Handball, 3. Liga West

Neue Rolle für den Tausendsassa

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„Ich musste mich anfangs in die neue Rolle hineinfinden“, sagt Hans-Peter Müller, Co-Trainer und ruhender Pol auf der Dragons-Bank, „auch Zurückhaltung muss man lernen.“ 

Schalksmühle - Wer dieser Tage die Spiele des Handball-Drittligisten SGSH Dragons anschaut, der wundert sich mitunter aus der Ferne. Auf der Bank der Dragons sitzt ein Mann, der aussieht wie Hans-Peter Müller, doch der Mann ist über weite Strecken die Ruhe in Person.

Eine Art ruhender Pol neben Stefan Neff, dem Trainer, der gestikuliert, ins Spiel hineinruft, dirigiert, der – kurzum – unter Starkstrom steht. Der ruhende Pol ist tatsächlich Hans-Peter Müller, jener Trainer-Tausendsassa, der eigentlich wie Neff einer gewesen ist, der mitging – immer am emotionalen Limit. Das war einmal. 

„Ich musste mich anfangs in die neue Rolle hineinfinden“, sagt Müller, „auch Zurückhaltung muss man lernen.“ Inzwischen aber fühlt sich Müller in seiner Rolle im Trainerteam der Dragons pudelwohl. „Ich weiß, dass wir als Team gut harmonieren“, sagt Müller, „die Rollen sind klar verteilt. Hier und da kann ich Stefan auch noch mal einen Tipp geben. Das passt sehr gut.“ 

Überhaupt passt dieser Tage vieles sehr gut. Müller ist mithin der Co-Trainer des einzigen noch ungeschlagenen Handball-Drittligisten der Republik. 19:3-Punkte, Tabellenplatz zwei. Nun die Topspiele in Minden, gegen Leichlingen, in Krefeld. Der Pädagoge aus Gevelsberg genießt den Moment. „Ich kenne den Schalksmühler Handball schon lange, an so eine Position kann ich mich nicht erinnern. Das hat es seit mehr als 20 Jahren sicher nicht gegeben“, sagt Müller. Tatsächlich hat der Schalksmühler TV in der Hinrunde der Saison 96/97 einmal die Herbstmeisterschaft gefeiert. Seinerzeit allerdings war die Regionalliga noch geteilt. 

„Nicht zu viel Druck aufbauen“ 

Auch bei Müller steigt die Spannung vor den richtungweisenden Spielen. Er hat viel Video geschaut, viel analysiert. Noch mehr als sonst. Das ist sein Ding. „Wir sollten schauen, dass wir nicht zu viel Druck aufbauen“, sagt der ‘alte Hase’ im Trainergeschäft, „schon am Samstag in Minden kommt eine Toptruppe auf uns zu. Wir sollten jetzt nicht nur daran denken, dass wir im Falle von drei Siegen vielleicht in die 2. Bundesliga aufsteigen könnten. Was ich erwarte, das ist, dass die Spieler alle bereit sind, alles zu geben für sich und für den Verein – und wenn man dann mal ein Spiel verliert, sollten wir uns in die Augen schauen und auch damit leben können.“ 

Müller arbeitet derweil akribisch, damit die Dragons eben nicht verlieren. Eine gute Vorbereitung ist viel. „Montags machen wir immer den Wochenplan“, sagt er, „das, was wir angehenden Trainern bei den Lehrgängen des HV erzählen, das sind bei uns keine Phrasen: Wir leben das vom Montag bis zum Freitag. Ich bin zum Beispiel mehr der Mann für die Abwehr, Stefan mehr für den Angriff. Ich bin auch der, zu dem die Spieler mit ihren Sorgen kommen können.“ Sorgen indes sind im Moment eher selten. Müller spricht von einer „Bombenstimmung“ im Team. 

Noch bis zum Sommer im Schuldienst

„Ich habe schon viele Mannschaften erlebt“, sagt er, „wir haben einen guten Kader, sind physisch stark. Aber dass es so gut läuft, dazu trägt auch diese Stimmung im Team ganz sicher bei. Einer ist bereit, für den anderen zu arbeiten. Und es gibt keine Missgunst. Wenn der eine Spieler auf der Position ein gutes Spiel macht, freut sich der andere mit ihm. Deshalb macht es auch mir im Moment unheimlich Spaß.“ 

Hans-Peter Müller im Gespräch mit den Spielern - der Job bei den Dragons macht ihm im Moment viel Spaß.

Wohin derlei führen kann? Vielleicht am Ende gar in die 2. Bundesliga. „Ich habe das in Hagen erlebt, da müsste man gewaltig nachlegen“, sagt Müller. Dann hält er inne. „Stell dir vor, am Ende sind wir tatsächlich Erster“, sagt er, „na gut, diesmal kämen dann ja noch Aufstiegsspiele dazu. Nein, damit will ich mich noch nicht beschäftigen.“ Stolz wirkt er gleichwohl, dass solche Träumereien am Löh erlaubt sein müssen im Umfeld. 

Zumindest was den Zeitfaktor angeht, hätte Müller mit der 2. Bundesliga wohl kein Problem: Ende Januar sollte er eigentlich den Übergang zum Pensionär vollziehen. 65 Jahre alt ist er. Doch er macht bis zum Sommer weiter. „Ich habe aktuell eine zehnte Klasse“, sagt er, „und die hat gesagt, so kurz vor dem Abschluss könne ich doch nicht gehen. Und so habe ich einen Nachschlag bis zum Sommer bekommen.“ So könnte es ein ereignisreiches Halbjahr werden für Hans-Peter Müller, gar nicht ruhig...

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