen: Mathias Grasediek.

Eine WhatsApp-Trennung vom Trainerduo nach einem 33:25-Kantersieg im Abstiegskampf - die SG Schalksmühle-Halver machte am Wochenende Schlagzeilen in ganz Westfalen. Ein Kommentar von Sportredakteur Thomas Machatzke:

„Aus den Fehlern lernen, vernünftig miteinander reden, einander zuhören und vor allem wieder gemeinsam für unsere Ziele arbeiten.“ Diese Worte hat die SGSH-Führung am 23. Dezember als Weihnachtsbotschaft auf ihrer Internetseite verbreitet. Es sind Worthülsen. Gelernt hat dieser Vorstand nichts. Drei Monate nach dem Vorstandsdebakel im Nachgang des Volmetal-Spiels hat sich die Führung ein zweites Mal selbst vorgeführt und in der Öffentlichkeit mit der Beurlaubung des Trainerduos Grasediek/Meyrich direkt nach dem Kantersieg gegen Varel ein katastrophales Bild hinterlassen. 

Nach dem immensen Image-Schaden des Oktobers hatte die SGSH eine Image-Kampagne gestartet. Auf der eigenen Internet-Seite findet seitdem eine Art regelmäßige Selbstbeweihräucherung statt. Die SGSH-Familie wird betont, der hohe Wohlfühlfaktor. Neue Kräfte loben die SGSH im Allgemeinen und dann und wann Mark Wallmann im Besonderen. Es ist ein Internet-Auftritt, bei dem immer die Sonne scheint. 

Die Realität ist eine andere, nicht nur dann, wenn das „Tief Mark“ wie am Samstag über den Löh fegt. In der Realität mutet die Situation an wie die Fernsehserie Dallas aus den 80er-Jahren, eine Art Intrigantenstadl um Öl und Geld. Geschäftsführer Mark Wallmann in der Rolle von Fiesling J.R., der für seine Ziele munter intrigiert. Seit Oktober ist er nicht müde geworden, die Arbeit des Trainersduos schlechtzumachen. Kein Kenner des Handballs, aber ein Meister des Hintenherums. Wallmann gelingen außergewöhnliche Dinge. Eine doppelte Beurlaubung per WhatsApp: Das merkt sich ganz Westfalen, und das alte Schalksmühle – die Wiege des höherklassigen Handballs in der Region – wendet sich ab mit Grausen. Wem ist da Verantwortung übertragen worden?

Doch auch der Vorstand der SGSH gibt ein trübes Bild ab. Der 1. Vorsitzende Ken Börner schweigt öffentlich schon länger. Schweigen als Zustimmung? Schweigen als Zeichen von Resignation? Der 2. Vorsitzende Markus Knuth parliert beim Varel-Heimspiel gut gelaunt als Co-Kommentator übers Lokalradio – auch er muss da bereits gewusst haben, was der Abend noch bringen wird. Beide müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie diese Außenwirkung mit ihrem Anspruch an sich selbst in Einklang bringen können. 

Die SGSH ist eine gute Idee gewesen. Der Zusammenschluss war lange das Positiv-Beispiel für Kräfte-Konzentration in Verbindung mit dem Aufbau einer Art familiären Gemeinschaft. Mit einem Vorstand, der mit ruhiger Hand führt – ohne Hire-and-Fire-Mentalität. Dafür ist die SGSH in der Region und darüber hinaus beneidet worden. Übrig ist davon nichts. 

Die Stimmen im Internet zeichnen ein Bild von Sprachlosigkeit und Unverständnis. Die SGSH mag heute viel potenter sein als früher, sie kann sich einen Nationaltrainer leisten und vieles mehr. Sie mag auch vielleicht irgendwann zum sportlichen Höhenflug ansetzen. Aber es wird ein Höhenflug ohne Seele sein – ihre Seele hat die SGSH verkauft.

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