Der Derby-Newcomer elektrisiert

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„Gute Erfahrung Kronen-Cup“: Im Endspiel des Turniers in Dortmund unterlagen Lutz Weßeling und Christian Feldmann (in der Abwehr) mit der SGSH gegen Silas Kaufmann, Niklas Polakovs & Co. Eine Niederlage, die die Sinne der SGSH vor dem Derby beim TuS Volmetal zusätzlich schärfen dürfte. Am Samstagabend um 19.45 Uhr steigt das „Spiel der Spiele“.

Schalksmühle - Dieses Kräftemessen ist der Newcomer unter den Derbys in der 3. Liga West der Handballer: Am Samstagabend um 19.45 Uhr trifft der TuS Volmetal auf die SG Schalksmühle-Halver. Ein Pflichtspiel zwischen den ersten Mannschaften beider Vereine hat es noch nie gegeben.

Umso brisanter ist dieser Drittliga-Vergleich der beiden Mannschaften, deren Trainingsstätten keine zwölf Kilometer auseinanderliegen. Der Halle am Volmewehr in Hagen-Dahl wird am Samstag – dazu bedarf es keiner prophetischen Gaben – aus allen Nähten platzen. Wahrscheinlich wird es in ganz Dahl keine Parkplätze mehr geben. Das Derby elektrisiert und polarisiert – es ist eine Art „Spiel der Saison“ für beide Seiten.

Für die SGSH ist das Gastspiel im Nachbarort die Chance, die bitteren Niederlagen in Minden und gegen Soest vergessen zu machen. Nach dem aufgrund von riesigen Verletzungsproblemen so holprigen Saisonstart hatte das Grasediek-Team in Ratingen und gegen Neuss eigentlich den erhofften Weg eingeschlagen – und auf den will die SGSH nun im Derby mit Macht zurückkehren. Während die SGSH als Saisonziel unter die „Top 6“ der Liga wollte und von der Konkurrenz auch zu den Topteams gezählt wurde, hatte der Aufsteiger TuS Volmetal naturgemäß kleinere Brötchen gebacken. Nach dem überraschenden Gewinn der Oberliga-Meisterschaft hat sich der TuS als Saisonziel den Klassenerhalt auf die Fahnen geschrieben.

Nach einem guten Start (6:4-Punkte) folgten zuletzt drei Niederlagen in Serie, u.a. beim Tabellenletzten in Habenhausen. TuS-Trainer Stefan Neff sieht sein Team gleichwohl noch „im grünen Bereich“. Mit dem Namen Neff ist der Aufschwung beim TuS verbunden: 26 Jahre war Neff gerade als, als der frühere Spielmacher aus der Jugend des VfL Eintracht Hagen den TuS in der Saison 2012/13 aus der Verbands- in die Oberliga führte. Nur zwei Jahre später gelang der noch sehr viel größere Coup mit dem Aufstieg in die 3. Liga West.

Die Rivalen haben den selben Mannschaftsarzt: Carsten Lueg

Räumlich zwischen dem VfL Eintracht Hagen und der SGSH angesiedelt, hat sich Neff ein Team mit Importen von beiden Seiten zusammengebastelt – aus Hagen u.a. mit Keeper Treude und Goalgetter Kaufmann. Von der SGSH kamen Niklas Polakovs, Kevin Herzog und Jan Stuhldreher, dazu hat auch Volmetals Torwart-Trainer Dirk Sackmann schon unter Mathias Grasediek das SGSH-Trikot getragen. Andersherum gibt es im SGSH-Kader anders als früher (Pfeiffer, Althoff) keine Akteure mehr, die eine Volmetaler Vergangenheit haben. Weitere Pikanterie am Rande: Beide Drittligisten „teilen sich“ den Mannschaftsarzt: Ex-SGSH-Spielmacher Carsten Lueg aus dem Sportkrankenhaus in Hellersen betreut medizinisch sowohl die Spieler des TuS als auch der SGSH. Ein weiteres Detail, das man in keinem anderen Drittliga-Duell antreffen dürfte.

Sportlich trifft am Samstagabend der Tabellenneunte auf den -14 – die SGSH geht nach der Niederlage gegen Soest auf einem Abstiegsplatz in dieses Nachbarschaftsduell. Personell will Mathias Grasediek die Karten noch nicht aufdecken. „Es entscheidet allein die Leistung“, sagt er. Fehlen werden weiter Diehl und Ruskov. Fragezeichen stehen hinter Merhar (angeschlagen) und Munkel (Trainingsrückstand). Achim Jansen hat sich im Training für ein Comeback aufgedrängt. Beim TuS fällt Jan Stuhldreher (Knieprellung) aus, ansonsten ist das Neff-Team komplett.

TuS: Treude, Quick – Brüggemann, Polakovs, Herzog, Kaufmann, De. Domaschk, Do. Domaschk, Kirsch, Schliepkorte, Dommermuth, Sackmann, Kowalski, Kersebaum

SGSH:  Formella, Plessers – Feldmann, Büchel, Eigenbrodt, Eskericic, Wardzinski, Luciano, Fleischhauer, Müller, Dmytruszynski, Jansen, Mayer, Weßeling, Munkel (?), Merhar (?)

Stimmen vor dem Lokalderby: Größter gegenseitiger Respekt

Mathias Grasediek (Trainer SGSH): „Von der Brisanz her ist das Spiel nicht zu toppen. Es ist unseren Spielern mega-wichtig, das hat man auch in der Vorbereitung gespürt. Volmetal hat als Aufsteiger eine eingespielte Mannschaft – zwei sehr gute Torhüter, eine hohe Abwehrqualität, diese Erfahrung haben wir beim Kronen-Cup gemacht. Wir wissen, dass dort hervorragende Arbeit geleistet wird und haben größten Respekt davor. Und wir geben auch nichts auf dieses Gequatsche, dass sie die Armen und wir die Reichen sein sollen. Wir wissen, dass sich die Volmetaler gar nicht so weit hinter uns sehen. Meine Mannschaft hat in dieser Woche Selbstkritik gezeigt – sie brennt aufs Derby. Es wird eine schwere Aufgabe. Wir müssen uns darauf konzentrieren, unsere Leistung aufs Parkett zu bekommen. Dann müssen wir sehen, ob das reicht.“

Jan Stuhldreher (Spieler TuS Volmetal, A-Jugend-Trainer SGSH Juniors): „Definitiv ist das ein ganz besonderes Spiel, denn einige von uns haben ja lange in Schalksmühle gespielt. Der Kontakt zu den alten, aber auch zu den neuen Spielern ist gut. Leider kann ich aufgrund einer Knieverletzung nicht spielen, muss 14 Tage pausieren. Ich hoffe, dass es ein schönes Derby wird – kampfbetont natürlich, aber auch spielerisch, dass es von den Emotionen her nicht zu viel wird. Die Anspannung hat man bei uns im Training schon deutlich gemerkt – das hat uns vielleicht in den letzten Spielen ein bisschen gefehlt. Natürlich geht man in so ein Spiel, um es zu gewinnen. Nichtsdestotrotz sind die Rollen klar verteilt. Die SGSH ist der Favorit, aber wir haben ein Heimspiel, und da wollen wir sie ärgern, diesen Vorteil nutzen und etwas reißen.“

Stefan Neff (Trainer TuS Volmetal): „Wir wissen auch, dass es bei der SGSH noch nicht so rund läuft, aber die individuelle Qualität der SGSH ist hervorragend. Deshalb liegt die Favoritenrolle bei Schalksmühle. Wir haben allerdings den Heimvorteil, den wir für uns nutzen wollen. Das Derby werden nicht nur die Emotionen entscheiden – es geht auch darum, die Qualität aufs Parkett zu bekommen, darum, den eigenen Plan zu verfolgen. Die Niederlage in Habenhausen hat uns weh getan. Wie wir dort aufgetreten sind, kann es nicht laufen. Wer allerdings nun in so einem Derby nicht alles herausholt, ist im Handballsport falsch aufgehoben. Beim Kronen-Cup war es schön für uns zu sehen, dass wir 15 Minuten mit der SGSH mithalten können. Aber dieses Spiel ist nun etwas ganz anderes: Über 60 Minuten mitzuhalten, ist viel schwieriger.“

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