Handball

Saisonabbruch? „So weit sind wir noch nicht“

HSV-Spielmacher Michel Lengelsen in der Partie gegen die SG Attendorn/Ennest.
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Drei Optionen: Die Landesliga-Handballer der HSV Plettenberg/Werdohl können für die Aufstiegsrunde melden, für die Pokalrunde – oder aber sie spielen in dieser Saison 20/21 gar keine Pflichtspiele mehr.

Kreisgebiet – Die Planungen waren weitestgehend bekannt, nachdem das Erweiterte Präsidium des Handballverbandes Westfalen bereits vor gut einer Woche den Alternativ-Ansatz der Spieltechniker für die Saisonfortsetzung in den Spielklassen des HV abgenickt hatte. Am Mittwochabend gab es gleichwohl noch einen digitalen Austausch der Staffelleiter Andreas Tiemann (Männer) und Bernd Kuropka (Frauen) mit den Vereinsvertretern. Gut 100 Konferenzteilnehmer kamen sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern von der Oberliga bis zur Landesliga zusammen.

Überwiegend Zustimmung und vereinzelte Kritik: Es gibt im HV Westfalen auch Trainer und Funktionäre, die gar nicht mehr auf eine Saisonfortsetzung setzen und lieber den direkten Saisonabbruch und die Annullierung der Serie favorisieren. „So weit sind wir noch nicht“, erteilte Andreas Tiemann diesen Stimmen, die es sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern gab, eine klare Absage.

Geprüft hatten die Spieltechniker auch die von den Vereinen ins Spiel gebrachte Variante, aus der Saison 20/21 eine Saison 20/21/22 zu machen, ergo die Spiele aus dem vergangenen Herbst mitzunehmen und in den identischen Spielklassen die Saison über das Frühjahr und den Herbst bis ins Frühjahr 2022 fortzusetzen. „Das ist in der Kürze der Zeit einfach nicht durchsetzbar. Dafür hätte man die Spielordnung ändern müssen. Das dauert Monate“, erklärte Tiemann.

Die Alternative 1 – ein Re-Start Anfang März mit dem Ausspielen einer einfachen Runde – legten Tiemann und Kuropka zwar am Mittwochabend noch nicht ad acta, allerdings stellten sie genau dies für die nächste Zeit in Aussicht. „Im Moment weiß keiner, wo wir stehen“, stellte Andreas Tiemann fest, „und wir wissen auch alle nicht, in welche Richtung es gehen wird. Seit dem Treffen in Berlin am Dienstag ist die erste Alternative allerdings sehr unwahrscheinlich. Ich denke, es wird da bald eine Entscheidung geben.“

Also wird es auf die zweite Alternative hinauslaufen – sie sieht Spielrunden auf freiwilliger Basis vor, die dann wohl irgendwann nach den Osterferien (Tiemann: „Den Startzeitpunkt kennt im Moment niemand...“) beginnen sollen – mit sechs Wochen Vorlaufzeit nach Öffnung der Sporthallen, damit die Teams genügend Zeit für eine Vorbereitung haben nach einer so langen Spielpause.

Aufstiegsrunde nicht als Spaßrunde

Die Runden, in denen es um den Aufstieg in die nächsthöhere Klasse gehen soll, wollen die Staffelleiter durchaus streng begleiten. „Wer zu einem Spiel nicht antritt oder ganz zurückzieht, wird mit hohen Ordnungsgeldern rechnen müssen“, sagte Tiemann, „wir wollen nicht, dass hier Mannschaften melden, die die Runden vielleicht als Vorbereitung für die neue Saison sehen, wollen keine Spaßrunden.“ Tiemann betonte, dass man mindestens in der Oberliga auf jeden Fall einen Aufsteiger zur 3. Liga ermitteln wolle. Auch in der Verbands- und Landesliga sollen die Vereine, die den Aufstieg anstreben, diese Möglichkeit erhalten. „Wenn es hier keine Bewerber geben sollte, ist das aber auch nicht schlimm“, stellte der Chef-Spieltechniker aus Hille fest.

Der Einwand von einigen Vereinsvertretern, dass dies sportlich nicht so zu bewerten sei wie eine komplette Saison, ließen die Spieltechniker nicht gelten – sie wollen zumindest die Chance eröffnen, dass Mannschaften, die in dieser Saison auch regulär um den Aufstieg mitgespielt hätten, nun auch tatsächlich auf einem sportlichen Weg den Aufstieg ausspielen – wenn auch anders als gewohnt.

Dass Mannschaften, die dieses Ziel verfolgen, nun auch nach der langen Spielpause theoretisch noch personell aufrüsten könnten – Tiemann und Kuropka sehen dies gelassen. Es sei ein Weg, der dauerhaft zumeist nicht zu Erfolg geführt hätte. Verbieten kann man dies allerdings wohl nicht.

Unterhalb der Aufstiegsrunden soll es eine Pokalrunde geben für jene Mannschaften, die zwar nicht aufsteigen wollen, sich aber wohl mit ein bisschen Handballspielpraxis anfreunden könnten. „Spielbetrieb light“ nannte Andreas Tiemann diese Spielrunden. Hier soll es nicht ganz so streng zugehen wie in den Aufstiegsrunden.

Testkonzept scheint unumgänglich

Was für beide Spielrunden unumgänglich scheint, ist ein Testkonzept. Anders sei es zum Beispiel Arbeitgebern nicht zu vermitteln, dass in Zeiten der Pandemie der Kontaktsport Handball betrieben würde. „Es geht nicht, dass wir da blind durch die Gegend fahren“, stellte Andreas Tiemann fest, wobei er einschränkte, dass man natürlich ohne Tests spielen könne, wenn alle Beteiligten dem zustimmen würden. Das allerdings ist ein wohl eher theoretischer Ansatz. Die Kommunen müssten ebenso zustimmen wie die Vereine beider Seiten, die Schiedsrichter – mit Blick auf die berufliche Problematik kein Weg, der sich als gangbar erweisen dürfte.

Der andere Weg dagegen ist einer, bei dem auf die beteiligten Vereine durchaus erhebliche Kosten zukommen werden. Ein Testkonzept mit Antigen-Schnelltests für die Aktiven am Spieltag wird nicht für jeden Verein zu stemmen sein. Zumal für diese Mehrkosten ja wahrscheinlich noch keine Zuschauer- und Catering-Einnahmen zur Gegenrechnung eingeplant werden können. Es bleibt schwierig.

Die wichtigste Botschaft eines Sportverbandes ist doch im Moment, dass es wieder Angebote geben wird!

Andreas Tiemann (Vizepräsident Spieltechnik des HV Westfalen)

Sei’s drum: Die Karten liegen nun auf dem Tisch. Die Vereine können nun entscheiden, was sie daraus machen. Dafür haben sie Zeit. Während der Handballkreis Hellweg zum Beispiel seine Vereine aufgefordert hat, bis zum 6. Februar für die Spielrunden auf freiwilliger Basis zu melden, hat Tiemann keine Eile. „Die Abfrage wird kommen – aber erst, wenn absehbar ist, dass es wieder losgeht in den Hallen“, stellte der Vizepräsident Spieltechnik des HV fest, „die wichtigste Botschaft eines Sportverbandes ist doch im Moment, dass es wieder Angebote geben wird.“ Diese Botschaft ist am Mittwochabend bei der Basis angekommen.

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